Das Buch von Dieter Michaelis erscheint in überarbeiteter und erweiterter Neuauflage

Jedes Jahr kommen sie nach Rheinhessen – auf den Spuren ihrer Vorfahren: die Verwandten der Guntersblumerinnen und Guntersblumer, die ihre Heimat verlassen haben oder ermordet wurden – weil sie Juden waren. Aus „aller Welt“ reisen die Nachfahren nach Guntersblum – aus Amerika, aus Israel, um durch die Straßen zu gehen, in denen ihre Lieben gespielt haben, die Häuser zu sehen, in denen sie lebten, die Synagoge, in der sie beteten, und an den Gräbern derer zu gedenken, die hier noch in Frieden heimgehen durften.

Buch erzählt die Geschichte

Diesen Besuchern und den Guntersblumern ist das neue Buch von Herrn Pfarrer i.R. Dieter Michaelis gewidmet, das die Geschichte der jüdischen Gemeinde des Dorfs erzählt: von ihren Anfängen im 16. Jahrhundert über den Nationalsozialismus bis hin zu heutigen Formen des Gedenkens, etwa durch Stolpersteine oder Vortragsveranstaltungen.

Auf Initiative der Guntersblumer Stolpersteingruppe und auf Basis einer ersten, 1998 im Eigenverlag herausgegebenen Ausgabe ist eine überarbeitete Neuauflage entstanden, die auch für die Wissenschaft einen wichtigen regionalgeschichtlichen Beitrag leistet: wie konnte in der „heilen Welt“ eines kleinen Weindorfes ein solches Klima von Antisemitismus entstehen, das im Novemberpogrom 1938 gipfelte? Warum schauten Nachbarn wie gelähmt zu, wie der Weinkommissionär, mit dem man Geschäfte gemacht, der Textilhändler, bei dem man regelmäßig eingekauft hatte, durch die Straßen getrieben wurden; warum fragte keiner, wohin sie alle verschwanden?

Viele Querverweise

Das Buch enthält nicht nur neue Erkenntnisse, die etwa den Recherchen der Stolpersteingruppe zu verdanken sind, nicht nur bisher unbekannte Details zur Entwicklung des jüdischen Friedhofs, sondern bietet viele Querweise zwischen den einzelnen Schicksalen der jüdischen Guntersblumer. Ein Personenverzeichnis hilft, die Zusammenhänge noch leichter herzustellen. Ausgewertet wurden außerdem erschütternde Briefe der auf die Deportation „Wartenden“ an bereits Ausgewanderte mit dem Hilferuf „Holt uns aus Deutschland!“

Veröffentlicht wird das Buch im Wissenschaftlichen Verlag Berlin, der vor allem universitäre Projekte betreut. Herausgeber ist der Kulturverein Guntersblum, der den Autor und die Stolpersteingruppe in ihrer Arbeit maßgeblich unterstützt hat. Die reich bebilderte „Geschichte der Jüdischen Gemeinde Guntersblum“ (ISBN: 978-3-86573-765-6) ist für 19,80€ erhältlich im Kulturhaus am Kellerweg, im Rathaus-Büro der Gemeinde bei Frau Claudia Reck, im „Lädchen“ von Christine Scholz in der Hauptstraße 55 sowie überall im Buchhandel. (txt red.)