Mittwoch, April 14

Vulkan im Rhein bei Nackenheim – DLRG Nackenheim stellt sich in den Dienst der Vulkanforschung

Schlummert hier ein Vulkan in Rheinhessen?
Schlummert hier ein Vulkan in Rheinhessen?

Ab und zu vielleicht mal ein kleines Erdbeben, das den Rheingraben erschüttert, mehr tut sich geologisch in unserer schönen Region nicht – sollte man zumindest meinen. Doch weit gefehlt, denn im rheinhessischen Rhein schlummert ein Vulkan!

Dieser liegt vor Nackenheim, wo heute die Insel Kisselwörth zu finden ist. Wissenschaftler haben bereits 2012 an der Südspitze der Insel Nachforschungen angestellt und Gestein untersucht. Der letzte Ausbruch geschah vor 55 Millionen Jahren. Noch 2012 zog man den Schluss: „Gefahr droht den Menschen von Mainz und Umgebung durch den Vulkanrest nicht.“ Auch Wir-in-Rheinhessen hat bereits berichtet.

Vulkan nicht so inaktiv wie gedacht

Und doch ist es zu früh für eine Entwarnung, wie die aller neuesten Erkenntnisse zeigen. Erik Gerhard, Technischer Leiter Einsatz der DLRG Nackenheim, berichtet: „Vor einem Jahr haben wir im März bei einer Bootsfahrt an der Südspitze von Kisselwörth einen leichten aber doch bemerkbaren Schwefelgeruch gerochen. Eigentlich eher einen Gestank!“ Gerhard erinnert sich an den eiskalten März 2013 und das die DLRG damals beschloss, an der Stelle einen Tauchgang zu machen.

Tauchgang auf den Flussgrund

Erik Gerhard nach dem Tauchgang.
Erik Gerhard nach dem Tauchgang.

„Am 1. April letzten Jahres bin ich mit einem DLRG-Kameraden dort getaucht und wir konnten unter Wasser auf einer Strecke von circa zwei Metern ganz feine Blasen aus dem Flussbett aufsteigen sehen.“ Daraufhin suchte die DLRG Nackenheim Rat und fand schließlich den Geophysiker und Vulkanologen Prof. Dr. Dr. Arwed Friedemann Scherzinger, der am Institut für Eruptionsforschung (I.f.ERUP) im oberbergischen Hückeswagen die Tätigkeit angeblich als inaktiv gemeldeter innerdeutscher Vulkane erforscht.

Prof. Scherzinger bewertet den Vulkan unter der Insel Kisselwörth als einen Maar-Vulkan, der im Zusammenhang mit den ähnlichen Vulkanen in der Eifel zu sehen ist. Scherzinger erklärt: „Wir sehen heute nicht den oberen Kraterrand, so wie sich Laien einen Vulkan vorstellen. Durch tektonische Bewegungen in den vielen Millionen Jahren hat sich das Profil des Erdinneren hier gewandelt. Daher sehen wir heute viel eher den Querschnitt des Vulkanschlotes, der zu seiner Entstehungszeit tief verborgen in der Erde lag.“

Lehrgang für Vulkantaucher

Bereits im Frühsommer letzten Jahres besuchten die Taucher der DLRG Nackenheim deshalb einen Lehrgang für Vulkantaucher auf Island. Dazu Erik Gerhard: „Natürlich taucht man dabei nicht in flüssiger Lava, wie manche Witzbolde es behaupten. Wir haben dort gelernt, in Gewässern zu tauchen, die von vulkanischen Gasen durchsetzt sind.“

Seit dem kooperiert die DLRG mit dem I.f.ERUP in Hückeswagen. Dazu Prof. Scherzinger: “Wir haben die DLRG-Kameraden mit einem Spezialmessgerät für die Messung der Spatrialen Assimilationsrate ausgestattet, einem SpAss-o-Meter.“ Das SpAss-o-Meter misst die Rate, mit der vulkanisch entstehende Gase ein Gewässer durchsetzen.

Scherzinger erläutert: „Die Skala, die von unserem Kollegen Sidigh Hum’or `al Lachmith an der University of Calcuta im Rahmen des dortigen Eruptive-Messurement-Methology-Project entwickelt wurde, ist umgekehrt proportional.“

DLRG'ler Erik Gerhard.
DLRG’ler Erik Gerhard.

Das bedeutet, je höher der nach dem indischen Experten benannte „Lachmith-Wert“ ist, umso niedriger ist die Wahrscheinlichkeit eines Vulkanausbruches. DLRG-Mann Gerhard berichtet: „Als wir letzten Sommer die erste Messung unter Wasser vorgenommen haben – wir haben entlang dieser zwei Meter Gasaustrittsspalte mehrere Messungen gemacht – zeigte die Skala einen Wert von 81 an.“ Die 100 ist der Maximalwert.

Messwert sinkt leicht

Bereits im November haben die Taucher erneut gemessen und der Wert betrug 80,5. Am heutigen ersten April starten die DLRG’ler aus Nackenheim einen erneuten Mess-Tauchgang mit dem SpAss-O-Meter und werden den Messwert wieder an das I.f.ERUP melden.

Dazu noch einmal Prof. Scherzinger: „Sollte der Messwert der Lachmith-Skala um mehr als einen Prozentpunkt als im November gefallen sein, werden wir überlegen, eine ortsfeste Mess-Sonde an der Stelle zu versenken. Sinkt der Wert irgendwann unter 60, werden wir hellhörig. Und geschieht das mit einer hohen Sinkrate – beispielsweise mit vier oder mehr Skalenwerten pro Jahr – dann wird es spannend. Wird der Wert 50 unterschritten und bleibt die Sinkrate hoch, empfehlen wir der Region, Evakuierungspläne in Erwägung zu ziehen, die dann binnen fünf Jahren stehen sollten.“

Grund zur Sorge wegen Vulkan?

Der Vulkan im Rhein bei Nackenheim wäre bei einem Ausbruch ein eher kleiner Vulkan. Scherzinger beschreibt einen Krater von maximal 50 bis 80 Metern Durchmesser. „Die destruktive Wirkung dürfte sich auf einen Radius von fünf bis zehn Kilometern beschränken“, so Scherzinger.

Prof. Scherzinger geht aber davon aus, dass der Lachmith-Wert nicht sinkt, sondern viel um die 80 schwanken wird: „Ein Ausbruch ist ausgesprochen unwahrscheinlich!“ Seiner Meinung nach wäre eine geothermische Nutzung in kleinem Rahmen denkbar und zu diskutieren. „Das ist in Island ja im großen Stil üblich und ließe sich hier vielleicht in kleinerem Maßstab realisieren.“ Mit etwas Glück könne ganz Nackenheim so vollständig mit Erdwärme versorgt werden, quasi zum Nulltarif.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Melden Sie sich zu unserem Newsletter an!

Einmal in der Woche die interessantesten und wichtigsten Nachrichten und Geschichten aus Rheinhessen.

Prima. es hat geklappt. :-)

Pin It on Pinterest

Share This

Teilen

Teile das mit Deinen Freunden!