Sonntag, April 18

Bundestagswahl mit Palaktwerbung oder Plakatwahnsinn?

Entlang der B9 stehen die Plakate und Großflächen, mit denen die Politiker um unsere Wählergunst buhlen.
Entlang der B9 stehen die Plakate und Großflächen, mit denen die Politiker um unsere Wählergunst buhlen.

Am Sonntag ist Bundestagswahl. Als ob wir das nicht wüssten, schließlich wird es uns seit Wochen mit einer schon grotesken Flut an Plakaten an jeder Ecke, Kreuzung und Ampel mit einer optischen Penetranz unter die Nase gerieben. Ist das noch Plakatwerbung für Parteien und Politik? Ist das noch sinnvoll? Oder ist das einfach zu viel? Ist es sozusagen Plakatwahnsinn oder Plakat-Terror?

Es ist viel zu viel

Es ist zu viel! Zu viel, weil mittlerweile über jede Verhältnismäßigkeit hinaus plakatiert wird. Ich bin die Strecke zwischen dem Oppenheimer und dem Niersteiner Bahnhof abgefahren und habe alle Wahlwerbeplakate gezählt. Nicht die Großflächen, die auf dauerhaft montierten XL-Werbetafeln angebracht sind, sondern nur die kleinen, extra aufgestellten. Gezählt habe ich jedes Plakat. Sprich, waren auf einem Doppelständer zwei Plakate, habe ich zwei Plakate gezählt.

Ergebnis: Zwischen den beiden Bahnhöfen stehen und hängen über 130 Plakate! Es gibt Teilstücke der Strecke, wo dir an jedem Baum, an jedem Laternenmast und an jedem Verkehrschild das gleiche Gesicht „Wähl mich“ entgegen strahlt. Und oft hängt noch ein anderes Gesicht einer anderen Partei oben drüber.

Für die Parteien gelten Regeln nicht

Wenn ein Verein oder ein Kulturinitiative mit Plakaten auf eine Veranstaltung aufmerksam machen möchte, dann muss diese Plakatierung bei der VG beantragt werden. Im Genehmigungsfall gelten folgende Spielegeln (sinngemäßer Auszug):

1. Die Plakate dürfen maximal eine Kalenderwoche stehen.
2. Die Plakate dürfen nicht entlang der neuen oder alten B9 (in Oppenheim) aufgestellt werden.
3. Die Plakate dürfen nicht an Laternenmasten oder Verkehrsschildern befestigt werden.

Bundestagswahl-Plakate
Meist nur Gesichter, selten Inhalte auf den Plakaten.

Und schon auf dem Antragsformular findet sich auch gleich der Bußgeldhinweis für den Fall, dass gegen diese Auflagen verstoßen wird. Muss ich angesichts der seit Wochen stehenden Plakate und deren Standorte noch großartig erklären, dass diese Regeln für die Parteien und Wahlwerbung nicht gelten? Diese Ausnahme wurde in der Allgemeinen Zeitung ja auch schon beschrieben.

Plakate ohne Inhalt

Frag jede Partei nach ihrer Wahlkampf-Strategie und Du hörst, dass mit Themen und Inhalten geworben wird und nicht mit Personen oder Gesichtern. Findet man Inhalte und Themen auf den Plakaten? Wenn überhaupt, dann nur rudimentär und auf Schlagworte verkürzt!

Statt dessen sehen wir Gesichter die „Wähl mich“ zu schreien scheinen. Die Frequenz der jeweiligen Plakate mag Rückschlüsse auf die Dringlichkeit des „Gewählt-werden-Wunsches“ erlauben. Ausführliche Themen? Fehlanzeige. Echte Inhalte sieht man höchstens auf den Plakaten kleinerer Parteien. Nehmen wir die Piraten als Beispiel.

Und da, wo es „die etablierten Parteien“ versuchen, geht es in die Hose. Oder was will uns die FDP mi dem blauen „Sicheres Geld“ auf gelbem Grund sagen. Ohne jeden Kontext ist die Aussage völlig sinn- und nutzlos.

Gewaltige Materialschlacht

Zerstörtes CDU-Plakat.
Wo die betroffene Partei gerne den Gegner als Täter vermutet, könnte doch auch frustriertes Wahlvolk hinter der Zerstörung stecken.

Betrachtet man die Anzahl der Plakate dieser kleinen Parteien, dann versteht man, warum diese unter „Sonstige“ geführt werden. Sechs Wochen vor der Wahl dürfen die Parteien plakatieren. Und prompt sieht man in der „entscheidenden Nacht“ die entsprechenden Aktiven der großen Parteien. Es gilt, am besten jeden möglichen Platz zu besetzen und zu ergattern, bevor es die anderen tun. Hier herrscht ein massiver Verdrängungswettkampf und es drängt sich der Eindruck auf, dass so manche Plakatierer den Beginn der Sechs-Wochen-Frist eher interpretativ handhaben.

Und was für Gelder da ge- und verklebt werden sieht man nicht nur an der schieren Masse der Plakate, sondern auch an der Schnelligkeit, mit der beschädigte oder geklaute Plakate nachgeklebt werden.

Plakate ohne Wirkung

Meinen Wählerwillen beeinflussen diese Plakatorgien nicht und ich vermute, es geht sehr vielen Bürgern ähnlich. Die Allgemeine Zeitung hat auch einen entsprechenden Fachmann zitiert, der ebenfalls davon ausgeht, dass diese Plakate ihre Wirkung verfehlen.

Man könnte die Plakate in zwei Kategorien einteilen. Die eine zeigt eben jene Gesichter, die sich in regelmäßiger Häufung und Unvermeidbarkeit sowieso in den Medien nieder schlagen. Die anderen zeigen Gesichter, bei denen sich viele fragen oder sagen: „Wer ist denn das?“ „Nie gesehen!“

Viele fühlen sich genervt

Die Masse der Plakate ist zu viel und laut Experten-Meinung nicht sehr wirksam.
Die Masse der Plakate ist zu viel und laut Experten-Meinung nicht sehr wirksam.

Mich nerven diese Plakatmassen mittlerweile. Um zu erfahren, ob ich mit meiner Meinung alleine bin, habe ich mal eine kleine Facebook-Umfrage gemacht. Diese stellt nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein, und dennoch zeigen die Antworten wohl einen Trend.

Bevor ich Euch hier die Antworten der Umfrage zeige noch ein Hinweis. Meine hier dargelegte Meinung behandelt die Plakatierung aller Parteien und stellt keine Kritik einzelner Parteien, Parteiprogramme oder Politiker dar.

Trotzdem gilt: Auf JEDEN FALL wählen gehen!

Hier also die Antworten:

Max Duckwitz Die Plakate helfen mir nicht bei der Meinungsbildung, schließlich sind sie alle gleich: Ein Gesicht und ein Inhaltsleerer Spruch. Die Bundestagswahl ist schließlich kein Model-Casting, bei dem nach Aussehen bewertet wird. Sie stören mich aber auch nicht (Außer die Oma-Sinti-Roma-Scheiße der NPD). Was mich allerdings stört ist die Einwurf-Werbung im Briefkasten. Besonders eine in Oppenheim sehr bekannte Person einer roten Partei flutet meinen Briefkasten beinahe täglich mit Werbung. Sogar bis vor meine Wohnungstür hat es diese Person schon geschafft und mir Werbung direkt davor gelegt, obwohl die Haustür eigentlich die Grenze für Fremde sein sollte.

Peter Muth Meinen Vorrednern ist nichts hinzuzufügen, doch: habe gestern zwischen Dienheim und Oppenheim tatsächlich einen Baum gesehen, der kein Plakat hatte. Haben die sicher vergessen.

Christina Hennemann Völlig übertrieben & absolut nichtssagend! Wenn ich dran denke, wieviel das gekostet haben muss, und was man mit dem Geld stattdessen hätte anfangen können…

Dieter Kleindienst Total nervig, überflüssig, nichtssagend und zum Teil über Steuergelder finanziert. Weg damit!

Michael Wolff Diese gesamte Plakatiererei ist einfach nur nervtötend. Sinnvoller fände ich es da schon an zwei oder drei markanten Stellen, Plakatwände hinzustellen, das wäre absolut ausreichend.

Ireen Hebel Versperren die Sicht an Kreuzungen.

Ottilie Kessel Gerade auf dem Radweg zwischen Sironakuve und Oppenheim finde ich die Plakate sehr bedenklich, wenn sich hier Morgens die Schülerströme kreuzen ist es schon eng genug, da braucht es meiner Meinung nach nicht noch Plakate an jeder Laterne, welche den Verkehrsraum noch zusätzlich verengen.

Ein Meinungsartikel von Andreas Lerg.

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Prima. es hat geklappt. :-)

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