Ann Marie Powell mit einer tolle Premiere.

Ann Marie Powell mit einer tolle Premiere.

„Aprés Ski beim MKV, Hüttengaudi mit Helau.“ Mit dem diesjährigen Motto beschwor der Mommenheimer Karnevalsverein winterlich-närrische Stimmung in der voll besetzten Gemeindehalle. Zünftig begannt die Sitzung mit dem Spielmannszug, der klanggewaltig den Einzug des Elferrates inszenierte. Nachdem Sitzungspräsident Manfred Schmitt das Publikum auf die närrischen Gesetze eingeschworen hatte, begann die Hüttengaudi mit den MKV Strolchen. Das Kinderballett, das von Nicole Jud trainiert wird, hatte sich mit den Kostümen in bayerischen Farben und Dirndl-Stil und auch mit der Musik ganz dem Motto „Aprés Ski Fieber“ verschrieben. Besonderer Clou, beim Tanz zu „Schatzi schenk mir ein Foto“ schwenkten die Mädchen alle Babybilder von sich in einem blauen Rahmen.

Hüttengaudi  auf der Alm oder Techno in der Disco?

Melanie Scheele und Corinna Scheege blieben in ihrem Vortragsduell beim Thema und widmeten sich der Frage, ob es Auf der Alm oder in der Stadt mehr Gaudi und zu erleben gibt. Die eine gab „Bacherl und Hütte“ den Vorzug, während die andere von Techno und cooler Musik schwärmte. Melanie Scheele als Zenzi von der Alm betonte: „Milch macht hier den Kuhhirt froh. 40 Küh und mich dazu, da hat er nicht mal nachts sei‘ Ruh'“. Corinna Scheege als Stadtmadamm konterte: „So wie du aussiehst bei diesen Blick kommst ungeöffnet Du zurück.“ Zum Schluss ihres Vortrags ließen beide als Gag teilweise die Hüllen fallen, was im Publikum auf die eine oder andere Weise für Erheiterung sorgte.

Dann ging es musikalisch weiter, denn die singenden Kellermeister aus Mainz Kastell hatten etliche bekannte Lieder mit ganz eigenen närrischen Texten versehen. Beispielsweise den Titelsong der Muppetsshow, das „Ehrenwerte Haus“ von Udo Jürgens aber auch den letztjährigen Hit „An Tagen wie diesen“ von der Düsseldorfer Punk-Kultband den Toten Hosen.

Fastnachtssternchen feiert glanzvolle Premiere

Dann war der Saal plötzlich mucksmäuschen still, denn ein zukünftiger Star der Fastnacht hatte seinen aller erste Auftritt in der Bütt. Marie Ann Powell ist ganze neun Jahre jung und war so nervös, dass die Mama neben der Bütt als Rückendeckung stehen musste. Doch dann präsentierte sie souverän und perfekt ohne hängen zu bleiben oder sich zu versprechen einen erstklassigen Vortrag zum Thema „Kinder haben es nicht leicht.“ Darin ging es vor allem um die Umwelt und Erwachsene, die gerne Kinder schimpfen, sich dann aber selbst benehmen wie ein Schwein. Und so schrieb die kleine den Erwachsenen eine Mahnung zu umweltgerechterem Verhalten ins Stammbuch und bekam für ihre gelungene Premiere stehenden Applaus.

Manche Kinder wissen sich besser zu Benehmen, als etliche Erwachsene: Leider war es bei vielen der restlichen Wort und Gesangsbeiträge im Saal alles andere als mucksmäuschen still. Selbst nachdem Sitzungspräsident die geschwätzigen Gäste vor allem in der hinteren Hälfte der Halle mit sehr deutlichen Worten gebeten hatte, den Rednern auf der Bühne Respekt zu zollen, ebbte der Lärm nicht ab. Ein Phänomen, dass leider auf vielen Fastnachtssitzungen in Rheinhessen zum Leidwesen der Veranstalter und Mitwirkenden zunimmt.

Show-Tanz zu wummernden Bässen

Dr. Schatzstein versucht eine Wunderheilung.

Dr. Schatzstein versucht eine Wunderheilung.

Den Freibeuter-Flair der Karibik entfesselte das Ballett „The Specials“ vom Männer Gesangverein mit ihrem Piratentanz auf der Bühne. machen Piratentanz. Und auch die „Crazy Diamonds“, die Showtanzgruppe der Gastgeber, präsentierten einen schaurig-schönen Friedhofstanz und ließen die lebenden Toten zu heißen Beats tanzen. Die Gruppe wird von Bianca Schleicher trainiert, die Kostüme hat Christiane Schleicher geschneidert. Ein weiteres Tanzhighlight war die „Dance Explosion Army“ , das Ballett des KCU aus Undenheim.

Wie jedes Jahr präsentierten Ulla Niemann und Siegfried Herrgesell närrischen Stimmungslieder zum mitmachen. So hatten die dem bekannten Song „Westerland“ von den Ärzten einen närrischen Text verpasst und das Publikum sang mit.

Dr. Schatzstein bittet zur Sprechstunde

Ein weiterer Höhepunkt war ein Vortrag, der die Praxis und Praktiken eines Dr. Schatzstein – Ähnlichkeiten mit einem ortsansässigen Mediziner sind kein reine Zufall – zum Thema hatte. Der werte Doktor, dargestellt von Ralf Arenz, empfahl dem sächselnden Ossi (Michael Hartmann) und dem Fußlahmen (Holger Pietsch), die gleiche Therapie: „Spritzje rin, Quarkpackung druff und in die Muckibuud!“

Und dann war Martina Endres als Männer mordende Hausfrau auf Freigang gegenüber dem Publikum geständig und berichtete, wie sie einen Ehemann nach dem anderen ins Jenseits befördert hatte. „Mit Männern ist es wie mit Computern, hät‘ man noch ein Moment gewartet hätte man ’nen besseren gekriegt.“

Abschied einer Mommenheimer Institution der Fastnacht

Die Mummerummer Dorfgazellen gehen nach diesem Auftritt in den Ruhestand.

Die Mummerummer Dorfgazellen gehen nach diesem Auftritt in den Ruhestand.

Der Auftritt der Mummerummer Dorfgazellen, das Männerballett des MKV sorgte wie jedes Jahr für Begeisterung. Diesmal zeigte sie von Ballett, über HipHop bis zu Rock’n’Roll und Salsa das volle Programm. Doch am Ende gab es etwas Wehmut, denn die Gruppe verabschiedete sich mit dem Auftritt aus der Fastnacht, es war nach vielen tollen Jahren der letzte Auftritt.
Dem Peter Lustig sein Sohn, alias Matthias Gall, begeisterte wieder mit Liedern zur Gitarre. So präsentierte er unter anderem die Meenzer Variante der Bremer Stadtmusikanten und dichtete beispielsweise den Song „YMCA“ auf „Weck Worscht und Woi“ um. Sensationell auch wieder das Duett mit Thomas Schleicher und Rainer Kilian, die als Tramps von Mommenheim den Wintersport spöttisch-derbe besangen. „Mir sind die zwaa, zwaa, zwaa von de Hütt bei alle Diszipline machen mir gleich mit. Mir halte viel, viel, viel von Sportklischee besonders Aprésski ist scheee.“

Komiteestadel bildet wieder den krönenden Abschluss

Schon gute Tradition ist das Komiteestadel, mit dem der MKV die Sitzung als großes Finaler beschließt. Diesmal stand eine Apres Ski Party auf dem Programm, in die sich zwei Skihasen nicht nur mit dem Skilehrer stürzten. Wieder sangen viele Komitteemitglieder tolle und witzige Solos. Die musikalische Begleitung des Abends lag wieder in den bewährten Händen von Alexander Herrgesell.

Text & Fotos: Andreas Lerg