Am Samstag den 21.11.2015 fuhr ich über Bingen kommend als Vertreter des Bündnisses Energiewende Reform (www.BER.de) aus Mainz an vielen Windrädern in Rheinhessen vorbei zur Veranstaltung Energiewende Erfolgreich Gemacht oder Energiewende Erkennbar Gescheitert? nach Neustadt an die Weinstraße. Da meine politischen Wurzeln aus der Pfalz (Frankenthal) stammen, sah ich im Geiste bereits auf dem Weg nach Neustadt eine neue Fahne am Hambacher Schloss wehen.
Und es war ein schönes Zeichen von einer höheren Macht, dass am Abend nach der Veranstaltung – jetzt wirklich – die Farben der französischen Flagge das Hambacher Schloss anstrahlten .

Im 15. Februar 1794 wurde die Flagge mit der heutigen Farbreihenfolge zur offiziellen Nationalflagge der Ersten Republik erklärt. Als sekundäre, aber schon frühe Umdeutung gilt der Bezug zum Wahlspruch der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (liberté, égalité, fraternité), mit Blau für die Freiheit, Weiß (heraldisch: Silber) für die Gleichheit und Rot für die brüderliche Liebe. Es gab auch einmal eine Mainzer Republik (1792/1793), die diese Ideale versuchte in Deutschland einzuführen – das Hambacher Fest 1832 baute in Neustadt darauf auf – und unsere heutige Verfassung trägt die Ideale und die DNA von damals in sich.


Gerade in unserer heutigen aktuellen Situation gilt es, sich an die Ursprünge und die notwendigen Grundlagen unserer demokratischen Ordnung zu erinnern. Dabei spielte neben der rechtsstaatlichen Gewaltenteilung auch die Vierte Gewalt in Form der Presse eine erhebliche Rolle.
Am 21. November 2015 trafen sich also im Saalbau in Neustadt an der Weinstraße wieder mehr als 400 Demokraten um ein heikles Thema der heutigen Zeit neu zu diskutieren: Die Energiewende in Deutschland.


Eingeladen hatten vier Landesverbände von Bürgerinitiativen, federführend das Bündnis Energiewende für Mensch und Natur (http://www.energie-mensch-natur.de/ ) den 1. Vorsitzenden Uwe Anhäuser bei seiner Begrüßung) sowie die Bundesinitiative für vernünftige Energiepolitik, in der über 650 Bürgerinitiativen zusammengeschlossen sind.

Energiewende Erkennbar Gescheitert:

Durch diesen in den Augen Vieler sicherlich recht provokanten Titel wurde die Veranstaltung auf Plakaten angekündigt. Wie kann das sein, Energiewende gescheitert? Wo man doch allenthalben nur Erfolgsmeldungen hört? Doch zu diesem Thema gibt es eben durchaus sehr unterschiedliche Ansichten. Die FAZ titelte kürzlich: „Die Energiewende ist gescheitert –jeder denkt es, keiner sagt es.

Und Wirtschafts-und Energieminister Siegmar Gabriel sagte schon im April 2014 bei einer Veranstaltung in Kassel: „Die Wahrheit ist, dass die Energiewende kurz vor dem Scheitern steht. Die Wahrheit ist, dass wir auf allen Feldern die Komplexität der Energiewende unterschätzt haben.” Und er fügte noch hinzu: „Das ganze Ausland hält uns in Sachen Energiewende ohnehin für bekloppt“.

Auch Patrick Graichen, als Chef der für die sogenannten „Erneuerbaren Energien“ werbenden „Agora Energiewende“, äußerte im Dezember 2014: „Wir haben uns geirrt bei der Energiewende. Nicht in ein paar Details, sondern in einem zentralen Punkt. Die vielen neuen Windräder und Solaranlagen, die Deutschland baut, leisten nicht, was wir uns von ihnen versprochen haben. Wir hatten gehofft, dass sie die schmutzigen Kohlekraftwerke ersetzen würden, die schlimmste Quelle von Treibhausgasen. Aber das tun sie nicht.“

Der Grund für diese doch sehr erstaunlichen „Einsichten“ ist: Naturgesetze fügen sich nicht dem politischen Willen. Doch um zu verstehen, warum diese Naturgesetze für die Erfolgsbilanz der Energiewende dramatische Folgen haben, braucht es detailliertes technisches und physikalisches Wissen. Dieses wurde von 10-12 Uhr in einer Fachausstellung vermittelt, welche rege besucht war.

Die Aussage etwa, dass 30 Prozent des Stromes aus Erneuerbaren Energien stammen, klingt auf den ersten Blick fantastisch. Dennoch machen Wind-und Sonnenenergie derzeit weniger als 5Prozent der gesamten verbrauchten Energie aus. Der Grund: Der Stromverbrauch der privaten Haushalte macht etwa 26 Prozent des gesamten Stromverbrauchs aus, und dieser wiederum 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. Das bedeutet, selbst wenn alle Bürger auf Erneuerbare Energien umstellen würden, wären erst weniger als 5 Prozent der Energiewende geschafft.
Aber es gibt ja auch noch die Industrie, welche eine zuverlässige Versorgung mit Energie benötigt. Weil der Wind nicht immer weht, liefern Windräder durchschnittlich nur 18 Prozent ihrer möglichen Leistung. Fotovoltaik liefert nur an 900 von 8640 Jahresstunden mit voller Kraft Strom. Doch Strom muss bedarfsgerecht produziert werden, das heißt, genau in der Sekunde, in der ein Stromverbraucher das Licht oder den Herd einschaltet.
Eine Lastverteilung (zum Beispiel Waschmaschine nur nachts laufen lassen) lässt sich nur in sehr engen Grenzen realisieren.
Windkraft und Sonnenstrom ergänzen sich nicht (auch nachts weht oft kein Wind und auch tagsüber ist es oft bewölkt).

Daher müssen für 100 Prozent der benötigten Grundlast und rund um die Uhr konventionelle Kraftwerke bereit stehen, um die nötige Leistung zu erbringen. Aus diesem Grund wurde durch die Energiewende bisher kein einziges Kraftwerk ersetzt, es wurden vor allem Atomkraftwerke durch Braunkohle ersetzt. Insgesamt ist die Luft seit der Energiewende nicht sauberer, sondern dreckiger geworden. Bezahlbare und im ausreichenden Maße verfügbare Speichermöglichkeiten sind auf Jahrzehnte nicht in Sicht.

Da Windkraft Menschen, Tieren, Kultur-und Naturlandschaften in hohem Maße Schäden zufügt, im Verhältnis zu diesem Schaden aber einen äußerst geringen Nutzen liefert, fordern die bundesdeutschen Initiativen gegen Windkraft ein sofortiges Moratorium.

Dasselbe forderte der mit einer umfangreichen Delegation französischer Bürgerinitiativen in Neustadt anwesende Jean Butré aus Paris/Frankreich, Präsident der EPAW -European Platform Against Windfarms, welcher über 900 Bürgerinitiativen in ganz Europa angehören.

Der Oberbürgermeister der Stadt Neustadt, Hans Georg Löffler begrüßte die Besucher, indem er darauf hinwies, dass sich wohl kaum eine Stadt so gut eigne, demokratische Kontroversen auszutragen wie die schöne Stadt an der Haardt, von der aus im Jahre 1832 die Revolution und Demokratie in die deutschen Landen getragen wurde.

Detlev Ahlborn, Ingenieur und Energieexperte referierte über die technischen Probleme der Energiewende und insbesondere der oben genannten Windkraft, die das Hauptzugpferd der Energiewende sein soll.

Harry Neumann, einer der bekanntesten Naturschützer in Rheinland-Pfalz, berichtete aus erster Hand über die verheerenden Folgen des Windkraftausbaus auf die Natur und zahlreiche Vogelarten. Unabhängige Gutachten gebe es keine, da diese grundsätzlich von den Projektierern selbst in Auftrag gegeben würden.

Nikolai Ziegler stellte die politischen Positionen und Aktivitäten des bundesweiten Bündnisses VERNUNFTKRAFT dar.

Die führenden Mitglieder der rheinland-pfälzischen Parteien waren eingeladen gewesen, im Anschluss Fachvorträgen auf dieser Veranstaltung ihre jeweiligen politischen Positionen darzustellen.
Dieser Einladung waren Christian Baldauf, Bundesvorstand und 1. Stellvertretender Landesvorsitzender der CDU, sowie Dr Volker Wissing (Landesvorsitzender der FDP in RP und René Rock, Mitglied des Landtages und Mitglied des Landesvorstands der FDP Hessen gefolgt. Sowohl die SPD als auch die Bündnis90/DieGrünen sagten aus Termingründen ab.

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion nahmen außer den Referenten noch Alexander Wendt, Redakteur des Focus und Autor des Buchs „Der grüneBlackout“, sowie Dr. Jürgen Ott, Vorsitzender des pfälzischen Naturschutzvereins Pollichia, teil, bei der lebhaft und ausdauernd diskutiert wurde

Es stellte sich zur Freude der Veranstalter heraus, dass auch einige interessierte Vertreter der grünen Parteien vor Ort waren, die mit dem Gesagten selbstverständlich nicht immer einverstanden waren.

Nach der Veranstaltung muss/kann man sagen: So kann es nicht weitergehen.
Eine neue Sichtweise der Politik, der Wirtschaftsweisen und eine grundlegende Veränderungen des Lebensstils wird notwendig sein –ob mit oder ohne Windräder muss jeder Bürger nach Abwägung aller Fakten für sich selbst entscheiden.

Abschließend kann ich nur ergänzen:
Dieser Tag – der 21.11.2015 in Neustadt unter dem Hambacher Schloss
– dieser Tag der neuen Informationen und der neuen Art des Mitdiskutierens
– dieser Tag der Solidarität der Windkraftkritiker und der Reformer der Energiewende
wird in die Geschichte unseres Landes eingehen.
Da bin ich mir als „Träumer“ für eine bessere Zukunft ganz sicher.
Denn die ehrenamtlichen Initiatoren dieser von Bürgern für Bürger organisierte Veranstaltung haben in der Kürze der Zeit alles gegeben, um diese wichtige 2. (neue) Sicht, in die Diskussion um die Energiewende einzubringen um von Neustadt aus eine deutschlandweite Reform zu initiieren.