„Westbad“ Marina Ulrich, Ulla Niemann und Luisa Rehkopf bei Nordseewind am Westbad von Langeoog. Foto: Ann-Kathrin Grimm

„Westbad“ Marina Ulrich, Ulla Niemann und Luisa Rehkopf bei Nordseewind am Westbad von Langeoog. Foto: Ann-Kathrin Grimm

Die Mutter ist völlig aufgelöst. Sie weint und bringt nur unter Schluchzen die Beschreibung ihrer Tochter hervor. Erich Maack beruhigt sie: „Setzten sie sich doch kurz hin. Wir finden ihre Tochter sicherlich wieder“. Erich Maack ist Wachleiter der DLRG auf Langeoog und das schon seit etlichen Jahren. Schnell und umsichtig koordiniert er die Suche. „Wo haben sie ihre Tochter denn das letzte Mal gesehen, wann war das. Was hat sie an?“ Die Mutter fasst sich und beantwortet die Fragen.

Katharina nach vier Minuten gefunden

Gudrun Maack, ebenfalls Wachleiterin, informiert die Strandbesatzung per Funk: „Langeoog 02 und 21 von Langeoog 01. Gesucht wird: Katharina, fünf Jahre, braune Haare, trägt eine gelbe Mütze mit rotem Schriftzug ‚Katharina‘. Kommen ob verstanden“. Die Kameraden haben verstanden, eine Rettungsschwimmerin sucht die Wasserkante ab, ein zweiter sucht vom Bohlenweg aus. Mit Ferngläsern wird von den Wachtürmen aus der Strand gescannt. Nach vier Minuten die Rückmeldung, dass das Kind gesichtet wurde. Sie ist verschüchtert, weil sie sich verlaufen hatte, aber sonst wohl auf. Die Mutter beginnt wieder zu weinen, diesmal aus Erleichterung.

Geniale Idee: Die DLRG „Suchbänder“

„Das ist die dritte Kindersuche heute. Für die Kinder sieht der Strand überall gleich aus, sie verlieren die Orientierung. Deshalb können Gäste ihre Kinder über Suchbänder registrieren lassen. Die Bänder haben eingeprägte Nummern, für die wir dann die Handynummern der Eltern hinterlegen. Meistens gehen aber die Kinder ohne Suchband verloren“, erklärt Rettungsschwimmerin Ulla Niemann.

Ulla Niemann und Marina Ulrich kommen von der DLRG Ortsgruppe Oppenheim. Dort sind beide schon seit vielen Jahren aktiv. Ulla Niemann ist Leiterin Ausbildung, Marina Ulrich will ihr Engagement im Bereich Sanitätswesen ausbauen. Gemeinsam machen sie 14 Tage ehrenamtlich Wasserrettungdienst auf der ostfriesischen Insel. „Wir haben uns Urlaub genommen und sind zwölf Stunden mit dem Zug hierher unterwegs gewesen. Bis jetzt haben wir in erster Linie kleine Erste-Hilfe-Fälle gehabt, aber auch einige heftige Situationen“, zieht Marina Ulrich nach zehn Tagen eine Zwischenbilanz.

Schulter durch Welle ausgekugelt

„Hubschrauber“ Da es auf Langeoog kein Krankenhaus gibt, muss die verletzte junge Frau per Helikopter vom Strand aufs Festland gebracht werden. Foto: Ulla Niemann

„Hubschrauber“ Da es auf Langeoog kein Krankenhaus gibt, muss die verletzte junge Frau per Helikopter vom Strand aufs Festland gebracht werden. Foto: Ulla Niemann

Für viel Aufsehen hatte an einem gut besuchten Sonntag ein Hubschraubereinsatz gesorgt. „Eine junge Frau war von einer Welle so zu Boden geschmettert worden, dass sie sich die Schulter ausgekugelt hatte. Sie hatte solche Schmerzen, dass sie noch auf dem Strand teilnarkotisiert werden musste. Wir haben dann den Strand soweit gesperrt, dass der Rettungshubschrauber landen konnte. Der Hubschrauber hat den Sand aufgewirbelt. Wenn man da zu nah dran ist, wird man gesandstrahlt“, erinnert sich Ulla Niemann, die an dem Tag die Wachleitung hatte. Parallel zu dem Einsatz war dann noch ein Heuler an den Strand gespült worden. „Die Leute wollen dann alle gucken, und manche haben sogar gefragt, ob der Hubschrauber wegen des Seehunds da war. Wenn man gleichzeitig zwei solche Einsätze koordinieren muss, ist das nicht sehr hilfreich“.

Ein Heuler am Strand

Marina Ulrich und Kollegen haben mit einem Megafon versucht, die Leute vom Heuler fernzuhalten. „Wichtig ist, dass der Heuler in Ruhe liegen kann, bis seine Mutter ihn wieder abholt. Nicht anfassen, 300 Meter Abstand halten. Das steht auch überall auf den Schildern“, schüttelt Marina Ulrich den Kopf.

Nur den Kopf schütteln konnten die Rettungsschwimmer auch über einen 42-Jährigen, der bei Flut raus zu einer Sandbank schwimmen wollte. Als er da ankam war diese aber schon überspült. Stehen konnte er da nicht mehr. „Zum Glück ist er uns schon beim Rausschwimnen aufgefallen. Und wir haben ein Rettungsschwimmer mit Brett hinterhergeschickt“. Rettungsschwimmer Robert Pfeifer und auch Ulla Niemann hatten nach dem Kampf gegen Wellen und Strömung dann auch ordentlich Muskelkater.

Im Urlaub Wachdienst schieben

„Rettungsbrett“ Mit dem Rettungsbrett, das Ulla Niemann und Marina Ulrich hier tragen, kann auch bei starker Brandung ein Schwimmer aus den Wellen gezogen werden. Foto: Luisa Rehkopf

„Rettungsbrett“ Mit dem Rettungsbrett, das Ulla Niemann und Marina Ulrich hier tragen, kann auch bei starker Brandung ein Schwimmer aus den Wellen gezogen werden. Foto: Luisa Rehkopf

Wieso machen die DLRGler in ihrem Urlaub Wachdienst? „Es ist eine gute Möglichkeit, Einsatzerfahrung zu sammeln. Und gerade für Schüler und Studenten ist es eine preisgünstige Variante, auf eine Insel zu kommen“, erklärt Marina Ulrich.

Die Anreisekosten werden ab 14 Tagen Wasserrettungsdienst voll übernommen. Einen Verpflegungszuschuss gibt es auch. Voraussetzung ist ein Mindestalter von 16 Jahren und das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber. Die Abschnittsleiter vor Ort freuen sich aber auch über höhere Qualifikationen, wie Strömungsretter, Sanitäter oder Bootsführer.

„Die Ausbildung hierfür kann man bei uns in der Ortsgruppe machen. Wir wollen durch unseren Einsatz andere motivieren, sich auch beim Zentralen Wasserrettungsdienst Küste zu engagieren – und auch generell in der DLRG. Das ist eine tolle Erfahrung und ein gutes Team“, ergänzt Ulla Niemann während sie einen Muschelsplitter aus dem Fuß eines Jungen zieht, die Wunde säubert und verbindet.

„Wir haben viele nette Leute kennen gelernt und konnten oft helfen. Sand brauch ich aber dann die nächste Zeit nicht mehr“, lacht Marina Ulrich und geht mit Rettungsboje wieder auf Streife.

Link: Mehr zur DLRG Oppenheim erfahren Sie auf http://www.oppenheim.dlrg.de/

Text: Ulla Niemann