Bei mittlerweile zwei Projekten in Rheinhessen stellt sich die Struktur- und Genehmigungsbehörde (SGD)-Süd/Neustadt quer.

In der VG Bodenheim und in der VG Guntersblum werden Projekte zur Neuansiedlung von Einkaufszentren ausgebremst. Über 7000 Menschen sollen sich zur Sicherung Ihres täglichen Bedarfs ins Auto setzen und mehrere Kilometer fahren. Demographiewandel, eingeschränkte Mobilität, steigende Benzinkosten sind den Herrschaften der SGD scheinbar unbekannt.

Ganz zu schweigen davon, dass sie sich mit der Infrastruktur vor Ort scheinbar nicht beschäftigen. Täglich ist vom Bäckersterben zu lesen. Bei den Metzgern scheint das noch nicht aufgefallen zu sein, es ist aber das gleiche Problem. Viele Orte haben jetzt schon, oder in naher Zukunft keinen Laden mehr, den sie zu Fuß erreichen können. Also bleibt der Teller leer.

Frau von der Leyen spricht von Altersarmut, die in großem Maß auf uns zukommt. Das bedeutet aber auch, dass ältere Menschen ihr Geld neben der Miete nur noch für Nahrungsmittel ausgeben können. Interpretiert man die aktuellen Argumente der SGD, so verlangt sie vom Bürger, dass dieser sich um seine Mobilität kümmert, sprich ein Auto vor der Tür haben soll.

Der damalige Innenminister Karl Peter Bruch hat 2010 bei der Vorstellung der Fortschreibung des Landesentwicklungsplanes gesagt: „Das heutige Versorgungsniveau wird nur zu halten sein, wenn zukünftig alle Akteure über ihren Tellerrand schauen und bereit sind, zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger zusammenzuarbeiten.“

Wer schaut über den Tellerrand? Sicher die Landräte, Bürgermeister und Gemeinderäte der betroffenen Gemeinden. Sicher aber auch die Investoren, die an guten Standorten interessiert sind. Die SGD sicher nicht, sie befindet sich ja in einem Mittelzentrum mit ausreichender Versorgung in unmittelbarer Nähe.

In der gleichen o.g. Veranstaltung wurde von der Gleichheit der Versorgung in Städten und ländlichen Regionen als Ziel des Landesentwicklungsplanes gesprochen. Davon kann momentan keine Rede sein. Während ich in den Städten in kürzester Zeit meine täglichen Einkäufe machen kann, die Wege sind ja kurz, muss ich in ländlichen Regionen fahren. Bezogen auf die eingangs erwähnten 7000 Menschen bedeutet es sich auf einen Weg von mindestens 12 km zu machen. Nicht nur einmal, sondern beinahe täglich für viele kommende Jahre. Werden die beiden Projekte umgesetzt, wäre noch ein Sechstel des Wegeaufwandes nötig. Das wäre dann neben Umweltschutz auch einmal über den Tellerrand hinausgeschaut.

Es geht hier nicht um Zersiedlung oder ähnliches. Bebauung gibt es bei den Projekten schon in unmittelbarer Nachbarschaft. Es geht um akzeptable Infrastruktur, es geht um Chancen für bezahlbaren Wohnraum, den es für viele in den Städten schon heute nicht mehr gibt. Es geht um Lebensqualität und es geht darum ein Aussterben der ländlichen Region zu verhindern. Es geht, wie Herr Bruch damals sagte, um Zusammenarbeit und den Blick über den Tellerrand.

Spannend wäre die Frage, ob sich die SGD einer Diskussion mit den Bürgern der betroffenen Gemeinden stellt.