Wir haben da was vergessen ..

Haben Sie schon mal bei einer Gewerbeschau mitgemacht – als Aussteller? Wenn das Publikum

Schokolade
glaubt, das sei doch nur Alltag, dann hat man es geschafft – all die kleinen Unwägbarkeiten zu kaschieren, die einem so begegnen. Ich möchte hier aus dem Nähkästchen plaudern, was die Besucher so nicht mitbekommen haben …

 

Freitag Morgen, 10.00 Uhr: Heute ist Aufbautag. Wir kommen mit Teppich und Tischen bei der Halle an. Wir haben einen Eckstand für die zwei Hauptsortimente – rechts die Schokolade, links die Naturseifen. Drei Tische rechts, drei Tische links, keinen fallen lassen. Das Standkonzept ist fertig gestrickt. Aber was ist das? Ein Standplatz mitten drin? – „Ja, wir mussten umdisponieren.“ – Ach so. Dann stellen wir die Tische eben – ähm – anders …

 

Na, wir sind ja flexibel – und innerhalb absehbarer Zeit mit dem Aufstellen auch fertig. Drei Tische weniger, die haben jetzt keinen Platz. Was soll’s. Jetzt ab, zurück und die Ware geholt. Kaum im Laden angekommen, klingelt es: „Wegen Eures Standplatzes: Ihr könntet auch noch mal umziehen! Doch ein Eckplatz? Nein, aber am Ende der Halle. Mehr Raum zum Durchlaufen. Okay. Nochmal zurück zur Halle. Alles wieder auseinanderbauen, was schon festgebunden ist, allez hepp – ab nach hinten. Ein paar Minuten, etliche Schimpfereien und ein zerdeppertes Dekostück später steht der Stand am neuen Platz. Nun aber endlich die Ware. Ach nein, ist schon zu spät heute. Wir müssen noch etwas besorgen. Die Ware bringen wir komplett morgen mit.

 

Samstag Morgen: Die Hochzeits-Accessoires zuerst ins Auto. Die sind leicht, aber sperrig. Bepackt wie die süßen kleinen Eselchen im südlichen Urlaubsland fahren wir wieder bei der Halle vor. Hinten der Packtisch muss frei bleiben. Hutständer haben wir nicht – Hüte aber schon. Brauthüte zum Dumpingpreis. Überhaupt alle Braut- und Kommunionssachen drastisch reduziert. Wieso jetzt Hochzeit? Sollte es nicht Schokolade sein? – Ja, die Sachen sind Lager-Abverkauf aus unserem früheren Geschäft. Jetzt haben wir uns auf Aroma spezialisiert. Und alles, was einfach schön ist. Ob auch Hochzeitspaare zur Schau kommen werden?

 

Keine Gelegenheit zum Grübeln: Die Zeit schreitet voran. In zwei Stunden öffnen sich die Tore, die ersten Besucher laufen durch die Halle. Ich packe die Hochzeits-Accessoires aus, versuche, alles hübsch in Szene zu setzen. Hinter mir türmen sich leere Kisten. Raus damit! Alles was leer ist: Runter vom Stand!

 

Inzwischen hat Thomas die nächste Ware gebracht: Pralinen. Daneben: Seife. Eben konnte ich mich doch noch bewegen? – Weitermachen: Bonbons hinten ins Regal, Seifenplatten nach links, Aufsteller drunter und stapeln – halt! Das Regalbrett biegt sich durch. Aufsteller weglassen – zwei Schichten werden zuviel. Wohin jetzt damit?

 

Erstmal die Schokolade im hinteren Regal platzieren, dann die Dufträtsel fertig machen, die Schokoladen-Verkostung bestücken. Oh, Mann! Es ist schon 15.00 Uhr! Zig Stunden Aufbau sind bereits absolviert. Der Schokobrunnen läuft noch nicht. Er muss umziehen, damit niemand über das Kabel stolpert. Während Thomas Cappuccino-Schokolade schmilzt, bediene ich die erste Kundin: „Haben Sie Olivenöl-Seife?“ „Ja, haben wir.“ (Im Laden steht die oben links – äh – wo hatten wir die jetzt hier?) Alles ist anders und statt reiner Oliven-Seife haben wir nur Kamille eingepackt. Okay, es muss jetzt nicht reine Olive sein. Die Kundin findet auch so etwas in der reichhaltigen Auswahl. Ich freue mich – auch für sie.

 

Jetzt kommen mehr Kunden. Hier beraten, dort erklären: Öffnungszeiten – ja, wir fertigen die Seife selbst – diese Pralinen sind besonders fruchtig – ja, die Schokotropfen kann man auch schmelzen. – Jetzt ist richtig was los. So macht es Spaß. Augenblicke später tippt mir mein Mann auf die Schulter: „Hier bitte ein Geschenk verpacken!“ Ja – super. Das mache ich gerne! Wo ist die Schere? – Haben wir wohl auch vergessen. Ein Schweizer Taschenmesser im Miniformat tut es genauso. Haben wir noch eine Tragetasche für die Kundin? Unsere schönen Tüten im Rosenformat liegen auch noch zu Hause. Ja gibt’s denn das? Wir hatten Checklisten. Die sind auch irgendwo in einer Kiste verschwunden. Szenen wie bei einem Umzug.

 

Ich schicke Thomas noch mal los, den Rest unseres Hausstandes zu holen. Unser Schmucksortiment ist auch nicht angekommen. Hat auch keinen Platz mehr im Regal. Genauso wenig, wie die tolle Badeschokolade und die verführerischen Bade-Pralinen. Schade. Wir haben noch soviel mehr zu bieten.

 

Ich wirbel weiter, das Verpackungs-Stroh fusselt, ich biete Pralinen an – da zupft mich ein kleines Mädchen am Pullover. „Du..!?“ „Ja, Kleines?“ „Euer Stand ist schön!“ – Ich schmelze wie Butter in der Sonne. Ein Augenblick des Innehaltens. Ja, schön ist es geworden. Die Mühe hat sich gelohnt. Wir lächeln uns an. Ich liebe die Gewerbeschau!