Die Chancen steigen, dass es zum Rheinhessen-Jubiläum 2016 wieder eine feste Fährverbindung von Guntersblum zum Kühkopf gibt. Und wenn es nach dem frisch gegründeten Förderverein geht, wird es ein echtes Novum werden: die erste Elektrofähre, die regelmäßig über eine europäische Wasserstraße schippert. Dafür ist der „Verein zur Verbindung der Kulturlandschaften Altrhein und Insel Kühkopf“ mit seiner Vorsitzenden Claudia Bläsius-Wirth seit seiner Gründung im Dezember fleißig am Arbeiten. Und es geht voran.

Ein Überblick:
Das Schiff: „Aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen konnten wir nicht die alte Fähre anstreichen und wieder auf den Rhein setzen“, sagt Bläsius-Wirth. Ein Solarfahrzeug schied wegen Havariegefahr aus. Deshalb hat der Verein mit dem Gastronomie-Betreiber am linksrheinischen Fähranleger einen ökologisch-innovativen Plan geschmiedet: Das Haus soll ein Solardach bekommen, die Elektrofähre dort „aufgetankt“ werden. 80 000 Euro zusätzlich würde das kosten, aber für Bläsius-Wirth wäre es gut angelegtes Geld: „Photovoltaik rechnet sich immer noch, so lange der Eigenverbrauch durch die Gastronomie entsprechend hoch ist.“ Der 12,50 Meter lange Katamaran würde mit Batterien betrieben und könnte rund 35 Personen plus Fahrräder pro Fahrt mitnehmen. Konzipieren soll das völlig neuartige Schiff die Hamburger iYacht GmbH.

FÄHRTAGE 2015 Eine Kühkopffähre verkehrt in diesem Jahr an folgenden Tagen:
26. April (Leininger Markt, Guntersblum)
1. Mai (Frühlingsfest auf dem Hofgut Guntershausen).
23. August (Kellerweg-Fest, Guntersblum)
20. September (Kelterfest auf dem Hofgut Guntershausen).
11. Oktober (Guntersblumer Forum Vinum)

 

 
Die Organisation: Bläsius-Wirth schwebt vor, dass die Fähre von einer Besitzgesellschaft der Verbandsgemeinde Rhein-Selz angeschafft wird, die sie an eine noch zu gründende Genossenschaft „Rheinfähre Kühkopf e G“ weitergibt. Diese soll für das operative Geschäft einen Dienstleistungsvertrag mit einem Betreiber schließen. Der ist bereits gefunden: Der Lampertheimer Fährbetreiber Werner Reuters würde mit einer eigenen „Aquarius KG“ am Kühkopf einsteigen. „Wir möchten keinen Zweckverband bilden, weil dieser private Investoren und Gewerbetreibende ausschließen würde“, erklärt Bläsius-Wirth. „Die Gebietskörperschaften sind in der Genossenschaft vertreten, aber der öffentlichen Hand entsteht so kein Risiko aus dem laufenden Geschäft.
Die Kalkulation: Bei rund 90 Fährtagen pro Jahr und täglich hundert Passagieren würde die Fähre – bei einem Gesamtetat von 60 000 Euro – einen Zuschuss von knapp 11 000 Euro benötigen, rechnet Bläsius-Wirth vor. Bei 130 Passagieren stünde schon ein ganz kleines Plus im Businessplan.
Die Finanzierung: Die VG hat im Etat 350 000 Euro eingestellt – also fast genau jene 355 000 Euro, die für Anschaffung des Bootes und Umbau der Anlieger nötig sind. Unabhängig davon, betont Bläsius-Wirth, „steht unsere Finanzierung, wir haben die nötige Sicherheit“. 200 000 Euro sollen aus der öffentlichen Hand und Fördertöpfen kommen, der Kreis Mainz-Bingen hat 50 000 Euro zugesagt. Auch aus den Kreisen Alzey-Worms und Groß-Gerau gebe es positive Signale, bei beiden Landesumweltministerien wird der Förderverein demnächst vorstellig. Rund 10 000 Euro netto wurden bei den Fährtagen 2014 eingesammelt, ein regionaler Energieversorger ist mit 50 000 Euro im Boot.
Die zur Gesamtsumme von 355 000 Euro dann noch fehlenden 95 000 Euro will Bläsius-Wirth bei Sponsoren einsammeln und hofft dabei unter anderem auf Fraport: „Sie waren sehr interessiert und haben uns für dieses Jahr noch einmal eingeladen.“ Der Flughafenbetreiber hatte bereits das Infozentrum Schatzinsel auf dem Kühkopf unterstützt.
Der Zeitplan: Im dritten Quartal 2015 soll der Projektauftrag für die Fähre an die iYacht GmbH erteilt werden und der Bau im letzten Quartal beginnen. Damit es 2016 auch wirklich heißen kann: „Schiff ahoi!“ Mit Sonne im Tank… Text: Ulrich Gerecke / Fotos: IG Fähre