Severin Groebner

Severin Groebner im Kulturkeller im weingut Dahlem.

Im Kulturkeller des Weingutes Dahlem in Oppenheim trug am Samstag Kabarettist und Exil-Wiener Severin Groebner vortrefflich zur Völkermissverständigung bei. Mit seinem Programm „Servus Piefke“ seziert er meisterlich das Verhältnis zwischen Deutschen und Österreichern.

Oder vielleicht sollte ich präzisieren zwischen Deutschen und Wienern im Speziellen. Groebner war nicht allein auf der Bühne denn Roland – ein elektronsiches Sampler-Gerät, auf dem Groebner hilfreiche Übersetzungen von Wiener Fachbergriffen ins Deutsche feil bot – stand ihm im Wortsinne zur Seite.

Roland übersetzt fleißig

Der schlaue Roland übersetzte dem Publikum, dass „Oarsch“ auf Deutsch „Arsch“ heißt und das der Österreicher unter „Bapp’n“ oder „Gosch’n“ das versteht, was man hierzulande mit Mund (vulgo Maul) bezeichnet.

Groebner erklärte dem Publikum mit flinker Zunge: „Wien ist im Gegensatz zum Rest von Österreich bei Deutschen sehr beliebt, weil die Deutschen von Wien absolute keine Ahnung haben.“ Wien und die Wiener seien bei weitem weniger nett, wie gemeinhin vermutet. Groebner nannte auch bereitwillig Beispiele. Wer in eine Wiener Kneipe durch die Tür stürmt und zur Karnevalszeit „Es ist Fasching“ brüllt, der erlebt die Wiener Nettigkeit. Denn der Wiener ruft ihm freundlich entgegen: „Geh und schleich di, du bleede depperte Drecksau!“

Ahnungslos auf beiden Seiten

Die besagte Ahnungslosigkeit jedoch herrscht auf beiden Seiten, versichert Groebner. So mancher Österreicher sei durchaus der Meinung, dass „in Frankfurt am Rhein die Elbe in die Ostsee fließt.“ Der Wiener habe in der Regel auch keine Ahnung, tue aber gerne so, als kenne er sich aus.

Doch Wien ist für Wiener die absolute Hölle und Groebner rief: „Wenn‘s dort ned so schee wär‘, wärn’s alle längst schon weg.“ Er zumindest ist weg, denn er verließ die österreichische Hauptstadt in Richtung Deutschland. Er empfand es dort nicht mehr „leiwand“ (Roland: toll, dufte, klasse, super), sondern eher ziemlich „schiach“ (Roland: hässlich, schlimm, ätzend) war. Aber warum Deutschland? Groebner: „Die Deutsch’n ham an Zugang zum Meer und auch an Zugang zu korrekter Grammatik.“

Ein Wiener im Exil – nur wegen dem Zugang zu Meer

Und seitdem lebt er als Exil-Wiener bei den Piefkes in Deutschland, fühlt sich allenthalben wohl und reist durch die Gegend um sehr vortrefflich, zynisch und durchaus zutreffend sowohl über die alte als auch die neue Heimat zu lästern. Das tat er so gut, dass das Publikum es ihm mit Applaus und fanatischem Gelächter dankte. Zwischendurch sang er – musikalisch begleitet von Rolands gesampelten Rhythmen – Lieder mit würzig-derben Texten, in denen er abermals Österreicher und uns Piefkes auf die Schippe nahm.
Derbe bekam auch die Politik ihr Fett weg. Ob Rechtsausleger Heider und die FPÖ in Österreich oder die auf Talfahrt befindliche FDP in Deutschland. Alles und jeden nahm er ziel- und treffsicher aufs Korn. Er lästerte über den Deutschen Fleiß genau so derbe, wie über die Wiener Nichtstuerei.

Nix tun versus Erfindergeist

Er lobte deutschen Erfindergeist und kritisierte zugleich die permanente Unruhe in unserem Land: „Die Deutschen können einfach alles, nur eines können sie nicht: Nix tun!” Das aber wäre eine Paradedisziplin der Wiener, denn die hätten es eben einfach ausgesprochen gern etwas nicht gern nicht zu tun. Wer’s versteht.
Auch den Unterschied der Medien erklärte er am aktuellen Beispiel des aktuellen Hochwassers: „Fragt der deutsche Nachrichtensprecher den Korrespondenten vor Ort ‚wie ist die Lage?‘, dann fragt der Österreicher statt dessen ‚wie ist die Stimmung vor Ort‘“.

Die Stimmung im Kulturkeller des Weingut Dahlem war dank seines aggressiv heiteren Wortstakatos bestens, als Groebner deutlich nach 22 Uhr und nicht ohne einigen Zugaben zum Besten zu geben von der Bühne ging.