Marié Niino

Marié Niino ist zierlich, klein und irgendwie nett. Und trotzdem hat die Trägerin des 4. Dan im Karate ordentlich Power. Zu erleben war das am Samstag in Stadecken-Elsheim in der Selztalhalle, wo sie als Gasttrainerin beim Bushido Selztal e.V. einen ihrer begehrten Lehrgänge gehalten hat. 

Der richtige Stand macht 90 Prozent von Karate aus“, erklärt sie und die Kämpfer in den weißen Anzügen mit den farbigen Gürteln lauschen fasziniert. Marié Niino macht Basisarbeit. Sie zeigt, wie wichtig Balance ist, die gerade Haltung und Stabilität. Wer splitternde Holzbretter oder harte Kämpfe erwartet hat, war hier falsch. „Sie legt mehr Wert auf Technik als auf Kraft“, sagt Lehrgangsteilnehmer Markus Grubert (49). Feinschliff nach japanischen Vorbild.

Wurzeln in Japan

Denn dort hat Karate seine Wurzeln – genauso übrigens wie Marié Niino. Ihre Eltern sind Japaner. Sie kamen nach Deutschland, um hier Karriere als Musiker zu machen. Marié Niino interessierte sich mehr für den Sport. Erst war es Judo, seit 1990 Karate. Sie trainierte eisern, wurde mehrmals Deutsche Meisterin, Europameisterin, World-Cup Siegerin und holte drei mal Bronze bei der EM. „Im Karate kann für wenig Geld mit den ganz Großen trainiert werden“, schwärmt Gerd Thielmann, Vorsitzender und Cheftrainer des Bushido Selztal. „Bei welchem Sport geht das schon?“

Die Halle jedenfalls ist voll. Viele Karatekas – Erwachsene und Kinder – kommen aus dem Mainzer Raum, manche sind aus Hessen oder von noch weiter her angereist. Meist auch deshalb, weil Marié Niinos Karate japanischer ist, als es viele aus den deutschen Dojos kennen. „Das ergänzt unser Training sehr gut“, sagt die 14-jährige  Aline. „In Japan stehen beim Karate Werte dahinter. Bei uns ist das oft nur Hobby.“ 

Training intensiver

Und tatsächlich hätten sich in Europa „große Verfremdungen“ eingeschlichen, klagt Marié Niino. Dem will sie wieder das „Idealbild“ der Karate-Techniken entgegenstellen, so wie es in Japan gelehrt werde. Dort sei das Training auch intensiver; Respekt und Disziplin spielten eine größere Rollen. „Japaner sind es gewohnt, mit vielen Wiederholungen zu üben, was in Deutschland eher abschreckend wirkt“, stellt sie fest. Und Marié Niino weiß, wovon sie spricht. Sie reist oft nach Japan, um von den Meistern der Kampfkunst zu lernen.

Trotzdem will sie die Lehrgangsteilnehmer nicht etwa schleifen. Marié Niino fordert von ihren Schülern zwar das „ständige Bemühen um Verbesserung“, zwischen die Kommandos und Kampfschreie in der Selztalhalle mischt sich aber immer wieder Gelächter.  „Wir alle gehören zu einer großen Karate-Familie“, sagt Marié Niino. „Davon will ich die Teilnehmer überzeugen.“ Und das geht eben nicht mit der Brechstange – ganz im Sinne ihrer Lieblingsweisheit: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“. Der Sinnspruch stammt übrigens aus Sambia und nicht aus Japan.

[contentbox headline=“Infos zu Karate im Selztal“ type=“info“]Mehr über traditionelles Shotokan-Karate und das Training beim Bushido Selztal e.V. in Stadecken-Elsheim finden Sie unter www.karate-selztal.de[/contentbox]