Das war die aller erste Bühne im Weingut Weyell. So fing es an. (Bild KADH)

Das war die aller erste Bühne im Weingut Weyell. So fing es an. (Bild KADH)

„Gehst Du mit zum Weyell?“ Diese Frage sollte man tunlichst bejahen, wenn man Lust auf Kultur hat.

Die Bornstraße 15 zählt heute auch überregional zu einer der bekanntesten Adressen in Sachen Musik und Kultur. Das dort beheimatete Weingut Weyell ist vielen unter dem Begriff „Kultur auf dem Hof“ bekannt und in Hof, Scheune oder Gewölbekeller geben sich bekannte Größen der Musik- oder Comedy-Szene sozusagen die Klinken die Hand.

1995 ging es los

Am 23. Juni 1995 veranstaltete Wolfgang Weyell das erste Konzert. Anlass war die Dexheimer Kerb und das Motiv war, etwas besseres zu bieten, als die mobilen Diskos, die damals die rheinhessischen Dörfer- und Dorffeste abklapperten.

„Die erste Band hieß ‚Brunos Underwear‘ und alles war absolut provisorisch“, erinnert sich Wolfgang an den aller ersten Schritt auf einem Weg, der ihn in den kommenden 20 Jahren zum bekannten Kulturveranstalter in Rheinhessen machen würde. „Wir haben ein paar Plakate aufgehängt, die Bühne haben wir aus Paletten zusammen geschustert und eine provisorische Überdachung gebastelte. Immerhin 200 Leute kamen in den Hof des alteingesessenen Weingutes, um sich die Band mit der Miederware im Namen anzuhören.

„Mir hat in Dexheim etwas für junge Leute gefehlt. Ich meine keine Teenies, sondern junge Leute Mitte 20“, erläutert Wolfgang im Gespräch mit Wir-in-Rheinhessen. „Ich war diese Dorfdiskos leid, ich wollte richtige Konzerte mit guter Live-Musik.“

Nach dem Startschuss war ein Jahr Pause und zur Kerb 1996 holte Wolfgang dann die hessische Kultband „Die Crackers“ nach Dexheim und auch die Coverband „Online“trat während der Kerb auf. Die Crackers lockten bereits 800 Musikfans in den Hof. Auch 1997 spielten die Crackers und Online wieder zur Kerb auf und mit dem Männergesangverein kam ein Jazz-Frühschoppen als dritte Veranstaltung dazu.

„Im gleichen Jahr haben wir dann auch ein Weihnachtskonzert mit einer sehr tollen Akapellagruppe aus Oberhilbersheim in der ungeheizten Scheune gemacht. Bei -8 Grad und doch war das Konzert gut besucht.“

Das Konzept geht auf, es folgt der große Schritt

Das Konzept, in Dexheim Musikveranstaltungen zu bieten, ging auf und es wurden Pläne geschmiedet. So bauten die Familie Weyell im Jahr 1998 den Gewölbekeller zum Veranstaltungskeller aus. „Meine Eltern haben in diesem Jahr den Weinbau aufgegeben und da habe ich beschlossen, mich selbständig zu machen. Es war quasi ein nahtloser Übergang.“

Damals gab es ein Förderprogramm vom Staat, das für Existenzgründer angeboten wurde und den Start finanziell auf etwas sicherere Beine stellte.

Die Erwartungen des Publikums aber auch an sich selbst wuchsen und Wolfgang konnte liefern. Für das erste richtig große Konzert holte er Konstantin Wecker nach Dexheim. Und der Name brachte andere Topacts wie Purple Schulz, Manfred Manns Earthband oder The Sweet.

„Durch die Auftritte der Crackers entstand zunächst ein Kontakt und schnell eine gute Freundschaft mit deren Sänger Lothar „Lothi“ Pohl, der in Wiesbaden die Konzertagentur Palast Promotion betreibt. Lothi hat mir sehr geholfen und viele Bands und Künstler vermittelt. Zudem stand er mir immer mit Rat und Tat zu Seite“, berichtet Wolfgang. Dabei ging es auch um Fragen wie welche Technik er kaufen und welche er bei Bedarf mieten sollte.

50 Veranstaltungen im Jahr

„Im Gründungsjahr 1998 hatten wir dann zehn Veranstaltung“, erinnert sich Wolfgang und erklärt: „Heute haben wir gut und gerne 50 Veranstaltungen im Jahr.“

Schnell sprach sich herum, was Wolfgang Weyell auf dem elterlichen Hof bietet. Seit dem ist fast immer "full house". (Bild: KADH)

Schnell sprach sich herum, was Wolfgang Weyell auf dem elterlichen Hof bietet. Seit dem ist fast immer „full house“. (Bild: KADH)

Auch die ganz großen Namen der Musikszene füllten den Hof, wie der rührige Kulturschaffende berichtet: „Aber da bleibt dir meist nicht viel, aber es bringt dir neues Publikum, dass dann auch zu anderen Events kommt.“
Von dem Kartenverkauf gehen in der Regel 70 Prozent an den Künstler und 30 Prozent an den Veranstalter. „Davon musst Du auch noch die GEMA, die Künstlersozialkasse und die Technik bezahlen“, erklärt Wolfgang und ergänzt: „Die lebst da wirklich vor allem vom Verkauf von Speisen und Getränken.“

Wolfgang stellt fest: „Du kriegst keine Kulturförderung wie beispielsweise die Festspiele in Oppenheim. Du musst dich selbst um Sponsoren kümmern. Wir haben das Glück, dass wir sehr gute und sehr treue Sponsoren haben.“ Diese Mischkalkulation aus Konzerteinnahmen, dem Verkauf von Speisen und Getränken und den Sponsoren muss stimmen und macht den Kulturbetrieb auf dem Hof erst möglich.

Wolfgang Weyell war aber auch schon mal „außer haus“ tätig. So organisierte er mehrere Sommernächte mit Gemeindepark Nierstein. Dafür holte er Smokie, The Sweet, Slate, Suzie Quatro und Dieter Thomas Kuhn an den Rhein.

Nicht „nur“ Musik

Längst ist die Musik nicht mehr das einzige Standbein für Kultur auf dem Hof. Git ein Drittel der Veranstaltungen werden mittlerweile durch Comedy, Kabarett und Theater abgedeckt. Und wenn es um Standup-Comedy und Kabarett geht, dann kann Wolfgang auch auf eine große Palette von Künstlern blicken, die schon in Dexheim zu Gast waren.

Auch Bülent Ceylan hat in Dexheim schon das Publikum begeistert. (Bild: KADH)

Auch Bülent Ceylan hat in Dexheim schon das Publikum begeistert.  (Bild: KADH)

Beispielsweise der Becke Peder, Ramon Chormann, Henni und Rick, Tobias Mann, Mundstuhl, Bülent Cheylan, Atze Schröder, Kaya Yanar oder Eckhard von Hirschhausen. „Urban Priol kommt immer wieder zu uns und tritt hier gerne auf“ weiß Wolfgang.

Auch zum Mainzer Comedy-Wirbelwind Tobias Mann verbindet ihn eine Freundschaft. „Als Tobias sich entschied, hauptberuflich als Standup-Comedian loszulegen, da rief er an und fragte, ob er sein erstes Programm bei uns im Gewölbekeller vor einem Testpublikum ausprobieren könne. Auch heute noch macht er manchmal Vorpremieren bei uns.“

Auch wenn es oft den Eindruck macht, die seit 1999 stattfindenden Hako-Rennen sind keine Veranstaltung von Kultur auf dem Hof, sondern von den Hako-Freunden Dexheim, zu denen auch Wolfgang gehört.

Wolfgangs persönliche Highlights

Auf die Frage, welche Veranstaltungen seine persönlichen Höhepunkte in den letzten 20 Jahren waren, erinnert sich Wolfgang zunächst an das Konzert der weltbekannten Band Saga am 20. Mai 2006. Dass dieses Konzert so einen Eindruck hinterließ, hat zwei Gründe. Zum einen war und ist Wolfgang selbst ein Fan der Band: „Ich habe sie in den 1980er Jahren in einem Konzert in der Frankfurter Festhalle erlebt und dann spielen die fast in Originalbesetzung bei mir auf dem Hof!“

Wolfgang ist selbst ein Fan der Band: „Ich habe sie in den 1980er Jahren in einem Konzert in der Frankfurter Festhalle erlebt und dann spielen die fast in Originalbesetzung bei mir auf dem Hof!“ (Bild: KADH)

Wolfgang ist selbst ein Fan der Band: „Ich habe sie in den 1980er Jahren in einem Konzert in der Frankfurter Festhalle erlebt und dann spielen die fast in Originalbesetzung bei mir auf dem Hof!“ (Bild: KADH)

Der zweite Grund aber sind die widrigen Umstände, die das Konzert fast zum Scheitern brachten. Aber eben nur fast. Wolfgang erinnert sich lebhaft: „Mittags setzte ein massives Unwetter ein und die Band konnte keinen Soundcheck machen. Das Konzert stand auf der Kippe. Gegen 18 Uhr haben wir und die Band entschieden, dass wir es doch wagen und um 19:30 ging es los.

Wolfgang schwärmt: „Michael Sadler hatte den Hof ‚in der Hand‘. Seine Ausstrahlung und Aura waren einfach sensationell“.

Zu den weiteren Highlights gehören Coverbands wie Night Fever, denn. „Da schwebt eine Tanzwolke über dem Hof, alle sind am grooven“. Queen Kings Sorgen als Tributeband für Queen ebenfalls für eine eigene Stimmung.

Das Programm im Jubiläumsjahr

Auch im 20. Jahr jagt wieder ein Höhepunkt den nächsten. Ob Coverbands wie „Achtung Baby“, die U2 auf die Bühne bringen, über Originale wie Anne Haigis bis zumAngebot von Klassik im Gewölbe. An der Kabarett-Front bietet Wolfgang unter anderem Ingo Appelt, „Die Weibsbilder“ oder Stephan Bauer.

Das Jubiläum wird mit vier besonderen Konzerten gefeiert: „Es kommen Saga, die Höhner, die Schürzenjäger und Voxxclub.“ Das der Höhner liegt am dichtesten am Gründungstermin, denn sie spielen am 26. Juni und damit fast genau 20 Jahre nach dem aller ersten Konzert, mit dem Kultur auf dem Hof die ersten 200 Gäste lockte.