Von Sonnenaufgang bis zur Abenddämmerung

Die aufgehende Sonne, noch tief über dem Rheinauwald begrüßt den Weinbergsschützen, besser Wingertschütz, wie man in Rheinhessen sagt. Vom 28. August bis zum 18. Oktober habe ich mir diese Aufgabe mit Horst aus Guntersblum in der Ludwigshöher Gemarkung geteilt. Wir haben uns dafür entschieden, den Job auf dem Fahrrad zu erledigen. Rund 3000 Kilometer sind wir an 53 Tagen über die Wirtschaftswege der Weinbaugemeinde Ludwigshöhe geradelt. Das war nicht immer das reine Vergnügen. Die Wege wurden mit der Dauer der Lese immer kotiger und der Wasserschlauch musste an den Regentagen die Fahrtüchtigkeit der Räder öfter mal wieder herstellen.

 

Der Star ist der Star

In Wikipedia lernen wir, das der Star (Sturnidas) eine artenreichen Vogelfamilie bildet, die zu den Sperlingsvögeln gehört.   In Ludwigshöhe  – und allen anderen Weinanbaugebieten – kein gern gesehener Gast. Ich habe lange gebraucht, bis ich erkannt habe, dass dieses Federvieh in unglaublichen Größenordnungen auftreten kann und eine ernsthafte Gefahr für die Trauben bedeutet. Fallen tausende von diesen Exemplaren in den Wingert ein, können sie ihn in kürzester Zeit leer räumen.

 

Die Werkzeuge

Die Winzer lassen sich die Weinbergshut einiges kosten. 10 Stunden Hut am Tag über mehr als 50 Tage gibt es nicht zum Nulltarief. Auch die wichtigsten Helfer der Hüter schlagen zu Buche. In der Gemarkung Ludwigshöhe haben sie fünf Gaskanonen, vier sogenannte Schreier und sechs Vogeldrachen im Mindestabstend von 1000 Metern vom Ort aufgestellt. Über die Wirkung auf die Vögel gehen die Meinungen stark auseinander. Die Schreier und Kanonen haben weiträumig die Rheinflanke abgedeckt. Für mich war das schon ein beruhigendes Gefühl, wenn ich in der über 300 Hektar großen Gemarkung mal wieder am anderen Ende meinen Beobachtungsposten bezogen hatte. Mit Abstand die größte Wirkung haben wir aber mit den Heulern und Knallern erzielt, die wir per Schreckschusspistole eingesetzt haben.

Das Bild zeigt den Sonnenaufgang über dem Kühkopf und Ludwigshöhe am letzten Tag der Hut.