OFFENER BRIEF AN DIE ORTSBÜRGERMEISTERIN VON SELZEN, ANITA WIEDEMANN

 

Sehr geehrte Frau Wiedemann,

am 1. Mai wurde durch Sie die Einladung für einen Workshop zum Thema Bürgerbus für Selzen und die Nachbargemeinden versandt. Als Termin steht der 9.  Mai, als Startzeit 14 Uhr, in der Einladung.  Meiner Meinung nach zeigt das die tiefe Ignoranz der Haushaltssituation und der Möglichkeiten der Bürger.

Das Thema Bürgerbus wurde, wenn ich richtig informiert bin, bis auf weiteres in Selzen auf Eis gelegt, da der geplante Haushalt dafür nicht den erforderlichen Spielraum bietet.

Natürlich ist es gut, solch ein Thema weiter zu verfolgen. Aber eines ist klar, an einem Freitag um 14 Uhr einzuladen ist gleich zu setzen mit der Absicht, wesentliche Teile der arbeitenden Bevölkerung auszuschließen – eine Einladungsfrist von 8 Tagen incl. Feiertag und Wochenende ist für Menschen im Arbeitsprozess nicht zu leisten.

In Selzen sowie in den Nachbargemeinden gibt es viele ältere Bürger, das ist richtig.  Aber es gibt eben auch eine Menge jüngerer Menschen, die ein Anrecht darauf haben, sich einerseits an einer solchen Diskussion zu beteiligen und die andererseits eigene Interessen haben.

Das sind zum Beispiel Eltern von Kindern und Jugendlichen, die den unter 18-jährigen den Besuch im Schwimmbad oder der Jugendmusikschule Oppenheim ermöglichen möchten. Indem nur die Älteren in den Prozess eingebunden sind, wird mal wieder das Modell ‚Taxi Mama‘ unterstützt. Kinder, deren Eltern beide berufstätig sind, haben dann eben verloren.

Außerdem verzichtet ein solcher Ausschluss der arbeitenden Bürger bewusst auf Kompetenzen, die zu nutzen dringend notwendig und im Rahmen eines demokratischen Prozesses geboten ist.

Nach Rücksprachen mit engagierten Selzer Bürgern, z.T. aus dem Helferkreis, besteht schließlich im Moment keine Notwendigkeit, einen Bürgerbus exklusiv für Ältere einzurichten.

Vielleicht denken Sie, auch unter dem Gesichtspunkt, dass Sie ja demnächst aus dem Amt scheiden daran, dass es gilt die Interessen alle Bürger zu vertreten und diese nicht einer allzu durchschaubaren Wahlkampf-Finte zu opfern!

 

Mit freundlichen Grüßen,

Thomas Eichler