Die Nähe zur Bühne schafft eine intime Atmosphäre.

Die Nähe zur Bühne schafft eine intime Atmosphäre.

KADH ließe sich dieses Mal durchaus mit „Klassik auf dem Hof“ übersetzen, denn Wolfgang Weyel konnte seinen Gästen im urigen Gewölbekeller einen Genuss in Sachen klassischer Musik bieten . Das Trio „Café Bach“ bot Kaffeehausmusik dar, die von Johann Sebastian Bach komponiert wurde und zu dessen Lebzeiten in Kaffehäusern aufgeführt wurde. Das Ensemble besteht aus der argentinischen Sopranistin Corinna Feld Kamp, dem argentinisch-ungarischen Pianisten Guillermo Corvalán Bacsáy und dem Deutschen Bariton Jens Pokora, der derzeit im spanischen Nationalchor in Madrid arbeitet. Wolfgang Weyel erklärte in seinen Grußworten, dass alle drei Künstler aus verschiedenen Ecken Europas eingeflogen wurden. Poroka landete kaum eine Stunde vor Konzertbeginn in Frankfurt.

Kaffee-Kantate von Johann Sebastian Bach

Das Trio stimmte mit fast schauspielerischem Vorspiel zunächst die 1734/35 entstandene „Kaffee-Kantate“ von Bach an, der eine Dichtung von Christian Friedrich Henrici, bekannt unter dem Namen Picander, zu Grunde liegt. Damals war der Kaffee noch recht neu in Europa und für viele gut Betuchte quasi die Modedroge, wie Poroka zuvor erläuterte.

Sucht nach „Cofee“ von Café Bach besungen

Die Kantate beschreibt sehr humorvoll und ironisch das bürgerliche Leben im damaligen Leipzig. Liesgen, die Tochter des Herr Schlendrian frönt täglich mit Leidenschaft dem Genuss des „Cofees“ und will davon trotz väterlichem Zorn nicht lassen. Als der Vater ihr schließlich droht, dass sie nicht heiraten dürfe, wenn sie dem Koffein-haltigen Heißgetränkt nicht abschwört, gibt Liesgen klein bei. Doch listig verbreitet sie still und heimlich, dass nur der Mann eine Chance hat, sie zur Frau zu bekommen, der ihr auch in der Ehe das Kaffeetrinken erlaubt.

Intimität und Nähe im Weyel’schen Keller

Das Trio Café Bach besteht aus Pianisten, Sopran und Bariton.

Das Trio Café Bach besteht aus Pianisten, Sopran und Bariton.

Das von Corinna Feld Kamp und Jens Pokora nicht nur gesungene sondern auch spielerisch inszenierte Vater-Tochter-Duell begeisterte das Publikum im restlos ausverkauften Gewölbekeller. Die kompakte Bühne schuf dabei eine Nähe zwischen Künstlern und Publikum, die in einem großen Konzertsaal nie entstünde.

Café Bach singt „Mer hahn en neue Oberkeet“

Nach der Pause folgte dann mit „Mer hahn en neue Oberkeet“ (Wir haben eine neue Obrigkeit) Bachs Bauernkantate. Auch diese baut auf einem Picander’schen Text auf, denn dieser zur Huldigung des Erb-, Lehn- und Gerichtsherr Carl Heinrich von Dieskau, dem kurfürstlich-sächsischer Kammerherr auf dem Rittergut Kleinzschocher bei Leipzig verfasst hatte. Picander war im Hauptberuf Steuerbeamter und hatte von Dieskau zum Vorgesetzen. Mit dem weitgehend volkstümlichen ja fast derben und mitunter ironischem Text spielt Picander auf eine Reihe lokaler Personen und Ereignisse der damaligen Zeit an. Beispielsweise auf die hohen Strafen, wenn einer „den Finger ins kalte Wasser hält“, also das Fischereirecht verletzt.

Bach hat diesen Text zu seiner Bauern-Kantate verarbeitet, den das Trio Café Bach abermals meisterlich vortrug. Die handelnden Personen sind die Bäuerin Mieke und ihr Liebster, die bei Feierlichkeiten, die die neue Obrigkeit ausrichten lässt, mit einander flirten aber auch über den „Schösser“, also den Steuereintreiber lästern.

Klassik ist im Kommen

Wolfgang Weyel war über den regen Zuspruch des Publikums sichtlich erfreut. Im Gespräch mit der AZ erläuterte er: „Wir tun uns ja mit klassischen Angeboten bisher eher etwas schwer, deshalb ist es schön, dass heute der Keller richtig voll ist. Auch für die Künstler, die in dieser Konstellation hier zum erstem mal zusammen als Café Bach auftreten.“

Als Zugabe präsentierten die drei Musiker nicht nur das Weihnachtslied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ auf Spanisch und Deutsch, dass gemeinsam mit dem Publikum angestimmt wurde. Zusammen mit dem Publikum wurde auch noch einmal eine besonders amüsante Passage aus der Bauern-Kantate angestimmt und das Publikum sang zum Schluss sogar solo und verabschiedete die drei Musiker mit einem lange anhaltenden und herzlichen Applaus.

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