41 Teams gingen beim Red Bull Flugtag in Mainz an den Start.

41 Teams gingen beim Red Bull Flugtag in Mainz an den Start.

Red Bull Flugtag 2012 in Mainz: Das obskure Gebilde kracht nach einem kurzen Sturzflug ins Wasser. Holz splittert, Folie reißt und Styroporbrocken fliegen durch die Gegend. „Pilot ist raus“, ruft Alexandra Gieb, während in den Trümmern ein Red-Bull-Helm auftaucht und dessen Träger Jubelschreie von sich gibt. Von der sechs Meter hohen Startrampe springen in diesem Moment vier weitere Männer in die Tiefe, ebenfalls mit Helmen und Schwimmwesten ausgestattet. Adler Merian, das Katastrophenschutzboot der DLRG Oppenheim fährt langsam auf die Gruppe zu und sammelt die fünf bestens gelaunten Männer ein, während sich weitere DLRG-Boote daran manchen, das selbst gebaute Fluggerät zu bergen, damit die Landezone für die nächste Startnummer des Red Bull Flugtages 2012 in Mainz frei wird.

41 Mal Piloten sicher und schnell aus dem Wasser geborgen

Die DLRG holte die "Piloten" aus dem Wasser und brachte sie ans Ufer.

Die DLRG holte die "Piloten" aus dem Wasser und brachte sie ans Ufer.

Insgesamt 41 Mal wiederholte sich diese Szene am Pfingstmontag. Währen die tollkühnen Männer und auch einige Frauen sich in ihren fliegenden Kisten von der Rampe in die Tiefe stürzten und insgesamt 150.000 Zuschauer dabei einen riesen Spaß hatten, war dieses Großereignis für die 30 eingesetzten DLRG-Frauen und – Männer richtig viel Arbeit. Zum einen hatten die Wasserretter die Aufgabe, die „Piloten“ schnell aus dem Wasser zu holen und im Falle von Verletzungen die Erstversorgung sicher zu stellen. Robert Kemmeter von der DLRG Mainz und Stefan Seeber von der DLRG Oppenheim, die sich die Einsatzleitung teilten, waren erleichtert, dass es zu keinen schwereren Verletzungen kam.

„Drei Nasenbeinbrüche und ein Verdacht auf Rückenprellung, das war es zum Glück schon. Wir sind froh, dass keiner der Teilnehmer schwer verletzt wurde“ kommentierte Robert Kemmeter, während Stefan Seeber ergänzt: „Die Videos, die wir zur Vorbereitung von anderen Red Bull Flugtagen angesehen haben, ließen deutlich schwerere Verletzungen erwarten, sodass wir mit qualifiziertem Personal und Material bestens vorbereitet waren.“ Mit der hydraulischen Bugklappe des modernen Rettungsbootes konnten die Teilnehmer schnell und bequem aus dem Wasser geholt werden. Da bei fast allen Flugteams meist fünf oder mehr Personen im Wasser waren, hat die DLRG an diesem Tag weit über 200 Personen aus dem Wasser geholt und sicher an Land gebracht. Darunter auch fünf junge Männer, die nichts mit der Flugshow zu tun hatten und Absperrungen überkletterten, um einfach mal so ins Wasser zu springen. Auch die Sanitäter der Johanniter Unfallhilfe hatten alle Hände voll zu tun und mussten 91 mal Menschen zur Hilfe eilen. Meist handelte es sich um Hitze-bedingen Kreislaufkollaps. Bei manchen sorgte auch der Alkohol für Unvernunft mit schlimmen Folgen.

Bergung der Fluggeräte nach der Bruchlandung

Außerdem musste die DLRG die teilweise sehr ungewöhnlichen Fluggeräte bergen.

Außerdem musste die DLRG die teilweise sehr ungewöhnlichen Fluggeräte bergen.

Die zweite Aufgabe, die die DLRG ebenfalls meisterte, war die Bergung der Fluggeräte, die nach der Landung – in der Regel Bruchlandung – an die große Treppe zum Zollhafen geschleppt wurden, wo sie direkt in einer Müllpresse ein unrühmliches Ende fanden. Manche von diesen Konstruktionen, die nicht in Kleinteile brachen, mussten mit Leinen geschleppt werden, was sich durch die sperrigen Formen mitunter als Schwierig erwies, aber dennoch gelang. Kleinteile wurden mit Bootshaken und Keschern von der Wasseroberfläche gefischt, damit „Pilotensammler“ Moritz Reischel vom Red Bull-Team die Flugstrecke wieder freigeben konnte. Die beiden Moderatoren Comedian Tobias Mann und Klaus Hafner, Stadionsprecher von Mainz 05, überbrückten die Zeit, wenn die Räumarbeiten etwas länger dauerten. Einmal versank ein größeres Trümmerstück, das zuerst von Tauchern der Johanniter Unfallhilfe geborgen werden musste, damit kein Teilnehmer sich beim Eintauchen daran verletzt. Diese Aufgabe teilten sich die Boote „Mayence“ – von der Ortsgruppe Mainz extra für den Flugtag mit neuer Beschriftung ausgestattet – „Adler Karl“ aus Ingelheim, „Sändchen“ und „Kisselwörth“ aus Nackenheim und „Adler“ aus Wiesbaden Biebrich.

Großes Lob für die DLRG

Manche der Fluggeräte erwiesen sich als sehr stabil und sperrig, stellten für die DLRG aber kein Problem dar.

Manche der Fluggeräte erwiesen sich als sehr stabil und sperrig, stellten für die DLRG aber kein Problem dar.

Auch wegen dem sommerlichen Wetter mit 30 Grad war der Einsatz für die DLRG in jeder Hinsicht schweißtreibende Arbeit. Umso mehr freuten sich die Wasserretter über das dicke Lob von Einsatzleiter Daniel Weinen von der Johanniter Unfallhilfe und auch von Moritz Reischel vom Red Bull Team, der sichtlich begeistert war: „Leute, das war echt der Wahnsinn, das ist super gelaufen und es hat echt Spaß gemacht, mit Euch zu arbeiten. Ihr seid echte Profis. Vielen vielen Dank!“

Der Red Bull Flugtag in Mainz aus Sicht der DLRG in Zahlen & Fakten

• Eingesetzte DLRG Ortsgruppen: Ingelheim, Mainz, Nackenheim, Oppenheim und Wiesbaden Biebrich
• Eingesetzte Helfer: 32
• Eingesetzte Rettungsboote: Zwei Boote mit Jet-Antrieb und vier mit Außenbordmotoren
• Geborgene Flugteams: 41 mit über 200 Personen im Wasser und mehreren „Kubikmetern Fluggeräten“
• Hilfeleistungen: Acht Hilfeleistungen bei hitzeerschöpften Zuschauern
• Sanitätseinsätze: Zwei Sanitätseinsätze im Fahrerlager
• Vorbereitung und Planung: Begann Mitte März, die heiße Phase startete vier Wochen vor dem Event. In den Ortsgruppen wurde die Einsatzsituation zuvor in Ausbildungsübungen geübt.