Blutmond über Rheinhessen (Symbolbild Wikipedia)

Blutmond über Rheinhessen (Symbolbild Wikipedia)

Wer in Rheinhessen heute nacht etwas besonderes erleben will, sollte lange wach bleiben. Ab vier Uhr in der Nacht können wir einem „Blutmond“ (nicht nur) über Rheinhessen bestaunen. Auslöser ist eine seltene Mondfinsternis die wir erst wieder im Jahr 2033 erleben werden. Der nachfolgende Text der MeteoGroup erläutert die Details zu dem Phänome, dass auch als „Supermond“ bezeichnet wird.

Wie kommt es zum blutroten Vollmond

Wie Meteorologe Frank Abel von MeteoGroup erläutert, kommt es am Morgen des 28. September 2015 zu einem seltenen Himmelsereignis. „Dann ist überall in Deutschland am frühen Morgen nahe über dem Horizont ein großer, blutroter Vollmond zu sehen, sofern das Wetter mitspielt“, so Meteorologe Frank Abel. Der Begriff „Supermond“ ist mit Vorsicht zu benutzen. Er bezieht sich auf die Größe und Helligkeit des Vollmondes, während sich der Mond in der erdnächsten Entfernung auf seiner Umlaufbahn befindet. Am 28. September früh morgens beträgt der Abstand vom Mittelpunkt der Erde bis zum Mittelpunkt des Mondes knapp 357.000 Kilometer. Gleichzeitig wird dabei dieser Mond in rotes Licht getaucht, da ebenfalls eine totale Mondfinsternis stattfinden wird. Das Zusammentreffen dieser beiden Ereignisse ist sehr selten, die nächste Gelegenheit, einen solchen „Supervollmond“ zu beobachten, hat man erst wieder im Jahre 2033.

Es kommt sogar noch eine dritte, günstige Gegebenheit hinzu: Denn wir haben es nicht nur mit einem „Supermond“ und einer Mondfinsternis zu tun, sondern noch dazu mit einem „Erntemond“ („harvest moon“). Das bedeutet, dass der Mond im September ab seiner Vollmondphase über ungefähr eine Woche beinahe zur gleichen Zeit am frühen Abend am östlichen Himmel aufgeht. Sein Name rührt von den Landwirten her, denen dieses helle Licht seinerzeit sehr willkommen war, um die Arbeit noch in die Nacht hinein verlängern zu können.

Für uns als Mondfinsternisbeobachter heißt dies, dass der Mond sich während seiner Finsternis immer weiter dem westlichen Horizont nähert, während der totalen Finsternis bereits besonders tief steht und damit sehr groß erscheint. Das nächste Zusammentreffen von Erntemond, Supermond“ und einer Totalen Mondfinsternis ist erst wieder am 02.09.2574. Es lohnt sich also, am Montag früh aufzustehen.

Was ist ein Supervollmond

Der Begriff „Supervollmond“ ist sinnverzerrend. Zwar entspricht es der Wahrheit, dass der Vollmond während der Perigäums um 14 Prozent größer erscheint. Doch diesen Unterschied werden nur erfahrene Mondbeobachter bemerken. Dennoch wird uns Beobachtern der Mond größer vorkommen. Dies ist eine bekannte optische Täuschung. Denn unser Gehirn gaukelt uns vor, dass Objekte in Horizontnähe näher sind als am höheren Himmel. Man kennt dies auch generell vom Aufgang und Untergang von Sonne und Mond.

Aber dennoch, das Timing ist in diesem Falle ideal: wenn der Mond um 04:11 Uhr in den Kernschatten eintritt und sich rot verfärbt, ist er bereits tief am Himmel bei sonst noch vollständiger Dunkelheit. Die Rotfärbung entsteht übrigens durch die wellenlängenabhängige Brechung des Sonnenlichts an der Erdatmosphäre, ähnlich wie bei Sonnenauf- und -untergang. Die maximale Verfinsterung findet um 4:47 Uhr ebenfalls noch bei totaler Dunkelheit statt. Und nur wenige Minuten nach Beginn der bürgerlichen Dämmerung um 6:42 Uhr ist ohnehin die Mondfinsternis nicht mehr sichtbar (Sichtbarkeitsende ca. 6:56 Uhr). Wer also dieses seltene Ereignis fotografieren oder filmen möchte, sollte sicherstellen, dass er freien, unverbauten Blick gen Westen hat.

Spielt das Wetter mit?

Noch ist es natürlich für eine detaillierte Bewölkungsprognose viel zu früh. „Generell kann man aber sagen, dass vor allem in der Südwesthälfte gute Chancen bestehen, dieses seltene Himmelsereignis verfolgen zu können“, so Meteorologe Frank Abel. Nach jetzigem Stand scheint sich zum Wochenwechsel hoher Luftdruck bei uns einzustellen, mit Schwerpunkt in Richtung der Britischen Inseln oder der Nordsee. Dementsprechend herrscht eine nordwestliche bis nördliche Strömung. Dies macht dabei die Nordosthälfte zum Unsicherheitsfaktor, da die über die Nord- und Ostsee mit Feuchtigkeit angereicherte Luft mit einigen tiefen Wolkenfeldern oder auch Nebelfeldern in den Norden Osten Deutschlands ziehen kann. Dennoch gibt es hier zumindest zeitweise die Chance für freien Blick auf den Himmel.