Die jugendlichen Absolventen der diesjährigen Hauptschulabschluss-Prüfung bei der FAW Bingen mit Jürgen Weichel, Schulleiter der Realschule Plus Am Scharlachberg und FAW-Lehrkraft Ottilie Krist.

 

Im Rahmen der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme bei der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) Bingen nutzten acht  jugendliche Absolventen aus Bingen und Bad Kreuznach die Chance,  im zweiten Anlauf die Berufsreife zu erlangen. Der Unterricht wurde vom gemeinnützigen Bildungsträger organisiert und durchgeführt, die Prüfungen fanden in Zusammenarbeit mit der Realschule Plus Am Scharlachberg in Bingen statt. Deshalb ließ es sich Schulleiter Jürgen Weichel nicht nehmen, den diesjährigen Absolventen ihre Abschlusszeugnisse persönlich zu überreichen. Vorangegangen war ein achtmonatiger Vorbereitungskurs, in dem die Jugendlichen zweimal wöchentlich von den FAW-Lehrkräften Gabi Tanner und Ottilie Krist unterrichtet wurden. Für die Unterrichtseinheiten waren die Teilnehmer von den Praktika, die sie im Rahmen der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) absolvierten, freigestellt. „Unter den Absolventen waren dieses Jahr auch mehrere Rehabilitanden mit großen Lernschwierigkeiten, aber mit Fleiß und Ehrgeiz haben alle den angestrebten Abschluss erreicht, teils mit wirklich guten Noten“, freut sich Lehrkraft Ottilie Krist über den Erfolg ihrer Schüler. „Für einige hing am Bestehen der Prüfung auch die Übernahme in Ausbildung in ihrem Praktikumsbetrieb. Diese Jugendlichen beglückwünsche ich besonders und drücke ihnen die Daumen, dass sie ihren zuletzt gezeigten Lerneifer mit in die betriebliche Ausbildung nehmen“, so die FAW-Lehrkraft. Die Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, in der die Jugendlichen ihren Hauptschulabschluss erreichten, wird von der Agentur für Arbeit initiiert und finanziert. Seit 2009 führt die Fortbildungsakademie der Wirtschaft das Angebot in Bingen in ihren Schulungsräumen auf dem ehemaligen Racke-Gelände in der Gaustrasse durch.

 

„Ein Schulabschluss ist heute unerlässlich für ein erfolgreiches Berufsleben“, sagt Viola Jakob-Schier, Leiterin der Binger Arbeitsagentur. „Menschen ohne Schul- und Berufsabschluss sind besonders häufig abhängig von Hartz IV-Leistungen.  Etwa jeder fünfte Ungelernte hat  keine Arbeit. Das bedeutet, dass  die Arbeitslosenquote von Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung fast dreimal so hoch ist wie die der gesamten Erwerbsbevölkerung.“ Im Landkreis Mainz-Bingen verließen 2012 über 5 Prozent aller Schüler die Schule ohne Hauptschulabschluss. Zehn Jahre zuvor waren es noch über 10 Prozent. „Auch wenn das ein schöner Erfolg ist, dürfen wir uns darauf nicht ausruhen“, so Jakob-Schier. „Unser Ziel ist es, dass uns künftig kein Schüler mehr verloren geht, sondern jeder die Chance erhält, in eine Berufsausbildung einzumünden.“