Endet das Verwirrspiel in Mommenheim mit einem blutigen Massaker? Jens Eilart als wutentbrannter Hugo Häberle. (Bild: Andreas Lerg)

Endet das Verwirrspiel in Mommenheim mit einem blutigen Massaker? Jens Eilart brilliert als wutentbrannter und die Kettensäge schwingender Hugo Häberle. (Bild: Andreas Lerg)

Kennen Sie das? Wenn Sie nachts ordentlich geso…. also gefeiert haben und am nächsten Morgen mit einem dicken Kopf aufwachen, dann kommt es nicht selten noch dicker! Noch viel dicker sollte es für Schreinermeister Sepp Hammer kommen, als er mit Kopfschmerzen aber ohne sein Gebiss in der Sägemehlkiste in seiner Werkstatt aufwacht. Neben dem Gebiss vermisst er aber auch einen Schuh und vor allem jegliche Erinnerung an die vergangene Nacht.

Auch für seinen Sohn Frank Hammer ist das, was nach der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Gesangvereins Liederkranz 1914/50, die beide gemeinsam besucht hatten, geschah nur in nebelhaftester Erinnerung geblieben. Selbst Freund und Dorfpolizist Siegmund Eiferling, der kurze Zeit später auftaucht und auch an der illustren Feier teilgenommen hatte, bringt wenig Erhellendes in das Dunkel der vergangenen Nacht. Auch ihm fehlt die Erinnerung, doch trägt er dafür als Denkzettel eine stattliche Beule auf der Stirn.

Indizien für eine sehr verdächtige Nacht

Immerhin finden sich diverse Indizien, die Spekulationen über jene Ereignisse ermöglichen, die den drei Männern bald darauf reichlichen Ärger bescheren würden. So findet Sepp eine fremde Leiter, der eine Sprosse fehlt. Eben jene Sprosse hat Polizist Eilferlig bei sich und stellte messerscharf einen Zusammenhang zu der Beule auf seinem Kopf her. Junior Hammer ist indes auf einem hölzerne Fensterladen aufgewacht und dessen herzförmiger Ausschnitt macht ihm Angst.

Die Ehe-Furien verpassen ihren vermeintlich treulosen Gastten die erste (von mehreren) Abreibungen. (Bild: Andreas Lerg)

Die Ehe-Furien verpassen ihren vermeintlich treulosen Gatten die erste (von mehreren) Abreibungen. (Bild: Andreas Lerg)

Eine Angst, die für alle drei Herren mehr als berechtigt ist, treten doch bald zwei Furien in Gestalt der Ehefrauen Pauline Hammer und Klara Eiferling auf den Plan, die ihren Männern Üblestes unterstellen und selbiges ausgesprochen „schlagfertig“ ahnden. Hammer-Junior befürchtet ebenfalls zu Recht Ärger mit seinem Liebchen Evi Häberle zu bekommen, stammt der ramponierte Fensterladen, den sie bei ihm findet, doch vom Schlafzimmerfenster ihrer Zwillingsschwester Tina.

Mit viiiiiiieeeeeel Zwiiieeebeln!

Ach was muss die arme Eugenie, gespielt von Marlis Schmitt, leiden. Gestohlener handkäs', hosenlose Männer und allerlei Ungemach muss sie erdulden. (Bild: Andreas Lerg)

Ach was muss die arme Eugenie, gespielt von Marlis Schmitt, leiden. Gestohlener Handkäs‘, hosenlose Männer und allerlei Ungemach muss sie erdulden. Links Andreas Lingk als Frank Hammer. (Bild: Andreas Lerg)

Zu allem Überfluss stürmt auch noch die „Pfarrhäuserin“ Eugenie in die Werkstatt, die laut und wortgewaltig lamentierend den Diebstahl eines Handkäs‘ beim „Herrn Polizei“ zur Anzeige bringt. „Der Herr Pfarrer, der kommt doch heute von der Wallfahrt heim, und der isst doch den Handkäs‘-Salat so gern. Mit viiiieeeel Zwiiiiieeebeln“, klagte Eugenie, die ob des gestohlenen anrüchigen Käses nun die Leibspeise des Pfarrers nicht mehr zubereiten kann.

So entspann sich am Wochenende das herrliche und vergnügliche Verwirrspiel „Die unglaubliche Geschichte vom gestohlenen Handkäse“, das die Laienspielgruppe des Gesangverein Liederkranz Mommenheim in der Gemeindehalle aufführte. Spätestens als die beiden von ihrem Kater geplagten Männer mit runter gelassener Hose im ersten Akt von besagten angetrauten Furien erwischt wurden und erstmals den Allerwertesten versohlt bekamen, blieb im Saal kein Auge mehr trocken.

Ein halbes Jahr Arbeit und Hingabe

Bevor das Ensemble vor zwei Mal ausverkauftem Haus spielen konnte, ist über ein halbes Jahr Arbeit ins Land gegangen. Die begann mit der Auswahl des Stückes, das von Theaterautor Bernd Gombold stammt. Es folgten Leseproben, dann erste Proben. Auch der Bau der Bühne und ihrer Ausstattung musste geplant werden.

Thomas Schleicher, auf der Bühne in der Rolle des Wachtmeisters Eiferling zu sehen, baute wie immer das Mobiliar und die Ausstattung für die Bühne. Da für ihn keine echte Polizeiuniform aufzutreiben war – selbst das angefragte Staatstheater in Mainz leiht sich solche immer bei der Polizei – griff Christiane Schleicher kurzerhand und knapp vor der Premiere zu Nadel und Faden und schneiderte eine grüne Uniformjacke. In der heißen Phase in den Wochen nach Fastnacht liefen dann zahlreiche Proben, die letzten von morgens neun Uhr bis abends nach 19 Uhr, wie Holger Pietsch, Sprecher der Gruppe, dem Publikum beschrieb.

Das Jahr nach Herrgesell

„Dies ist das Jahr Eins nach Herrgesell“, erläuterte er in seinem Grußwort weiter. Der langjährige Regisseur Siegfried Herrgesell und seine Frau Helga, die als Soufleuse die Gedächtnisstütze der Schauspieler war, hatten nach der letztjährigen Vorstellung die Leitung der Gruppe in jüngere Hände abgegeben. Natürlich unterstützten sie die Kollegen in diesem Jahr trotzdem, beispielsweise dadurch, dass Siegfried Herrgesell als Kameramann die Vorstellung aufzeichnete.

Immer wieder Hiebe statt Liebe

Der Handkäs'-Dieb überführt und gefesselt? Wohl eher hinters Licht geführt von den eigentlichen Bösewichten. (Bild: Andreas Lerg)

Der Handkäs‘-Dieb überführt und gefesselt? Wohl eher hinters Licht geführt von den eigentlichen Bösewichten. (Bild: Andreas Lerg)

Schreiner Hammer und Wachtmeister Eiferling mühen sich redlich, Erklärungen für das Geschehen der letzten Nacht zu finden und den tobenden Gattinnen zu liefern, was sie sich doch selbst nicht erklären können. Vergeblich, denn immer wieder setzt es Hiebe. Immerhin erfahren sie, dass sie zunächst in Pfarrhäuserin Eugenies Schlafzimmer und Bett sowie im Anschluss noch in Tina Häberles Zimmer gelandet waren.

Drohendes Kettensägen-Massaker

Hugo Häberle, Vater des „doppelten Lottchens“ Eva und Tina, zürnt dem ihm unbekannten Eindringling und fürchtet um Ehre und Unschuld seiner Tochter, was ihn zur adäquaten Tobsucht treibt. Als er erkennt, dass seine beiden Freunde Hammer und Eiferling die nächtlichen Besucher waren und ihm zudem noch den Handkäs-Diebstahl unter den Frack jubeln wollen, den sie selbst im alles andere als nüchternen Zustand verbrochen hatten, greift er rachedürstend zur Kettensäge.

Erst ganz am Schluss kam ans Tageslicht, wer hinter den Irrungen und Wirrungen um den gestohlenen Handkäs steckt. Es war Tina alias Evi, gespielt von Ulla Niemann (Bild: Andreas Lerg)

Erst ganz am Schluss kam ans Tageslicht, wer hinter den Irrungen und Wirrungen um den gestohlenen Handkäs steckt. Es war Tina alias Evi, gespielt von Ulla Niemann (Bild: Andreas Lerg)

Doch er muss erkennen, dass es mit der Unschuld seiner Tochter Evi nicht all zu gut aussieht. Zumindest was das Chaos anbetraf, dass dem Schreiner und dem Dorfpolizisten mehr als nur eine Tracht Prügel ihrer Frauen einbrachte. Evi war nicht nur bei dem Handkäs-Beutezug mit von der Partie, sondern hatte auch beschlossen, den besoffenen Mannsbildern ihre frauenfeindlichen Sprüche heimzuzahlen. Und so ersann und entspann sie die „Die unglaubliche Geschichte vom gestohlenen Handkäse“.

Ende gut alles gut

Es kommt, wie es kommen musste, nach dem Evi, die immer wieder in die Rolle ihrer längst nach Amerika abgereisten Zwillingsschwester Tina schlüpfte, alles aufgeklärt und den beiden Hauptverdächtigen die entsprechende Entlastung verschafft hat, verzeihen und vertragen sich alle wieder. Die Furien wurden wieder zu beinahe sanftmütigen Ehefrauen und Frank musste sich doch nicht von seinen Hochzeitsplänen verabschieden.

Das begeisterte Publikum an beiden Tagen spendete dem Ensemble und allen Helfern vor und hinter der Bühne üppigen Applaus. Passend zu des Pfarrers Lieblingsspeise gab es in der Gemeindehalle während der beiden Aufführungen auch den Handkäs‘-Salat mit „viiiiel Zwieebeln“ zu essen. Der war tatsächlich sehr lecker.

[su_box title=“Die Mitwirkenden“ box_color=“#fef0ca“ title_color=“#000000″]Auf der Bühne
Josef Hammer – Manfred Schmitt
Pauline Hammer – Sabine Strohm
Frank Hammer – Andreas Lingk
Siegmund Eiferling – Thomas Schleicher
Klara Eiferling – Gundula Raab
Eugenie Schlotterbeck – Marlis Schmitt
Evi/Tina Häberle – Ulla Niemann
Hugo Häberle – Jens Eilart

Hinter der Bühne
Susanne Schultheis – Souffleuse
Holger Pietsch – Technik
Bettina Herrgesell – Maske
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