Als das Düsseldorfer Stahlbauunternehmen Hein Lehmann AG am 28. September 1959 den Zuschlag für ein Großprojekt bekam, ahnte noch niemand, welches Sorgenkind aus diesem Projekt entstehen würde. Auch nach der Vollendung des 7895 Tonnen schweren Stahlkolosses war an die heutige Auslastung nicht zu denken. Die Rede ist von der Schiersteiner Brücke.

CC-BY-SA - by Wolfgang Pehlemann

CC-BY-SA – by Wolfgang Pehlemann

7.100 Fahrzeuge sollten laut Planungsbeginn 1955 täglich den Rhein zwischen Mainz Mombach und Wiesbaden Schierstein kreuzen. Mittlerweile befahren 80.000 Pendler täglich die Brücke. Dieser bei Planungsbeginn 1955 unerwartete Anstieg hinterließ seine Spuren. Die nötige umfangreiche Sanierung der Brücke inklusive Fahrbahn und Fußgängerwegen wurde 1997 begonnen und drei Jahre später beendet. Doch bereits 2006 dann der Schock: Ein Gutachter stellte fest, dass die Brücke „nicht mehr sanierungsfähig“ sei. Eine neue Brücke musste her.

Aus diesem Grund wurde noch im selben Jahr die Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Brücke von 100 auf 80 Km/h und wenige Monate später noch einmal auf 60 Km/h herabgesetzt. Wenige hielten sich daran, ein Grund für die plötzliche Beschränkung war schließlich nicht zu erkennen. Dies bemerke auch das hessische Verkehrsministerium, welches daraufhin am 21. August 2007 auf der Wiesbadener Seite der Brücke ein Hinweisschild „Sie fahren oben, wir bauen unten. Deshalb 60 km/h“ aufstellen ließ.

Eine Lüge an der Brücke

Der mäßige Erfolg dieser Maßnahme wurde vom Land Rheinland-Pfalz als Grund angesehen, dies ebenfalls zu tun und so wurde auch auf der anderen Seite dieses Schild installiert. Eine große Lüge! Tatsächlich wird an der Schiersteiner Brücke schon lange nicht mehr gebaut oder ausgebessert. Lediglich halbjährlich wird die Brücke auf ihren Zustand geprüft, was durch die halbseitige Sperrung der Fahrtrichtungen und eine Gerüstkonstruktion an der Brückenflanke erkennbar ist.

Auch der 2008 installierte Blitzer auf der Wiesbadener Seite hat nicht den gewünschten Erfolg. „Wir wollen damit die Brücke weiter schonen“ erklärte damals ein Sprecher der Autobahnpolizei. Das Gerät, welches lediglich von Wiesbaden aus in Fahrtrichtung Mainz Temposünder fotografiert, entschleunigt die Fahrtgeschwindigkeit hauptsächlich vor der Brücke. Auf der Brücke selbst wird hinter dem Gerät meist sofort wieder beschleunigt. Dafür bilden sich täglich kilometerlange Staus, welche zum Teil bis in die Stadt Wiesbaden hinein reichen. Ein Alptraum für alle Pendler. Zudem kam es auch schon mehrfach auf der Brücke zu Auffahrunfällen, da Autofahrer vor dem Blitzer rapide abbremsten oder Autofahrer auf das Stauende des „Blitzerstaus“ auffuhren.

Bild: Kandschwar

Bild: Kandschwar

Die neue Brücke

Der Bau einer neuen Schiersteiner Brücke, bestehend aus 2 separaten Brücken, soll laut aktuellen Kenntnissen im August 2013 begonnen werden. Die neue Brücke wird 3 Fahrspuren in jede Fahrtrichtung besitzen und wieder schnelleren Verkehr zulassen. Doch wie heute bekannt wurde, wird der Bau der Brücke auch teurer werden als zunächst veranschlagt: 206 Millionen Euro statt 178 Millionen Euro soll das Megaprojekt nun kosten. Dies liegt jedoch noch weit unter der ersten Schätzung aus dem Jahre 2007, damals wurde von 250 Millionen Euro ausgegangen.

Bis zur Vollendung der Brücke, welcher 2019 abgeschlossen sein soll, werden die Pendler sich wohl doch noch als Geduldig erweisen und den quälenden Stau ertragen müssen.