Von wegen "bis Pfingstmontag". Am Montagabend um 21:30 Uhr war der Abbau bereits weit fortgeschritten.

Von wegen „bis Pfingstmontag“. Am Montagabend um 21:30 Uhr war der Abbau bereits weit fortgeschritten.

Es ist Pfingstmontag 21:30 Uhr. Ein wunderschöner warmer Abend. Auf der Festwiese ist Oppenheimer Wäldcheskerb. Sie wird gerade abgebaut! Das ist meiner Meinung nach symptomatisch für diese Veranstaltung, denn die hat ihre besten Zeiten bereits sehr lange hinter sich. Man geht an der Szene vorbei und denkt sich nur eines: Lasst die Wäldcheskerb doch endlich den Tod sterben, den sie sowieso seit langem stirbt.

Die Anwohner haben nachts ihren „Spaß“

Als Anwohner – von mir aus sind es drei Minuten bis zur Festwiese – genießt man seit Jahren nachts die Folgen dessen, was auf der Festwiese auf der Kerb so läuft. Gruppen von betrunkenen Jugendlichen torkeln laut grölend durch die Straßen, zerschlagen ab und zu eine Bierflasche auf der Straße oder kotzen auch mal in einen Vorgarten. Ruft ein Anwohner, dass die jeweilige Horde ruhiger sein soll, fallen lauthals Worte, die ich hier ungern wiedergeben möchte.

Tolles Publikum

Und geht man doch mal auf die Kerb, bereut man es meist schnell. Das Publikum ist wenig erfreulich. Oft Leute, die sich besaufen und dann gegenseitig auf Deutsch gesagt auf die Fresse hauen. Manchmal auch in umgekehrter Reihenfolge. Wer genau hinschaut, der sieht das beim Alkoholausschank die Leute hinter der Theke nicht selten „auf dem Jugendschutzauge blind sind“ aber auf dem Umsatzsauge sehr gut sehen können. Das erklärt vielleicht auch die bereis beschriebenen nächtlichen Szenen in der Nachbarschaft. Die Folge, es geht auch nur noch dieses spezielle Publikum auf die Kerb. Viele Oppenheimer indes meiden die Festwiese über Pfingsten.

Altes Konzept und kein Schifferstechen

Der frühe Abbau der Wäldcheskerb in Oppenheim ist symptomatisch.

Der frühe Abbau der Wäldcheskerb in Oppenheim ist symptomatisch.

Was mal gemütlich war, die Weinstände am Eingang der Kerb, ist lange schon verschwunden. Die Wiederbelebungsversuche mit einem neuen Konzept sind gescheitert, weshalb das Motto hieß „Zurück zum Jahrmarkt-Treiben“. Mit dem Schifferstechen fiel dieses Jahr zudem eine der Hauptattraktionen ins Wasser. Selbst mit dem Schifferstechen wären die Probleme der eigentlichen Kerb und auch das Publikum das gleiche geblieben.

Auch Traditionen können überflüssig sein

Mag sein, dass die Wäldcheskerb einen Oppenheimer Traditionsveranstaltung ist. Aber der Patient liegt doch eigentlich im Koma und wird nur noch künstlich am Leben gehalten! Hätte die Stadt und der Stadtrat den Mut, dann würde man dem Trauerspiel ein Ende bereiten. In der Presse steht, dass die Kerb von Freitag bis Pfingstmontag geht, doch wie eingangs erwähnt, wird sie am Pfingstmontagabend längst abgebaut. Das war meine private Meinung. Im Kommentarfeld unten können Sie die Ihre mitteilen.

Andreas Lerg, Oppenheim.