Vom 04. bis 07. Juli 2013 kamen die schnellsten Junioren der DLRG zum Ländervergleich der Junioren-Landeskadermannschaften zusammen. Trotz guter leistungen zeigte sich dabei leider, dass Rheinland-Pfalz einiges aufzuholen hat.

Das Team aus Rheinland-Pfalz inkl. den Trainern Anja Parotat und Daniel Schuessler. Nicht im Bild: Andreas Kauf und Lukas Gilz.

Das Team aus Rheinland-Pfalz inkl. den Trainern Anja Parotat und Daniel Schuessler. Nicht im Bild: Andreas Kauf und Lukas Gilz.

 

Die Disziplinen im Rettungssport haben vieles mit „normalem“ Schwimmen gemeinsam, doch unterscheiden Sie sich in einigen Punkten und binden rettungsschwimmspezifische Elemente knochenhart mit in das Wettkampfgeschehen ein.

So zum Beispiel gibt es keine Disziplin 200m Freistil, sondern 200m Hindernisschwimmen. Auch dabei wird Freistil geschwommen, doch hängen pro 50m-Bahn zwei Hindernisse (70 cm tief) im Wasser. Das erfordert neben schnellem Schwimmen auch noch eine möglichst optimale Technik zum Untertauchen der Hindernisse ohne dabei viel Schwung zu verlieren. Ein weiteres Beispiel sind die 200m Superlifesaver. Dabei schwimmt der Sportler 75m Freistil, nimmt dann vom Boden eine rund 50 KG schwere Puppe (die im Gegensatz zum Menschen keinerlei Auftrieb hat) vom Beckenboden auf und schleppt diese schnellstmöglich 25 Meter. Dabei muss nicht nur auf Geschwindigkeit geachtet werden, sondern auch darauf, dass das Gesicht der Puppe durchgehend über Wasser ist. Dies wird von Kampfrichtern kontrolliert und ist ein schwieriges Unterfangen, denn die schnellste Art die Puppe abzuschleppen ist im einarmigen Kraulschwimmen, währenddem man mit dem anderen Arm die Puppe hinter sich her zieht. Nach diesen 100 Metern legt der Rettungssportler schnellstmöglich bereitliegende Flossen und Gurtretter an, im Idealfall eine Sache von unter 5 Sekunden, und schwimmt 50 Meter mit Flossen und Gurtretter. Nach den dann abgeschlossenen 150 Metern wartet wieder eine von einem Helfer über Wasser gehaltene, etwa zu 3/4 mit Wasser gefüllte, Puppe. Diese klinkt der Sportler nach dem Anschlag am Beckenrand schnellstmöglich (auch hier werden unter 5 Sekunden angestrebt) in den Gurtretter ein und schleppt diese dann mit Flossen und Gurtretter weitere 50 Meter. Auch dabei ist natürlich darauf zu achten, dass alles Regelkonform abläuft, ansonsten wird der Sportler für diese Disziplin disqualifiziert.

Das Herren-Team schaffte es den dritten Platz in der Rescue-Tube - Staffel zu erringen.

Das Herren-Team schaffte es den dritten Platz in der Rescue-Tube – Staffel zu erringen.

Nachdem am Freitag die Hallenbad-Disziplinen ausgetragen wurden, ging es am Samstag im Heidebad Halle in den See zu den Freigewässerwettkämpfen. Auch dort gibt es vielfältige Disziplinen, neben dem 400m Schwimmwettkampf mit Massenstart zum Beispiel die 600m Rescue-Board. Dabei wird, in der Regel im Knien paddelnd, auf einem Surfbrett-ähnlichen Wettkampfgerät der Parcour schnellstmöglich absolviert. Neben Kraft und Ausdauer, sowie Schnelligkeit, ist hier insbesondere der Gleichgewichtssinn und das Geschick gefordert.

An den zwei Tagen hatten die Sportler in Summe bis zu 15 Starts hinter sich zu bringen, nur in den Vorläufen. Wer sich aber für Halbfinal- oder Finalläufe qualifiziert, hat natürlich weitere Starts zu absolvieren

Durch die beginnenden Ferien hatten das Trainerteam um Daniel Schüßler, Lukas Gilz, Anja Parotat und Andreas Kauf es dieses Jahr schwerer als im letzten Jahr, die Mannschaft (6 weibliche und 6 männliche Sportler) zusammenzustellen. Mit Elin Seitz (Ortsgruppe Bad-Dürkheim / Wachenheim), Megan Exner-Brown, Katharina Stuppy (beide Kusel), Laura Hißler, Anne Sorowka, Paula Boos (alle drei Nieder-Olm / Wörrstadt), sowie Felix Heisel (Kaiserslautern), Moritz Adams (Emmelshausen), Moritz Braun (Kusel), Samuel Neubauer und Manuel Blum (beide Nieder-Olm / Wörrstadt) konnte aber auch dieses Jahr wieder ein gutes Team zum Junioren-Rettungspokal fahren. Dieses Team ist insbesondere perspektivisch für die Zukunft sehr aussichtsreich, waren doch drei Schwimmer gerade einmal so alt um am Vergleich der 14 bis 19-Jährigen teilnehmen zu dürfen und bis auf drei Sportler alle noch so jung um noch mehrere Jahre teilnehmen zu können. Schmerzlich sollte man aber später in den Einzel-Disziplinen noch das Fehlen von verschiedenen sehr starken Nachwuchssportlern (teils Urlaub oder Wechsel der Ortsgruppe in einen anderen Landesverband) merkeBei den Hallenbadwettkämpfen am Freitag gelang den Damen mit dem 5. Platz über 4x50m Hindernis, dem 5. Platz über die 4x50m Gurtretter-Staffel und dem 6. Platz über die 4x25m Puppe-Staffel gleich ein Achtungserfolg. Die Herren schafften in der 4x25m Puppen-Staffel mit dem 6. Platz eine überraschend gute Platzierung, konnten aber in den beiden anderen Mannschaftsdisziplinen nur zwei andere Mannschaften hinter sich lassen.

Bei den Einzelschwimmern des Landesverbands bestätigte Katharina Stuppy die Vorhersage, dass sie die meisten Punkte der Damen für sich gewinnen kann nicht ganz. Mit dem sehr guten 10. Platz in Superlifesaver, sowie einem starken 15. und 16. Platz über die 100m kombinierte Rettungsübung und 50m Retten konnte sie ordentliche 10 Punkte in der Halle holen. Die absolute Überraschung schaffte aber Anne Sorowka, noch 14 Jahre alt, indem sie über 200m Hindernis auf Platz 12 und über 50m Retten auf Platz 10 schwamm und somit in Summe 12 Punkte in der Halle sammelte. Für die anderen Rheinland-Pfälzer Damen reichte es in der Halle trotz teilweise starken persönlichen Bestmarken nicht um in die Punkteränge (die ersten 16) zu kommen. Bei den Herren zeichnete sich bei den Rheinland-Pfälzern vorab schon ab, dass hier Manuel Blum, Moritz Adams und Moritz Braun für die Einzel-Punkte zuständig sein werden. Moritz Adams, krankheitsbedingt geschwächt, schonte sich daher allerdings für die Mannschaftsdisziplinen. Manuel Blum gelang über die 200m Superlifesaver der 11. Platz und über 200m Hindernis der 15. Platz was in Summe 8 Punkte bedeutete. Moritz Braun schaffte über 50m Retten einen 16. Platz und somit einen Punkt, lag über die 100m kombinierte Rettungsübung schwimmerisch auf Platz 8, wurde allerdings leider disqualifziert da das Gesicht der Puppe während dem Schleppen mehrfach kurz unter der Wasserlinie war.

Bei den Freigewässerwettkämpfen war dann an einigen Stellen sehr deutlich, dass die Trainingsbedingungen dafür in Rheinland-Pfalz mehr als suboptimal sind. Zwar konnten sich viele Sportler in Board Race, Beach Flags oder im Schwimmen für die Halbfinals oder Finals qualifizieren, doch es gelang ausschließlich Katharina Stuppy (15. in Board Race – 2 Punkte, 16. in Beach Flags – 1 Punkt) Punkte bei den Damen zu holen. Bei den Herren bot sich ein ähnliches Bild, am Ende schaffte aber nur Manuel Blum mit einer starken Leistung über die 400m Schwimmen einen 10. Platz und somit 7 Punkte zu erschwimmen.

Bei den beiden Mannschaftsdisziplinen im Freigewässer sah man aber, dass großes Potential vorhanden ist. So schafften die Herren es sich im Rescue Tube Rescue Race mit einer sehr starken Leistung den dritten Platz und somit die Bronzemedaille in dieser Disziplin zu sichern. Im Board Rescue Race konnten sie leider nur ein Team hinter sich lassen. Die Damen schafften im Rescue Tube Rescue Race einen ordentlichen achten Platz und das Team aus Katharina und Elin konnte im Finale des Board Rescue Race beinahe noch die Bronzemedaille ergattern, musste sich dann aber im Endspurt mit einem ebenfalls sehr gutRheinlanden 4. Platz zufrieden geben.

In der Gesamtwertung standen für das Team aus Rheinland-Pfalz 151 Punkte zu Buche, damit errang man auf dem 11. Platz der 14 teilnehmenden Landesverbände. Dominiert wurde der Wettkampf von den Teams aus Westfalen und Sachschen-Anhalt mit 656 bzw. 648 Punkten. Die Überlegenheit der beiden Landesverbände zeigt sich auch daran, dass der fünfte, das Team aus Brandenburg, schon nur noch 260 Punkte erschwimmen konnte.

 

„Leider konnten wir das hervorragende Ergebnis im letzten Jahr (vierter Platz in der Gesamtwertung) dieses Jahr nicht bestätigen. Rückblickend lässt sich feststellen, dass der Abgang einer Top-Sportlerin, die dieses Jahr den Gesamtsieg der Damen nach Hessen holte, leider nicht kompensiert werden konnte und, insbesondere im Freigewässerbereich, weiterer Nachholbedarf besteht. Dennoch haben die mitgereisten Sportler individuell alle starke Leistungen gebracht und sind an ihr Limit und teilweise darüber hinaus gegangen.“, so Daniel Schüßler, Landestrainer der DLRG Rheinland-Pfalz. Verbesserungspotential sieht er außerdem in der Quantität in der Trainings in Rheinland-Pfalz angeboten werden können. Daran sei insbesondere die extrem angespannte Lage bei den zur Verfügung stehenden Wassereinheiten in den Schwimmbädern schuld. „Immer mehr Bäder werden geschlossen. Die, die weiterhin offen bleiben werden oft zu reinen Spaßbädern umgebaut in denen den Vereinen weniger Wasserzeit eingeräumt wird. Leider fühlen sich normale Badegäste scheinbar oft gestört, wenn Sportler auf einer abgesperrten Bahn neben ihnen trainieren. Daher bekommen die meisten Vereine nur noch an einem Tag Trainingszeiten, dann wenn das Bad für die Öffentlichkeit geschlossen ist. Zum Beispiel in Halle hat man gesehen wie es auch anders gehen kann, dort gibt es gleich zwei Hallenbäder mit 50-Meter – Becken nach Olympianorm. In ganz Rheinland-Pfalz gibt es leider kein einziges 50-Meter – Hallenbad.“ Beeindruckt waren die Sportler von der 2011 neu gebauten Rober-Koch-Schwimmhalle, die an allen Werktagen ausschließlich für den Trainingsbetrieb der ansässigen Vereine und Schulen geöffnet ist. Hier trainiert unter anderem auch Paul Biedermann. Inklusive acht mal 50 Metern, Becken mit computergesteuertem Strömungskanal und Entspannungsbecken.