Die Katharinenkirche in Oppenheim von der Nordseite.

Die Katharinenkirche in Oppenheim von der Nordseite.

Die Altstadt in Oppenheim stirbt den Tod auf Raten, zumindest als Gewerbestandort. Das tut sie nicht erst seit gestern durch den angekündigten Abzug der Modegeschäfte. Sie tut es schon seit Langem. Oft genug wurde dagegen angeredet und manche gute Initiative hat sich dagegen gestemmt. Vergeblich. Immerhin ist das Ende absehbar, die Altstadt hat es wohl bald hinter sich. Als Standort für den Handel wohlgemerkt.

Dem Gewerbestandort rund um den Sankt-Ambrogio-Ring ist sie nicht gewachsen und war es auch nie. Der große und gut sortiere Haushaltswarenladen Atrium war einer der ersten, die in den damals neu gebauten SBK-Komplex abwanderte. Andere Läden folgten oder schlossen einfach für immer. Ein großer Schlag vor nicht all zu langer Zeit war die Schließung der Schlecker-Filiale, die noch vor dem kompletten Exodus des Schlecker-Konzerns erfolgte.

Kein Vollsortimenter wird mehr in die Altstadt gehen, um vor Ort ein Lebensmittelgeschäft zu eröffnen und die Nahversorgung sicherzustellen. Es fehlt die Infrastruktur, denn ein solcher Laden müsste durch die Vordertür beliefert werden, was auch für jeden anderen Laden gilt und schon immer galt. Zudem kann die Mainzer Straße dazu nicht mit großen Lastzügen befahren werden, die Zulieferer müssten auf kleine Zubringerfahrzeuge setzen oder erst auf diese umladen. Das macht keiner. Zudem bieten viele der möglichen und leerstehenden Ladenlokale heute eine viel zu kleine Fläche, um einem gut sortimentierten Geschäft genug Potential zu bieten.

Chancen hätten vielleicht Spezialisten wie das vorhandene Fischgeschäft oder der Fahrradladen. Zu denken wäre auch an Dienstleister. Doch auch die werden zunehmend mit dem geänderten Konsumverhalten und dem Ausbleiben der Oppenheimer und auswärtigen Kunden zu kämpfen haben. Wer draußen im Gewerbegebiet von der Leberwurst über Postdienst und das Oberhemd bis zum Haarschnitt einfach alles bekommt und zudem direkt am Laden kostenlos parken kann, wird kaum noch in die Altstadt fahren. Das auch deshalb nicht, weil dort Parkplätze kostenpflichtig sind und einen längeren Fußweg nach sich ziehen, sollte man auf dem Altstadtparkplatz oder dem Postplatz stehen.

Jetzt wird in der Presse wieder einmal vom Ausbau des gastronomischen und touristischen Angebotes geredet. Aber wieviele Restaurants, Cafés und Bars verkraftet die Altstadt, so dass für alle genug Publikumsfrequenz und damit Umsatz übrig bleibt? Die Gleichung „mehr Angebot ist gleich mehr Zustrom“ hat sich schon in der Vergangenheit und bei weitem nicht nur in Oppenheim als Trugschluss erwiesen.

Bleibt als Fazit etwa nur „es kommt, wie es kommen muss“? Wir werden sehen.

Ein Kommentar von Andreas Lerg.