Das Live-Flugradar zeigt aktuelle Flugbewegungen und den Lärmpegel.

Das Live-Flugradar zeigt aktuelle Flugbewegungen und den Lärmpegel.

Am 4. April erließ das Bundesverwaltungsgericht per Urteil ein Nachtflugverbot für den Frankfurter Flughafen. Zwischen 23 und 5 Uhr sollen keine Starts- und Landungen stattfinden. Seit dieser Zeit sind in diesem Verbotszeitraum 822 Flugzeuge gestartet oder gelandet, wie die Allgemeine Zeitung Mainz berichtet. Diese Zahlen entstammen der Antwort einer Anfrage, die die rheinland-pfälzischen Grünen an Innenminister Roger Lewentz (SPD) stellten.

Rekord im Mai

Die mit deutlichem Abstand meisten nächtlichen Flugbewegungen – 227 an der Zahl – fanden im Mai statt. Im Juli lärmten 190 Maschinen zu nächtlicher Stunde über Rheinhessen, während der August mit nur 67 Flugbewegungen die ruhigsten Nächte bot. Der Flughafen verstößt dabei nicht wirklich gegen das Nachtflugverbot, da hier Regelungen für die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen angewendet oder vielleicht auch ausgenutzt und ausgereizt werden.

Nachtflugverbot ausgehebelt

Dennoch zitiert die Allgemeine Zeitung den Mainzer Landtagsabgeordnete Ulrich Steinbach von den Grünen: „Hier wird das Urteil der Leipziger Richter zum Nachtflugverbot ausgehebelt.“ In der Tat könnte man argwöhnen, dass hier mit regelmäßigen Ausnahmegenehmigungen angestrebt wird, eine Art Gewohnheitsrecht zu schaffen.

Fraport hat Interesse am Ende des Nachtflugverbotes

Fraport muss ein sehr intensives Interesse daran haben, dass 24 Stunden am Tag durchgeflogen werden kann, denn spätestens der Bau des Terminal 3 soll die Passagierkapazität des Flughafens um weitere 25 Millionen pro Jahr steigern. Da man nur eine maximale Anzahl von Flugbewegungen pro Stunde abwickeln kann, muss die Anzahl der „fliegbaren“ Stunden erweitert werden, um diese Steigerung leisten zu können. Die Lufthansa hat am Fraport, ihrem Hauptflughafen, mit dem Ausbau des Flugsteigs A-Plus, der immerhin 700 Millionen Euro kostete, die eigene Passagierkapazität an diesem Terminal um sechs Millionen zusätzliche Passagiere pro Jahr gesteigert. Daher wird auch die Lufthansa ein Ende des Nachtflugverbotes begrüßen.

Lärmschutzzonen prüfen

Das Land will laut dem Zeitungsbericht nicht untätig bleiben und arbeitet an einer Rechtsverordnung, die Lärmschutzzonen ausweisen soll. Damit soll eine Grundlage für Klagen geschaffen werden, die Bürger dann gegen Fraport als Flughafenbetreiber vorbringen können. Dazu führt Roger Lewentz in seiner Antwort auf die Anfrage aus, dass die Landesregierung prüft, ob bestehende Lärmschutzzonen des Frankfurter Flughafens auch rheinland-pfälzisches Gebiet in ausreichendem Umfang einschließen.

Das Land Hessen ignoriert grenzüberschreitenden Lärm

Der Entwurf des Lärmaktionsplans des Landes Hessen klammert Rheinland-Pfalz einfach aus. Nach diesem Papier endet das Thema Fluglärm und damit auch die Maßnahmen dagegen einfach an der Landesgrenze. Die Belastung des Nachbarlandes Rheinland-Pfalz – vor allem Rheinhessen wird durch die Südumfliegung und die neue Nord-West-Startbahn immer mehr und mehr belastet – kommt in dem Papier gar nicht vor.