VDSL-Verträge in Oppenheim werden gekündigt. (Foto: Andreas Lerg)

VDSL-Verträge in Oppenheim werden gekündigt. (Foto: Andreas Lerg)

Viele Bürger in Oppenheim dürften in den letzten Tages das nebenstehende Schreiben bekommen haben. Darin wird angekündigt, das bestehende VDSL-Tarife künftig nicht mehr bereit gestellt werden können. Ein genauer Grund wird nicht genannt. Die Ursache liegt im Kartellrecht bzw. entsprechenden Entscheidungen der Bundesnetzagentur. Wie auch die Allgemeine Zeitung berichtet hat, hat die Telekom in einem von der Bundesnetzagentur vorgeschriebenen Anbieter-Wettbewerb, die „letzte Meile“ also quasi die Verteilung von den Verteilerschränken zu den Haushalten an einen Wettbewerber namens  VSE NET GmbH aus Saarbrücken verloren. Die Telekom darf deshalb ihre bestehenden VDSL-Verträge nicht aufrecht erhalten, sondern muss den Kunden diese gezwungenermaßen kündigen. Wer bei der Telekom bleiben will, muss auf langsamere DSL-Anschlüsse mit maximal 16.000 Mbit/s ausweichen oder besser absteigen.

Auf Wiedersehen Internet-TV

Das Problem dabei: Kunden, die Entertain nutzen, also das Fernsehen über Internet schauen mit dem langsameren Anschluss sprichwörtlich in die Röhre, denn um Fernsehen in HD-Qualität schauen zu können, ist mindestens einer VDSL-Verbindung mit 25.000 Mbit/s notwendig. Notwendig, damit man alle Funktionen von Entertain, die man bezahlt auch nutzen kann. So zum Beispiel einen HD-Kanal schauen und parallel einen zweiten Aufzeichnen. das geht mit dem 16.000 Mbit/s Anschluss nicht mehr, was auch die Hotline sagt. Zudem ist der Empfang anfälliger für Bandbreitenschwankungen und wenn im Haushalt parallel noch jemand anderes eine Performance-hungrige Internetanwendung nutzt – Online-Spiele z.B. oder Musikstreaming – kann das ebenfalls den HD_Empfang beeinträchtigen. Selbst bei VDSL 25 kommt es manchmal bei Bandbreitenschwankungen zu Störungen im TV Empfang.

Damit sind im Prinzip in Zukunft in Oppenheim alle Entertain-Kunden der Telekom gezwungen, auf eine andere Lösung zum Empfang von Fernsehen vor allem in HD-Qualität auszuweichen. Ob Entertain über den Hybrid-Anschluss DSL-Festnet mit LTE nutzbar ist, ist unklar, denn die LTE-Hybridfunktion ist an die Geschwindigkeit des Festnatz-Basisanschlusses gekoppelt. Sprich, wenn der Basisanschluss nur eine 16.000 Mbit/s-Verbindung bietet, die LTE nur dazu, diese Geschwindigkeit zu halten, wenn diese „über die Leitung“ nicht aufrechterhalten werden kann. Ob aber der langsame 16.000er-Anschluss mit LTE auf 25.000 Mbit/s aufgestockt werden kann, geht aus den Erläutrungen auf der Seite zum Hybrid-Anschluss DSL-Festnet mit LTE nicht hervor. Es kann also sein, dass diese Kunden in Satelliten-Empfang, einen Kabelanschluss oder DVB-T 2 investieren müssen, um weiter in HD-Qualität Fernsehen zu können.

0800-Hotline ist überfordert

Der Autor dieses Artikels ist als Entertain-Nutzer selbst betroffen. Mittlerweile drei Anrufe bei der in dem Schreiben explizit genannten 0800-er Hotline der Telekom – zwei nach Erhalt des Schreibens, einer nach Bekannt werden der unschönen Ursache durch den Artikel der  Allgemeine Zeitung – verliefen ohne zufriedenstellendes Ergebnis.

Mal wurde erklärt, das würde mit der „Umstellung auf IP-Anschlüsse“ zusammenhängen. Dabei ist der Anschluss des Autors bereits vor zwei Jahren auf IP umgestellt worden. Mal heißt es „sie haben ja einen VDSL-25-Anschluss. Da ist alles in Ordnung, daran wird sich nichts ändern“ – mittlerweile darf diese Aussage als belegt falsch bewertet werden. Mal hieß es, das man „vom Backoffice zurück gerufen werde“, was bis heute nicht geschehen ist.

Fazit: Die Mitarbeiter der Hotline sind weder über den konkreten Vorgang in Oppenheim kompetent informiert, noch in der Lage, die nötigen Informationen irgenwie zu erhalten und den Kunden korrekt in Hinblick auf den bevorstehenden Verlust der schnellen VDSL-Verbindung zu beraten.