In Guntersblum stinkt es derzeit mächtig. (Symbolbild: stock:xchng)

In Guntersblum stinkt es derzeit mächtig. (Symbolbild: stock:xchng)

Buchstäblich zum Himmel stinkt es seit gestern in Guntersblum. Den Guntersblumern und je nach Windrichtung auch den Gimbsheimer, Alsheimer und Ludwigshöher Bürgern bleibt seit gestern vormittag kaum Luft zum Atmen, wobei keine explodierte Toilette und auch keine Gülle oder Hühnerkot dafür verantwortlich waren. Nach Recherchen bei der Verbandsgemeinde Guntersblum und dem ZAR, dem Zweckverband Abwasserentsorgung Rheinhessen stellte sich der geruchsverursachende Übeltäter als Klärschlamm heraus, der gestern von einer Bodenheimer Firma innerhalb der VG Guntersblum auf Ackerflächen aufgebracht wurde. So blieben viele Fenster trotz des schönen Wetters geschlossen, da beim vorherrschenden Westwind der Gestank sonst nicht auszuhalten war.

Klärschlamm als Verursacher

Normalerweise wird der getrocknete Klärschlamm der in der Guntersblumer Kläranlage anfällt, mehrmals pro Jahr abgefahren, das heißt auf landwirtschaftliche Flächen zur Düngung aufgebracht. Um die Geruchsbelästigung zu reduzieren hatte man sich entschieden, dies nur noch einmal jährlich zu tun, was gestern passiert. Dadurch ist der Klärschlamm erstens älter und zweitens auch im Geruch intensiver.

„Unverzüglich einarbeiten“

Gemäß der Düngeverordnung (DüV) von 2006, zuletzt geändert am 24.02.2012 ist dieser Klärschlamm „unverzüglich“, also ohne schuldhaftes Zögern einzuarbeiten. In der Regel bedeutet dies noch am gleichen Tag, bzw. wenn er abends aufgebracht wurde, dann am nächsten Morgen.

Vermutlich war die Menge an Klärschlamm so groß, dass die Landwirte gar nicht so schnell mit dem einarbeiten nachkamen. Man will deshalb die vielen Beschwerden die gestern und heute eingegangen sind, zum Anlass nehmen diese Praxis zu überdenken.

Luft ist bald wieder rein

Fakt ist, dass der Klärschlamm mittlerweile komplett aufgebracht ist und bis heute abend sollte er dann auch „unter der Erde“ sein, so dass Guntersblum wieder aufatmen kann.

[contentbox headline=“Auszug aus der Düngeverordnung:“ type=“info“]§ 4 Abs. 2 DÜV:“ Wer Gülle, Jauche, sonstige flüssige organische oder organisch-mineralische Düngemittel mit wesentlichen Gehalten an verfügbarem Stickstoff oder Geflügelkot auf unbestelltes Ackerland aufbringt, hat diese unverzüglich einzuarbeiten.“[/contentbox]

[contentbox headline=““ type=“normal“]Das Bundeslandwirtschaftsministerium drängt mittlerweile auf eine Verpflichtung zur Einarbeitung von organischen Düngern innerhalb von deutlich weniger als vier Stunden. Hintergrund ist ein drohendes Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen Überschreitung der nationalen Emissionshöchstwerte für Ammoniak.[/contentbox]