Äppsch!

Äppsch!

Wissen Sie was „Dengschlisch“ ist? Richtig, der Begriff steht für Wörter, die sich aus deutschen und englischen Wortbestandteilen zusammensetzen. Das Wort „Äppsch“ könnte man als „Rhoihessenglisch“ bezeichnen, denn es verbindet ein englisches und ein rheinhessisches Wort. Da wäre zunächst „Äpp“, was lautmalerisch für das englische Wort „App“ steht, eine Abkürzung für „Applikation“, zu Deutsch „Anwendung“. Das „sch“ ergibt zusammen mit dem Klang des „Äpp“ natürlich das wunderschöne rheinhessische Wort „ebsch“, was für „schepp“ äähh Verzeihung für „schief“ steht. Meenzer und Wissbaadener – also Mainzer und Wiesbadener – wissen recht genau, wie bedeutungsschwanger dieses Wort ist, streitet man sich doch hiwwe und driwwe – also hüben und drüben – seit Jahren, welche Seite eben jene ebsche Seite des Rheins ist.

Ok, um der langen und wortreichen Vorrede ein Ende zu bereiten und wieder das Wort Äppsch in den Mittelpunkt zu rücken: Die Verlagsgruppe Rhein Main (VRM) hat eine App (gesprochen „Äpp“) für das Apple iPad (Rheinhessisch: „Äbbl iPäd“) heraus gebracht. Der Name der App ist – das sollte mittlerweile klar wie die sprichwörtliche Kloßbrühe sein – Äppsch! Es handelt sich um ein digitales Wochenendmagazin, in dem jeden Freitagabend die besten, schönsten und interessantesten Geschichte der gesamten Region, also auch von beiden Seiten des Rheins – ob ebsch oder unebsch – zu lesen sind.

Erster Eindruck der Äppsch!

Nach dem Installieren der App Äppsch! war mein erster Eindruck äußerst positiv. Gott sei Dank hat man hier nicht versucht, ein Printmagazin digital nachzubauen, sondern es wurde ein waschechtes Tablet-Magazin entwickelt. Natürlich bedient sich dieses der Inhalte der  diversen Printausgaben der VRM, aber die sind sehr gut für das iPad aufbereitet und technisch gut umgesetzt. Man spürt, dass hier Zeit, Aufwand und Konzeptarbeit investiert und nicht ein Schnellschuss (nichts gegen die Rubrik „Svens Schnellschuss“ der AZ 😉 )auf das iPad abgefeuert wurde.

Tolle Optik und Aufmachung

Die Optik und Aufmachung ist sehr gelungen. Schöne große Bilder geben Äppsch! eine gefällige Magazinoptik. Die Bilder ziehen den Blick auf sich und knackige Überschriften sagen, worum es in der Geschichte geht. Ein klassisches Inhaltsverzeichnis ist überflüssig, denn mit Wischgesten kann man auf der Startseite wunderbar durch den Inhalt surfen, der in Bild-Aufmachern präsentiert wird. Ein Tipp auf Bild oder Überschrift und schon ist man im Artikel, indem man wieder mit Fingergesten „blättern“ kann, um mal diesen „Papierbegriff“ zu bemühen.

Äppsch!-Ausgaben im Kiosk

Die einzelnen Ausgaben können im sogenannten Kiosk kostenlos herunter geladen werden. Witzig und gut finde ich, dass man hier der Begrifflichkeit treu geblieben ist und nicht etwa von „Ausgabe 1“ oder „Ausgabe XY April“ spricht, sondern die Ausgaben „erste Äppsch!“, „zweite Äppsch!“ und so weiter nennt. Im Kiosk findet man einen Button „bereits gekauft“, der die bereits herunter geladenen „Äppsch!e“ zeigt. ob die Beschriftung dieses Buttons vermuten lässt, dass diese Wochenendmagazine eines Tages kostenpflichtig werden, kann ich nicht sagen. Ich als Journalist hätte aber nichts dagegen. Ich bin ein Freund von Bezahlinhalten, denn auch ich leben davon, dass Journalismus Geld verdient. Und ich bin auch gerne bereit, für Qualität und Relevanz zu bezahlen. Aber das ist meine persönliche Meinung.

Ein paar wenige Kinderkrankheiten

Kommen wir zu ein paar Kleinigkeiten, die mir negativ aufgefallen sind. Wobei negativ hier eigentlich nicht wirklich passt, denn es sind in der Tat nur Kleinigkeiten. Die Bilder sind häufig noch etwas grob und zeigen Pixel- und Würfelartefakte. Nicht gravierend, aber doch sichtbar. Außerdem würde ich mir wünschen, dass man bei der großen Darstellung der Bilder noch mit der iPad-typischen „Zwick-Geste“ hinein zoomen kann, um Details zu betrachten. Die Videos laufen nicht, aber das könnte der Tatsache geschuldet sein, dass ich noch mit dem ersten, dem „Ur-iPad“ arbeite und man dieses nicht auf iOS 5 updaten kann, Apple sei Dank. Es kann also sein, dass die Videos auf neuerer Hardware und Software laufen. Auch ist die Äppsch! bei mir mehrfach abgestürzt. Ob auch das meiner Hardware und dem älteren iOS 4 geschuldet ist, weiß ich nicht. Das war es im Prinzip schon, was ich nein nicht zu meckern, sondern als Verbesserungswünsche anzumerken hätte. Diese Dinge zu verbessern ist definitiv kein Hexenwerk, sondern sollte recht einfach zu bewerkstelligen sein.

Fazit

Der VRM ist mit Äppsch! ein sehr gutes digitales Tablet-Magazin gelungen. Es lässt sich intuitiv und einfach bedienen und ist von der Optik und Aufbereitung der Themen aber auch der Themenauswahl her richtig gut. Das Stöbern, Blättern und Lesen macht Spaß. Und wenn ich einen Wunsch hätte: Bevor der Inhalt mit Werbung gemischt wird, würde ich Bezahlausgaben den Vorzug geben und gerne für eine werbefreies Äppsch!-Magazin bezahlen. Und hier noch eine Bildergalerie der Äppsch!