Treffer! Klara Fall lässt ihren Noch-Verlobten deutlich spüren, wie sie aktuell auf ihn zu sprechen ist.

Treffer! Klara Fall lässt ihren Noch-Verlobten deutlich spüren, wie sie aktuell auf ihn zu sprechen ist.

An Reiner Unfug fällt vor allem eines auf: Er fällt häufig hin, um oder auch gerne mal irgendwo runter. Und wenn er nicht stürzt, haut dem bemitleidenswerten Schulhausmeister und Küster jemand eine Tür vor den Kopf, wenn er nicht gerade eine Ladung Asche ins Gesicht gekippt bekommt und dann auch noch kalt duschen muss. Ja der arme Kerl ist ein echter Unglücksrabe, denn das Pech klebt ihm förmlich an den Schuhen und folgt ihm daher Schritt auf Schritt. Doch sein größtes Pech ist – klarer Fall – eine Frau namens Klara Fall. Diese seine Verlobte ist wegen einer Lappalie alles andere als gut auf ihn zu sprechen. Und das kündigt sich auch meist in einem infernalischen „Reeeiiiiniiiiiieeeeeee!!!“ an und endet in Schimpfkanonaden. Dabei hat die gute Klara weit mehr als nur verbale Argumente auf Lager, verpasst sie ihrem Reini doch auch eine Backpfeife und haut ihm mehrfach die Handtasche auf dem Kopf. Beides tut sie zu seinem Leidwesen ausgesprochen schwungvoll und kündigt ihm die Verlobung ebenso wie die Freundschaft.

Reini ist nicht der einzige Pechvogel

Doch der leidgeprüfte Reiner ist nicht der einzige Pechvogel in Mommenheim. Winnie Schenk, dem Wirt der Dorfkneipe „Zum Heiligen Baum“, ist die Kündigung ins Haus geflattert, zugestellt von seinem sehr windigen Vermieter namens Dario Teuschkel. Der zwielichtige Kerl führt etwas im Schilde, den er taucht immer zu den unpassendsten Gelegenheiten auf. Wenn es sein muss auch vermummt durchs Fenster. Immer wieder klopft er suchend die Wände ab. Der russischstämmige Gemeindearbeiter Wladimir versteht unter dessen im Wesentlichen nichts und tappt von einem Fettnäpfchen ins nächste. Er möchte gerne das Herz der Bürgermeistertochter Evi Bingo gewinnen, denn die ist für ihn eine „echt krasse Mamutschka“. Doch ob der enge Konfirmandenanzug oder die Nachhilfe in Sachen Gentleman-Benehmen von Winnie dabei helfen?

Dario Teuschkel läßt keinen Zweifel daran, was passiert, wenn etwas nicht nach seinem Willen läuft.

Dario Teuschkel läßt keinen Zweifel daran, was passiert, wenn etwas nicht nach seinem Willen läuft.

Wladimirs knabberwütige Schwester Nadja hat von Männern, die sie bereits in großer Zahl durchprobierte, im Wesentlichen genug. Evi Bingo ist unterdessen fest entschlossen, aus dem Schatten des Daseins als Bürgermeistertochter heraus zu treten und mit Evi-Entertainment berühmt zu werden. Prophylaktisch gründet sie deshalb auch gleich die Anti Männer Partei AMP, denn auch sie will von Männern nichts mehr wissen. Dennoch kann sie doch die Augen nicht vom Ganoven Dario Teuschkel lassen, dessen maskuline Art sie fasziniert. Und was die Frauen können, das können die Männer natürlich schon lange, denn Winnie, Wladimir und Reiner gründen eine „Zielegruppe“, ein Triumvirat, um sich gegenseitig aus ihrer jeweiligen Patsche zu helfen. Und so tobt in der Dorfkneipe immer wieder das Chaos der Gefühle und Verwirrungen.

Aber wer ist Ola Ray

Dann taucht die ominöse Ola Ray auf und will als rettender Engel die Probleme aller Beteiligten lösen. So gibt sie Wladimir Nachhilfe in Sachen Umgang mit Frauen und macht aus dem tumben Gemeindearbeiter einen echten Kavalier und Gentleman. Bei seiner Schwester versucht sie, die Männerphobie durch eine Hypnose zu heilen, mit ungeahnten Nebenwirkungen. Die so bitter nötige Kneipenrettung gerät in Gefahr, als ein geschickt missratenes Plakat statt zur geplanten Toga-Party zur Tanga-Party lädt. Zu spät kommt Olas Hilfe allerdings für Klara Fall, denn als die ihren „Reeeiiiiniiiiiieeeeeee!!!“ in eindeutig zweideutiger Pose mit Evi erwischt, wittert sie hinter allem und jedem nur noch Verrat und Betrug.

Ende gut alles gut

Im Theaterstück "Die unheimliche Pechsträhne" wurden auch eigens komponierte Lieder gesungen.

Im Theaterstück "Die unheimliche Pechsträhne" wurden auch eigens komponierte Lieder gesungen.

Doch am Schluss kommt es, wie es kommen muss: Alles wird gut. Nur das Pech hat Pech, denn Reiner Unfug schüttelt es ab. Er bringt seine tobsüchtige Klara mit einer gehörigen und wohl verdienten Standpauke zur Raison und macht ihr erfolgreich einen Heiratsantrag. Bösewicht Dario Teuschkel lernt auch auf harte Art und Weise, dass die Mommenheimer Dorfbevölkerung bei weitem nicht so dumm ist, wie er zunächst glaubt. Zwar fällt sein Ferrari einem fallenden Baum zum Opfer, dafür aber gewinnt er Nadjas Herz, kuriert sie damit von ihrem Männerhass und erklärt schließlich voller Inbrunst: „An diesem Ofen ist nicht nur der Gangster heiß.“ Winnie stellt fest, dass der raubeinige Geselle doch eigentlich „en guude Kerl“ ist, der ihm nicht mehr kündigen will. So darf er in seiner Kneipe weiter Bier ausschenken und auch alle anderen bekommen das, was sie verdienen und werden glücklich.

Was für ein tolles Theater in Mommenheim

Auch in diesem Jahr entfachte die Theatergruppe des GV Liederkranz Mommenheim sehr zum Vergnügen des Publikums in der zweimal voll besetzten Mommenheimer Gemeindehalle wieder ein herrliches Spektakel auf der Bühne. Mathias Gall hatte das Lustspiel „Die unheimliche Pechsträhne“ der Gruppe extra auf den Leib geschrieben und auch mehrere Lieder dafür komponiert, die den Lauf der Handlung wunderbar ergänzten. So mancher will wissen, dass Gall die eine oder andere Charaktereigenschaft der Laienschauspieler in deren Rolle hat einfließen lassen.

So manch einer der engagierten Truppe, der sich bei der Vorbesprechung im Spätsommer letzten Jahres „eher eine kleinere Rolle“ gewünscht hatte, fand sich dann in einer der Hauptrollen wieder. Beispielsweise Jens Eilart, der den schlagfertigen Wirt Winnie spielte und in dieser Rolle wirklich brillierte und das Publikum begeisterte. Im Gespräch mit Wir-in-Rheinhessen erklärte er: „Ohne meinen Sohn, der mir mit einer Engelsgeduld beim Lernen der Texte geholfen hat, hätte ich das nicht geschafft.“ Normalerweise helfen ja eher die Väter den Söhnen beim Pauken. Dass es auch umgekehrt sehr gut klappt, erlebten die Zuschauer als Ergebnis auf der Bühne.

Andreas Lingk, der Reiner Unfug spielte, mußte vieles einstecken.

Andreas Lingk, der Reiner Unfug spielte, mußte vieles einstecken.

Bereits im September begannen die ersten Text- und Leseproben. Auch die Lieder mussten geübt werden, damit sie live dann so gut klingen. Ab Januar stand dann intensive Probenarbeit auf dem Programm. Die ganze Gruppe investierte vor allem an den Wochenenden viele Stunden. „Bei den Proben haben sie mir immer gesagt ‚Du musst viel fester zuschlagen, damit es echt aussieht.‘“, erklärte Ulla Niemann. Als Klara Fall schlug sie dann auch unerbittlich mit der Handtasche auf den Kopf von Andreas Lingk ein, der den Pechvogel Reiner Unfug spielte. Holger Pietsch, der als Bösewicht Dario Teuschkel das Publikum begeisterte, hatte ebenfalls eine schwere Aufgabe. Er musste alle seine Texte lispeln, was seiner Rolle eine ureigene Komik verlieh.

Theater-Familie Herrgesell

Eine der wichtigsten Personen blieb während der drei Vorstellungen – eine wird Samstagmittags speziell für Kinder gegeben – vollkommen unsichtbar. Helga Herrgesell sitzt als Souffleuse gut verborgen in einem Kasten vor der Bühne und dient den Schauspielern als Gedächtnisstütze bei ihren Texten. Ihr Mann Siegfried Herrgesell, der zum Schluss des Stückes als Bürgermeister Bingo einen kurzen Auftritt hatte, kümmert sich vor allem um die Regie und die gesamte Leitung der Theatergruppe. Aber auch darum, das die Tapeten des Bühnenbildes korrekt geklebt werden, wie sich Mitglieder des Ensembles, die alles in Eigenregie machen, schmunzelnd erinnern. Sohn Alexander Herrgesell begleitet als musikalischer Leiter vor allem die Gesangstücke während der Aufführung am Keyboard. Betina Herrgesell sorgt in der Maske dafür, dass die Schauspieler passend geschminkt sind. So müssen beispielsweise die Lippen der Damen auf der Bühne wirklich knallrot sein, damit dass auch weit hinten im Saal noch zu sehen ist.

Eigenbau und Eigenleistung

Helga Herrgesell ist als Souflleuse die Gedächtnisstütze der Schauspieler.

Helga Herrgesell ist als Souflleuse die Gedächtnisstütze der Schauspieler.

Und nicht nur das Stück wollte gründlich geprobt sein. Kaum war der Aschermittwoch vorbei, da begann Thomas Schleicher, der mit genialem Minenspiel den Wladimir gab, mit dem Bau von Bühne und Großrequisiten. Als gelernter Tischler konstruiert er alles selbst. Sein Meisterwerk war in diesem Jahr der Kamin und eine täuschend echt wirkende Mauer. Wie viel Liebe die Theatergruppe in jedes Detail steckt konnte man unter anderem an Jens Eilarts Füßen im zweiten Akt sehen. Denn da trug er die wohl geilsten Strumpfhalter, wie man sie seit Jahren in Rheinhessen nicht mehr gesehen hat.

Text und Bilder: Andreas Lerg

Bildergallerie (Ladezeit dauert etwas)

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[contentbox headline=“Die Theatergruppe des GV Liederkranz“ type=“normal“]Die Schauspieler
Reiner Unfug – Andreas Lingk
Klara Fall – Ulla Niemann
Evi Bingo – Gundula Raab
Wladimier Vitali – Thomas Schleicher
Dario Teuschkel – Holger Pietsch
Nadja Vitali – Sabine Biermann
Ola Ray – Sabine Strohm
Winnie Schenk – Jens Eilart

Hinter den Kulissen aktiv
Siegfried Herrgesell – Regie und Leitung
Helga Herrgesell – Souffleuse
Alexander Herrgesell – Musikalische Arrangements und Begleitung
Mathias Gall – Autor des Stückes
Bettina Herrgesell – Maske
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Theatergruppe GV Liederkranz Mommenheim begeistert mit "Die unheimliche Pechsträhne" 1