Gerd Kannegieser (Bild: Andreas Lerg)

Gerd Kannegieser (Bild: Andreas Lerg)

Das ist schon schlimm. Da melden sich im Frankfurter Hauptbahnhof die zahlreichen Tassen Kaffee, die Gerd Kannegießer im Zug im „Bistropoint“ gekippt hat, um so adipösen US-Touristen aus dem Wege zu gehen. Also schnell in Richtung „Basement“, um der Blase Entleerung und sich Erleichterung zu verschaffen und da sprengen die eifrigen Sicherheitsbeamten dem Randpfälzer mit saarländischen Migrationshintergrund doch glatt den Koffer.

Ok, heutzutage einen Koffer völlig alleine am Bahnsteig auf einem Großstadtbahnhof stehen zu lassen ist unklug. Denn es führt aus vermutlich bekanntem Grunde durchaus nicht nur zu Missverständnissen sondern auch den vorgenannten finalen Maßnahmen, die sich konsequent gegen das Gepäckstück richten.

Vom Basement direkt aufs Dixieklo

Gerd Kannegieser (Bild: Andreas Lerg)

Gerd Kannegieser (Bild: Andreas Lerg)

Tja und da stand er nun, Gerd Kannegieser – eigentlich Helmut Klausmann, Vertreter für Dixieklos – vor dem Publikum in Mommenheim. Ohne Text! Denn der Text hatte sich mit seinem „Lieblings-Sacktuch“ und dem restlichen Inhalt des Koffers auf dem Frankfurter Bahnhof verteilt. Also musste das Publikum ran und mit Wortbeträgen mithelfen. Auf die Frage, ob jemand einen Witz erzählen könne, kam beispielsweise die Frage aus dem Publikum: „Was liegt am Strand und hat einen Sprachfehler? Eine Nuschel!“

Schlagfertiger Deutschlehrer mit Wortwitz

Gerd Kannegieser (Bild: Andreas Lerg)

Gerd Kannegieser (Bild: Andreas Lerg)

Zugegeben, die Geschichte mit dem explodierten Koffer war Teil des Programms von Gerd Kannegieser, der aber auch ohne die Mär vom in Rauch aufgegangenen Text keine Probleme hatte, das Publikum in ein Gespräch zu verwickeln und in seinen Bann zu ziehen.

Kannegieser, von Beruf Deutschlehrer, betätigt sich seit 1978 im Nebenberuf auch als Autor von Theaterstücken und Kabarettprogrammen. Mit diesen tourt er erfolg- und wortreich durch Deutschland und gilt als die pfälzische Antwort auf Gerd Dudenhöffers Reinkarnation eines typischen Saarländers Heinz Becker.

Kabarett versus Fußball

Gerd Kannegieser (Bild: Andreas Lerg)

Gerd Kannegieser (Bild: Andreas Lerg)

Kannegieser spielte mit Bravour gegen die mächtige Konkurrenz in Gestalt des Championsleague-Finales im Fernsehen an. In der Pause entschwanden tatsächlich nur zwei Personen, um vermutlich dem Kampf ums runde Leder im Londoner Wembley-Stadion vor der heimischen Glotze den Vorzug zu geben. Der Rest aber ließ sich in der Pause zunächst zahlreiche Leckereien im Weingut Winzermeister Klaus Reck munden und schwelgte dann weiter in den Lebensweisheiten und Erfahrungen, die Kannegieser zum Besten gab. Das Weingut Reck war zusammen mit dem Mommenheimer Karnevalsverein Gastgeber des kurzweiligen Abends

Nur zuschauen ist nicht!

Gerd Kannegieser (Bild: Andreas Lerg)

Gerd Kannegieser (Bild: Andreas Lerg)

Wer einfach nur zuschauen und lachen wollte, war fehl am Platze, denn so mancher bekam im Laufe des Abends sein Fett weg. Mal „Lothar von der Bahn“, als der Kabarettist über die Unwägbarkeiten einer Bahnfahrt von Freiburg „bis ganz owwe nuff“ lästerte. Mal bekam es jemand anderes ab, dem Kannegieser sagte: „Du schaust aus, als hätt die Frau dich her geschleift.“ Das Publikum durfte mit an Kannegiesers Stammtisch Platz nehmen oder erfahren, wie man trickreich den vorgenannten Handlungsreisenden in Sachen Dixieklos bei Darmstadt in den Wald schickt, weil eben dieser mit seinem Handy nervend im Bistropoint eine vergnügliche Bahnfahrt sabotierte.

Gelungene Alernative zum Fußball

Gerd Kannegieser (Bild: Andreas Lerg)

Gerd Kannegieser (Bild: Andreas Lerg)

Auch wenn es im Zelt im Weingut Reck dank des mit Sonne übel geizenden Wonnemonats Mai zum Schluss etwas frisch wurde, hatten die Zuschauer einen Mordsspaß und ließen den Mundartkünstler nicht ohne eine Reihe von Zugaben ziehen. Und der geizte auch nicht mit lockeren Sprüchen. Alles in allem ein sehr gelungener Abend und eine exzellente Alternative zu einem Abend vor der Glotze, auch wenn darin das Championsleague-Finale lief.

Und wer wissen will, warum in einem Whirlpool plötzlich „die Körner oben schwimmen“ und wie lange es dauert, bis ein Schlaf-Zäpfchen wirkt, der sollte unbedingt selbst einen Abend mit Gerd Kannegieser genießen.