Einer von vielen leer stehenden Läden in der Oppenheimer Altstadt.

Einer von vielen leer stehenden Läden in der Oppenheimer Altstadt.

Jüngst lasen wir in der Allgemeine Zeitung, dass an der B9 eine neue Ladengalerie namens „Landskron-Galerie“ mit Kaufland als Vollsortimenter entsteht. Kaufland will sich auf 3.400 Quadratmetern mit dem Schwerpunkt Lebensmittel etablieren. In dem 8500 Quadratmetern großen Gebäudekomplex sollen Flächen für weitere Ladengeschäfte entstehen. Von Bäcker, Schuhgeschäft oder einer Apotheke ist die Rede. Weiterhin ist zu lesen, dass zusätzlich im neuen Baugebiet auch ein Baumarkt entstehen soll.

Sargdeckel für die Oppenheimer Altstadt

Diese Bau- und Ansiedlungsvorhaben werden dafür sorgen, das sich der Sargdeckel über der Oppenheimer Altstadt endgültig schließt, was das Thema Gewerbe betrifft. Das aus zwei Gründen. Die Kaufkraft steigt nicht proportional mit der wachsenden Zahl der Läden und Geschäfte an. Da der Projektentwickler vor allem lokale Geschäfte für die neuen Ladenlokale in der „Landskron Galerie“ ansprechen will, werden vermutlich die restlichen Ladenbetreiber in der Altstadt die Gunst der Stunde nutzen und in neue größere Läden auf die grüne Wiese ziehen. Die Kunden können dort zudem dann kostenlos und „nahe bei“ parken. Die Sparkasse baut bereits auf dem Gelände des Autohaus Oppenheim eine neue Filiale, die die Filiale in der Altstadt nicht ergänzen sondern ersetzen wird.

Und als nächstes schließt die REWE?

Damit nicht genug, denn die neue Gewerbefläche dürfte weitere Auswirkungen haben. Ob Oppenheim und Umgebung genug Kaufkraft hat, um DREI Lebensmittel-Vollsortimenter mit ausreichend Umsatz zu versorgen, damit diese Läden wirtschaftlich betrieben werden können, darf bezweifelt werden. Der SBK-Markt hat jüngst seine Fläche deutlich verkleinert und den ehemals externen Getränkemarkt in die Ladenfläche eingebunden. Die wunderschöne Wein- und Spirituosenabteilung, in der gerade Oppenheimer Weine sehr toll präsentiert wurden, wurde geopfert. Heute stehen die Weine der Region „nur noch im Regal“. Das Sortiment wurde ebenfalls reduziert und die Regalflächen verdichtet, sodass der Markt jetzt gedrängter und enger wirkt. Auch die Zahl der Kassen wurde verringert. Das geschah wohl nicht, weil der Markt „gebrummt“ hat wie verrückt. Die freigewordene Fläche des Getränkemarktes hat ein Oppenheimer Bekleidungsgeschäft belegt, dass aus der Altstadt damit abgewandert ist. Aus gut nachvollziehbaren Gründen.

Der REWE-Markt ist vom Layout und der Struktur sowie dem Einkaufserlebnis her vollkommen veraltet. Wie eine moderne REWE aussieht, sieht man im neuen Markt in Nierstein. Wenn Kaufland kommt, dann könnte das bedeuten, dass die REWE geht. Denn wenn Kundschaft abwandert und die Zahlen nicht mehr stimmen, schwindet der Grund, den Markt zu modernisieren. In Nierstein und Guntersblum hat der REWE-Konzern zwei gute Läden, die den Oppenheimer Markt aus Konzernsicht wohl nicht vermissen lassen würden.

Auch bei den Discountern könnte die „Landskron Galerie“ zu einer Bereinigung führen, die am ehesten den Netto-Markt betreffen dürfte. Kaufland gehört zur Schwarz-Gruppe wie auch Lidl. Deshalb dürfte der Konzern mit Sitz in Neckarsulm das Sortiment beider Läden so steuern, dass der Lidl nicht in Gefahr gerät. Aldis Beliebtheit dürfte auch diesen Discounter vor Problemen bewahren.

Andreas Lerg

Andreas Lerg

Ein Kommentar von Andreas Lerg.