Andreas Lerg, Ulla Niemann und Thies Lerch bilden den neuen Strömungsretter-Trupp der DLRG Oppenheim. (Bild: Andreas Fuhr)

Andreas Lerg, Ulla Niemann und Thies Lerch bilden den neuen Strömungsretter-Trupp der DLRG Oppenheim. (Bild: Andreas Fuhr)

Die DLRG Oppenheim hat jetzt einen Strömungsretter-Trupp. Nachdem im letzten Jahr bereits Thies Lerch die Ausbildung „DLRG Strömungsretter Stufe 1“ absolviert hatte, haben Ulla Niemann und Andreas Lerg beim diesjährigen Lehrgang erfolgreich aufgeschlossen.

Strömungsretter kommen dort zum Einsatz, wo es für den „normalen Rettungsschwimmer in der Badehose“ eindeutig zu gefährlich wird. Also in schnell fließenden Gewässern und Wildwasser. Dazu ist der Strömungsretter mit einem dicken Neoprenanzug gegen Kälte und auch als Schutzschicht gegen Abschürfungen ausgerüstet. Zudem trägt er eine Auftriebs- und Prallschutzweste, in die auch eine Sicherungsleine eingehängt werden kann. Helm, Schutzhandschuhe und spezielle Sicherheitsschuhe runden die „Persönliche Schutzausstattung“ (PSA) ab.

Strömungsrettung ist „körperbetont“

Strömungsrettung ist „körperbetont“, sprich der Schwimmer kann durchaus mal einen blauen Fleck davon tragen, wenn er im Wildwasser irgendwo „aneckt“. Doch die PSA ist nur Teil des Systems. Der andere Teil ist eine gründliche Ausbildung. Nur wer weiß, was er tut, bleibt im Einsatz von schwereren Blessuren und Verletzungen verschont und kann einen Menschen aus Gefahr retten. Der Lehrplan dieser Ausbildung umfasst:

  1. Gefahren am und im Fließgewässer
  2. Hydrodynamik und Strömungslehre
  3. Ausrüstungskunde (Persönliche Schutzausrüstung und spezielle Rettungsgeräte)
  4. Wurfsacktechnik
  5. Spezielle Schwimmtechnik im Wildwasser
  6. Sicherheit und Verhalten in stark strömenden Gewässern
  7. Erste Hilfe in der Strömungsrettung
  8. Spezielle Rettungstechniken und Einsatztaktik
  9. Einsatz im Hochwasser und Überschwemmungsgebieten
  10. Grundlagen der Rettung mit technischen Hilfsmitteln (Seiltechnik und Flaschenzüge)

Nasse und anstrengende Praxis

Nach dem Theorieteil im April stand am letzten Maiwochenende vor allem die Praxis auf dem Lehrplan. Am Samstag wurde zunächst das „aktive und passive“ Schwimmen im Fließgewässer Rhein geübt. Während ein Strömungsretter mit dem aktiven Schwimmen ein bestimmte Ziel ansteuert oder in eine Richtung schwimmt, geht es beim passiven Schwimmen darum, sich von der Strömung treiben und beispielsweise durch Engstellen ziehen zu lassen.

Danach wurde zunächst das gezielte Werfen einer Wurfsackleine geübt, die einer im Wasser treibenden Person zugeworfen wird, um diese dann ans Ufer zu ziehen. Es schloss sich die schwimmerische Rettung an. Hier ist der Strömungsretter durch eine Leine am Rücken seiner Schutzweste gesichert, schwimmt die zu rettende Person an. Die Person wird ergriffen und dann werden beide vom Seilführer aus der Strömung ans Ufer gezogen.

Ab ins wilde Wasser

Am Sonntag ging es dann zur Wildwasser-Kanu-Strecke in der Nahe bei Bad-Kreuznach. Hier, wo normalerweise nur Wildwasser-Kanuten unterwegs sind, konnten die Teilnehmer das Schwimmen und Retten in starker Strömung, Engstellen, Walzen und Strudeln, Kehrwassern und Wassertreppen (kleinen Wasserfällen) üben. Dazu Ulla Niemann, Leiterin Ausbildung der Ortsgruppe Oppenheim: „Bei der Strömungsrettung geht es nicht nur darum, die eigenen Kräfte und Grenzen einzuschätzen, sondern auch um die Kräfte, die von außen auf einen wirken. In wildes Wasser zu springen und auf Hindernisse zu zuschnellen, macht einem klar, wie wenig wir doch der Kraft des Wassers entgegenzusetzen haben.“ Mit diesen Kräften gilt es umzugehen. Andreas Lerg, Vorsitzender der DLRG Oppenheim, konkretisiert: „Wenn Du da an einer Engstelle von der Strömung durchgespült wirst und mit dem Hintern über einen Stein unter Wasser schrammst, weißt Du, dass Du beim nächsten Durchgang noch mehr Körperspannung brauchst, um noch flacher im Wasser zu liegen.“

Rettunsgtechniken für die Strömung

Nach mehreren Runden Schwimmen im Wildwasser ging es dann an die verschiedenen Rettungstechniken. Eine Möglichkeit ist, dass ein Strömungsretter dicht an einer Engstelle im Wasser steht, von einem weiteren Retter gesichert wird und einen Vorbeitreibenden „abgreift“ und ins seichte Wasser zieht. An anderen Stellen trainierten die angehenden Strömungsretter die schwimmerische Rettung. Der Strömungsretter ist mit einem am Rücken seiner Weste eingehakten Seil gesichert. Er schwimmt die in der Strömung treibenden Person an und „fängt sie“ ein. Dann werden beide von der Seilmannschaft ins seichte Wasser oder ans Ufer gezogen.

Sicherheit an erster Stelle

Wenn das Sicherungsseil der Schwimmers beispielsweise einklemmt wird, dann zieht ihn die starke Strömung schnell unter Wasser. Auch das wurde trainiert. Thies Lerch, der den Lehrgang als Übungsgelegenheit nutzte, erklärt: „Dafür gibt es an unserer Prallschutzweste den sogenannten Panikverschluss. Du ziehst an einem Griff und der Ring an der Weste, in den das Seil an deinem Rücken eingeklinkt ist, wird abgeworfen. Dann bist Du wieder frei, treibst mit der Strömung weiter und gehst an einer ruhigeren Stelle aus dem Wasser“.

Ein bisschen was von Bergsteigen gehört dazu

Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen der „Seilarbeit“. So mussten sich die Lehrgangsteilnehmer von einer rund acht Meter hohen Brücke in die Nahe abseilen. In unwegsamen Gelände oder Schluchten kann es nötig werden, sich zu einer Einsatzstelle abzuseilen, wenn diese anders nicht zu erreichen ist. An der zweiten Station wurde die „Vertikalrettung“ geübt. Dabei geht es darum, mit einem eigens aufgebauten Seilzugsystem einen Verunglückten in einer Schleifkorbtrage an einer Steilwand hochzuziehen. Die Schleifkorbtrage wird von einem Strömungsretter „begleitet“, der ebenfalls in den Seilzug eingehängt ist und mit nach oben gezogen wird. Er sorgt dafür, dass die Trage mit dem Verletzten auf dem Weg nach oben nirgendwo aneckt oder hängen bleibt.

Nach zwei anstrengenden aber sehr spannenden und kurzweiligen Tagen voller Praxis überreichte Lehrgangsleiter Thomas Scherer aus dem DLRG-Bezirk Nahe-Hunsrück den insgesamt neun Teilnehmern aus dem ganzen Landesverband Rheinland-Pfalz die Urkunden. Die Strömungsretterausbildung ist eine Fortbildung zur Fachausbildung Wasserrettungsdienst.