Das 2015er Pfingstschifferstechen begeisterte wieder das Publikum.

Das 2015er Pfingstschifferstechen begeisterte wieder das Publikum.

Nach einem Jahr Pause – eines der beiden Holzboote war Pfingsten 2014 nicht „seetüchtig“ – standen am Pfingstsonntag in der „Oppenheimer Hafenarena“ wieder Männer auf den Brettern, die den Sieg bedeuten … oder eben ein Bad im kühlen Nass. Gleich vier DLRG Ortsgruppe, die DLRG „Schifferstecher“ Nierstein, die DLRG Oppenheim, die DLRG Nackenheim und die DLRG Nieder-Olm/Wörrstadt, hatten zum neunten Pfingstschifferstechen in den Oppenheimer Hafen eingeladen und wie immer waren die Zuschauerränge voll und die Stimmung gut. In bewährter Manier wurde die Veranstaltung von Bernd Weiß von den Niersteiner Schifferstechern und Oppenheims Stadtbürgermeister Marcus Held moderiert.

Das nasse Dutzend

Angelehnt an den Filmklassiker „Das dreckige Dutzend“, könnte man am Sonntag vom „nassen Dutzend“ sprechen, denn zwölf tapfere Mannen hatten sich eingefunden, um den „Tanz auf den Planke die so schön schwanken“ zu wagen. Die Zuschauer, die von der DLRG auch mit Steaks, Bratwürstchen, Getränken und Kaffee und Kuchen versorgt wurden, erlebten spannende Kämpfe. Das kürzeste Duell war bereits nach kaum drei Sekunden beendet, die „Titanen“ des Schifferstechens hielten einander teilweise über vier Minuten in Schach, bis die Entscheidung fiel.

Historischer Hintergrund der Schiffer- und Fischerstechen

Was heute vor allem ein heiteres und nasses Vergnügen ist, hat einen hunderte Jahre alten und eher ernsten Hintergrund. Einst waren gute Liegeplätze rar und damit der Kampf um die besten Plätze nicht in blutigen Handgemengen endet, wurde auf diese Weise entschieden, wer welchen Liegeplatz bekommt. Genau so laufen die Fischerstechen, bei denen es aber dann um die besten Fischgründe in einem Gewässer ging. Eines der ältesten Fischerstechen in Deutschland wird in Ratsprotokollen der Stadt Ulm im Jahr 1545 erwähnt.

Die „Spielregeln“ sind einfach. Beide Kontrahenten stehen auf einem Brett, dass vorne auf einem Nachen – einem flachen hölzernen Ruderboot – montiert ist. Die weiße Linie begrenzt die erlaubte Standfläche an der Spitze des Brettes. Beide Wettbewerber müssen mit einer Lanze den anderen vom Brett ins Wasser befördern. Erlaubte Trefferflächen liegen zwischen Hüfte und Hals. Treffer unter der Gürtellinie und am Kopf sind ebenso verboten, wie das Hacken und Schlagen mit der Lanze, an deren Spitze zum Schutz der Teilnehmer ein Gummiball montiert ist.

Faire Kämpfer

Manchmal landete dieser Ball im Eifer des Gefechtes doch im Gesicht oder eben dort wo es weh tut. Doch dann gaben sich beide Kontrahenten die Hand und das Duell ging weiter. Eine stabiler Stand und eine Geduckte Haltung, um dem Gegner keine Trefferfläche zu bieten, waren ebenso wichtig, wie die geschickte Handhabung der Lanze. Der im Wasser eingesetzte Rettungsschwimmer der DLRG Oppenheim bekam nichts ernstes zu tun und musste nur ab und zu die beiden Boote auf Kurs bringen.

Nach der Vorrunde hieß es im Halbfinale dann „jeder gegen jeden“. Gezählt wurden die „Abgänge“ ebenso, wie die Punkte und die Dauer der Duelle. Daraus ergaben sich dann die Finalpaarungen. Diesmal war keiner der üblichen Favoriten der strahlende Sieger, denn der Niersteiner „Rhoischubser“ Kay Kirmse machte seinem Spitznamen alle Ehre und konnte den spannenden Finalkampf gegen den verbissen kämpfenden „Bauhof-Jo“ Jochen Blüm für sich entscheiden. Den Kampf um den dritten Platz entschied Miguel Ferraz für sich.

Überraschung für die beiden Letztplatzierten

Jens Gehindy vom Hauptsponsor Sportarena Impuls, der alle Pokale und Medaillen gestiftet hatte, hatte aber nicht nur für den Erstplatzierten, der eine dreimonatige Mitgliedschaft in der Sportarena bekam, eine Überraschung im Gepäck. Die beiden Letztplatzierten durften sich jeweils über eine einmonatige Mitgliedschaft freuen. Bernd Weiß dankte bei der Siegerehrung nicht nur den zahlreichen Helfern, sondern auch den Sponsoren. Marc Sittig, Umweltbeauftragter der Stadt Oppenheim, hatte die Veranstaltung mit einer privaten Spende unterstützt. Auch die Sparkasse hatte zum guten Gelingen der Veranstaltung beigetragen.

Zusammenhalt macht es möglich

Bernd Weiß vom Organisationsteam erklärte, dass die DLRG in diesem Jahr erstmals selbst als Veranstalter auftrat, denn in den Jahren zuvor war es die Stadt Oppenheim. Zu der Kooperation der vier rheinhessischen DLRG-Ortsgruppen erklärt er: „Es ist super, wie reibungslos und gut wird zusammengearbeitet und diese Veranstaltung vorbereitet und durchgeführt haben. Man sieht, wie gut der Zusammenhalt hier in der Region ist.“

Bei der Siegerehrung auf der Wäldches-Kerb.

Bei der Siegerehrung auf der Wäldches-Kerb.