0,91 € Entschädigung für Studierende in Mainz und Umgebung. (Max Duckwitz)

0,91 € Entschädigung für Studierende in Mainz und Umgebung. (Max Duckwitz)

Nach über einem Monat voller Verspätungen und Zugausfällen ist das Chaos am Mainzer Hauptbahnhof mittlerweile beinahe vollständig beseitigt. Zeit für die Deutsche Bahn, hinter sich aufzuräumen. Neben Maßnahmen, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, hat die Deutsche Bahn sich auch entschieden, ihre Kunden für den Vorfall finanziell zu entschädigen. Doch nicht alle kommen bei dieser Entschädigung gut weg.

In einer Pressemitteilung hat Jürgen Kornmann, Sprecher der Unternehmensgruppe DB Mobility Logistics AG Entschädigungsmaßnahmen in Form von Fahrpreis-Rückerstattungen bekannt gegeben. Bis zu 50 Euro können sich Inhaber von Zeitfahrkarten, Jobtickets und Schülertickets zurückzahlen lassen. Für Studenten wird die Rückzahlung in einer anderen Form erfolgen. In der Pressemitteilung wird angekündigt, dass eine Pauschale von 50.000 Euro auf die Hochschulen und Universitäten im Raum Mainz und Bingen sowie Wiesbaden aufgeteilt wird. Diese Gelder werden an die Allgemeinen Studierenden Ausschüsse (ASten) ausgezahlt, welche über deren Verwendung entscheiden.

Kleinstbetrag als Entschädigung für Studierende

Benedikt Klein, Verkehrsreferent des Allgemeinen Studierenden Ausschusses der Hochschule RheinMain rechnete mir die Höhe der Entschädigung vor: An den betroffenen Hochschulen sind zur Zeit 55.000 Studierende eingeschrieben. Dementsprechend werden pro Person 0,91 Euro erstattet.

In der Pressemitteilung der Deutschen Bahn wird erwähnt, dass aufgrund der noch andauernden Semesterferien und der nicht eindeutig zuordenbaren Nutzung von Semestertickets diese Pauschale festgelegt wurde. „In Anbetracht der Tatsache, dass ein großer Teil unserer Studierenden unmittelbar von den Zugausfällen betroffenen war und neben erheblich längeren Fahrzeiten auch zusätzliche Kosten in Kauf nehmen musste, wenn etwa die Benutzung eines PKWs unausweichlich wurde, ist dies ein geradezu kümmerlicher Betrag“ entgegnet jedoch Klein. „Zum einen haben an der Hochschule RheinMain an einigen Fachbereichen auch in der zweiten Augusthälfte noch Prüfungen stattgefunden; zum anderen nutzen viele Studierende das Semesterticket auch in der vorlesungsfreien Zeit, um etwa ihre Praktikums- oder Arbeitsstelle zu erreichen, und sind dafür auf einen funktionierenden SPNV [Anm. des Autors: „Schienen-Personennahverkehr“] angewiesen“.

„Gleichbehandlung aller Fahrgäste sieht anders aus“

Weiterhin erklärt Verkehrsreferent Klein: „Für uns ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Deutsche Bahn auf der einen Seite Abo-, Jobticket- und Zeitkartenkunden für die entstandenen Unannehmlichkeiten mit bis zu 50 EUR entschädigt, auf der anderen Seite jedoch die Studierenden der Hochschule RheinMain mit solch niedrigen Summen abspeist. Eine Gleichbehandlung aller Fahrgäste sieht anders aus“.

Es ist anzunehmen, dass sich auch die anderen betroffenen Hochschulen und Universitäten bald zu diesem Thema äußern werden und Einspruch gegen diese Maßnahmen einlegen wird. Die Studierendenschaft der Hochschule RheinMain zumindest hat ihre Forderung der Deutschen Bahn gegenüber bereits deutlich gemacht: „Wir halten es daher für dringend geboten, dass die Deutsche Bahn die pauschale Entschädigungssumme deutlich erhöht, damit die Studierenden der Hochschule RheinMain angemessen entschädigt werden“

UPDATE 9. September

„Ein Euro ist eine Frechheit“

Auch in dem AStA der Uni Mainz sorgt die Nachricht über die geringe Entschädigungsleistung für Unmut. Dessen Vorsitzender Jascha Scholer erklärte gegenüber Campus-Mainz.net: „Gäste die eine Zeitkarte besitzen erhalten 50 Euro von der Bahn zurück, Schülerinnen und Schüler 25 Euro. Den Studierenden nur einen Euro anzubieten ist eine Frechheit sondergleichen.“

Seiner Meinung nach hat die Deutsche Bahn keine Ahnung vom Unialltag, da in den zitierten „Semesterferien“ Hausarbeiten, Klausuren und das 1. Staatsexamen geschrieben würden. Der AStA der Uni Mainz fordert, dass die Deutsche Bahn eine gerechte Entschädigungsleistung an die Studierenden auszahlen soll. Auch der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS), der größten Oppositionsfraktion des amtierenden AStA an der Uni Mainz steht hinter dieser Forderung. So erklärt der Vorsitzende Emanuel Benning: „Nachdem vom AStA während der ganzen Situation am Mainzer Hauptbahnhof nichts zu hören war, tritt er endlich im Namen der Studenten an die Deutsche Bahn heran und fordert eine angemessene Entschädigung.“