Auch aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz machen sich am heutigen Donnerstagnachmittag Erzieherinnen und Erzieher, Eltern und ihre Kinder auf den Weg nach Wiesbaden, um sich an einer Kundgebung gegen das umstrittene hessische „Kinderförderungsgesetz“ (KiföG) zu beteiligen.
Vor dem hessischen Landtag, der am Donnerstag über den Gesetzentwurf berät, werden um 15 Uhr erneut viele Hundert Bürgerinnen und Bürger erwartet, die einem Aufruf der Liga der freien Wohlfahrtspflege (darunter Caritas, Diakonie und der Paritätische in Hessen) folgen.

Sternmarsch gegen das Kinderförderungsgesetz am 5. März in Frankfurt

„Bildung statt Aufbewahrung“
Sternmarsch gegen das Kinderförderungsgesetz am 5. März in Frankfurt

„Auch uns hier in Mainz kann das nicht egal sein, wenn in unserer Nachbarschaft die Qualität unter die Räder kommt und Kitas zu Aufbewahranstalten degradiert werden,“ so Bernd Oliver Sünderhauf, Vorsitzender der Mainzer Elterninitiative Kinderstube Rappelkiste e.V., „da gehört es sich, dass wir unsere Solidarität deutlich machen.“

Qualitätsabbau auch in Rheinland-Pfalz?

„…und was heute in Hessen durchgeht,“ ergänzt eine Erzieherin der kleinen Elterninitiative in der Mainzer Altstadt, „das kann uns schon morgen auch hier in Rheinland-Pfalz blühen!“ Schließlich wird auch links des Rheins der Ausbau der Plätze massiv vorangetrieben, was schon heute teilweise spürbar auf Kosten der pädagogischen Qualität geht.

„Natürlich kommt es nicht allein auf Zahlen an. Ganz entscheidend ist die Philosophie der Einrichtungen, und zwar nicht wie sie auf dem Papier steht, sondern wie es in der Realität aussieht,“ so Sünderhauf, der selbst Vater eines zweijährigen Sohnes ist.
„Motivation, Fortbildung, Gemeinschaft – auch das sind entscheidende Voraussetzungen einer guten Kita. Und wenn ein Problem auftaucht, brauchen die Erzieherinnen und Erzieher die absolute Gewissheit, dass sie damit nicht allein gelassen werden.“

KiföG erzwingt Maximalgröße

Die von der schwarz-gelben Landesregierung eingebrachte Gesetzesnovelle soll die Finanzierung hessischer Kindertagesstätten neu regeln. Während die Träger der Einrichtungen bisher feste Zuschüsse pro Gruppe erhalten, wird die Förderung nun anhand der einzelnen belegten Plätze berechnet. Hinzu kommt das so genannte Platz-Sharing, wobei zwei Kinder zeitlich versetzt einen Platz belegen.

Zwar versichert die hessische Landesregierung zutreffend, dass die maximale Gruppengröße beim Alten bleibt, also beispielsweise bei 25 Kindern im Kindergartenalter. Wo bislang jedoch ein Korridor von 15 bis 25 Kindern galt, zwingt die geplante Novelle nun aber faktisch dazu, die Maximalgröße auch voll auszuschöpfen. Jeder unbelegte Platz reißt ansonsten Löcher in die Finanzierung der Einrichtung.

5.000 auf Sternmarsch in Frankfurt

Dagegen laufen Eltern, Erzieherinnen und Erzieher ebenso Sturm wie die Verbände. Sie befürchten eine zunehmende Überforderung des pädagogischen Personals.
Wenn gerade bei Krankheit, Urlaub oder Fortbildungen eine einzige Erziehungskraft gleich 25 Kinder anleiten soll, dann ist an besondere Angebote, gar eine individuelle Förderung kaum mehr zu denken.

Vor allem Kinder mit besonderem Förderungsbedarf werden unter einer sinkenden Qualität der Regeleinrichtungen leiden – ihre Chancen auf eine erfolgreiche Bildungskarriere und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft sinken.
„Das können wir nicht hinnehmen, gerade in Zeiten einer zunehmenden sozialen Spaltung der Gesellschaft,“ betont Sünderhauf.

Bereits am Dienstag hatten 5.000 Teilnehmern einen Sternmarsch zum Frankfurter Römer in ein buntes Familienfest gegen Qualitätsabbau verwandelt.
Die hessische Landesregierung reagierte erstaunt über den deutlichen Widerstand aus der Bevölkerung quer über alle politischen Lager. Zwar redet niemand von Einsparungen gegenüber dem aktuellen Haushalt – in Anbetracht des massiven Platzausbaus wird aus Kritikersicht dennoch an der Qualität der einzelnen Plätze gespart.