Filmemacher Benjamin Zwietasch.

Filmemacher Benjamin Zwietasch.

Sein Film „Wegsehen kann jeder, Weghören nicht“ auf YouTube ist eine sehr gelungene und anspruchsvoll umgesetzte Dokumentation zur aktuellen Fluglärm-Problematik in Rheinhessen und über die Region hinaus. Benjamin Zwietasch hat die Stimmungen und Meinungen der Bürger aber auch von Politikern und anderen Institutionen in seinem 30-minütigen Film in eindrucksvollen Bildern zusammen gefasst. Wir-in-Rheinhessen hat mit dem jungen Filmemacher gesprochen und darf heute wieder einen sehr interessanten Menschen aus Rheinhessen vorstellen.

Wir-in-Rheinhessen: Eine halbe Stunde dauert ihr Film „Wegsehen kann jeder, Weghören nicht“ zum Thema Fluglärm. Was hat Sie auf die Idee gebracht, den Film zu produzieren?

Benjamin Zwietasch: Auf die Idee bin ich gekommen, nachdem mir ein guter Freund im April Radiospots vorab präsentierte, die er für die „Initiative gegen Fluglärm in Rheinhessen e.V.“ produziert hat(diese sind übrigens weiterhin im Downloadbereich von www.fluglärm-rheinhessen.de integriert). Vom Fluglärm betroffen sind wir Beide. Am Anfang dachte ich an mehrere, kurze Film-Clips, mit verschiedenen Szenarien ähnlich der Radiospots. Dann kam die Sache ins Rollen und am Ende wurde daraus diese fast halbstündige Dokumentation.

httpv://youtu.be/DWB4s2sBa18

Wir-in-Rheinhessen: Was wollen Sie mit dem Film erreichen und ist es dafür nicht eigentlich längstzu spät? Denn die Startbahn ist gebaut und in Betrieb, die neuen Flugrouten sindgenehmigt.

Benjamin Zwietasch bei Dreharbeiten bei Lörzweiler.

Benjamin Zwietasch bei Dreharbeiten bei Lörzweiler.

Benjamin Zwietasch: Sinn des Filmes ist es, die Fluglärmdiskussion aufrecht zu erhalten und den ein-oder anderen mehr zum Nachdenken zu bringen. Außerdem wollte ich mit Hilfe der vielen bekannten Politiker den Menschen in Rheinhessen Mut machen. Keiner ist alleine und jeder muß wissen, das man das Recht hat, sich zu wehren. So konnte ich u.a. im Film Werbung für die „sehr erfolgreiche“ Demo in Mainz machen. Auch dieses Interview gerade zeigt, das dieses Thema die Region interessiert. Ich selbst muß mir eingestehen, mich mit der Fluglärm-Problematik erst sehr spät befasst zu haben. Heute, durch den hohen Informationsaustausch, ist die Situation ganz anders. Es kann nie zu spät sein, was zu machen. Die ersten Auskopplungen(FLUGLÄRM IN RHEINHESSEN – DIE FAKTEN) des Filmes hatte ich übrigens bereits Mitte Juli online gestellt: http://www.youtube.com/watch?v=ivFKgxgUpEc

Wir-in-Rheinhessen: Wie lange haben Sie an dem Film gearbeitet und gab es besondere Schwierigkeiten?

Benjamin Zwietasch: Seit Ende Juni bis Anfang Oktober war ich mit der Kamera unterwegs. Am Ende gab es in der Form Schwierigkeiten, das ich mich entscheiden musste, was herausgeschnitten wird. Bei 20 Stunden Rohmaterial bin ich am Ende ganz schön ins Schwitzen gekommen. Immerhin mußte dann auch noch die passende Musik produziert werden und meine „Deadline“ war eine Woche vor Eröffnung der neuen Landebahn. Einige Kompromisse mußte ich bei der Produktion sicherlich eingehen. Auf meinem Youtube-Kanal findet sich noch weiteres Material, was in der Dokumentation teilweise stark geschnitten ist.

Wir-in-Rheinhessen: War es schwer, Menschen zu finden, die bei dem Film mitwirken oder sind Sie aufoffene Ohren gestoßen?

Benjamin Zwietasch beim Interview im Umweltministerium.

Benjamin Zwietasch beim Interview im Umweltministerium.

Benjamin Zwietasch: Nach dem Aufruf in der Allgemeinen Zeitung Mainz (Anfang Juli) bekam ich einige Resonanzen aus ganz Rheinhessen. Bei einigen Geschichten hätte man ganze Filme drehen können. Auch muß ich hier nochmals betonen, das sich viele Politiker gerne zur Verfügung stellten und kurzfristig Termine möglich waren. Dieses Feedback gab mir die Kraft, noch mehr Gas zu geben.

Wir-in-Rheinhessen: Sind Sie Filmemacher oder haben Sie einen anderen Beruf?

Benjamin Zwietasch: Hauptberuflich bin ich technischer Angesteller bei einer Forschungsinstitution in Mainz und nebenberuflich betreibe ich ein kleines Tonstudio in Heidesheim.

Wir-in-Rheinhessen: Wie sind Sie zum Filmen und Filme machen gekommen?

Benjamin Zwietasch: Wie schon gesagt, komme ich aus der Musikproduktion: So bin ich für das Komponieren und Produzieren der passenden Musik zu bestehendem Filmmaterial zuständig. Die Steigerung ist dann natürlich, die bewegten Bilder mal selbst zu machen. Trotz bereits gedrehter Musikvideos und Imagefilme sehe ich das Filmen noch als Beiwerk. Es macht Spass, ist aber als „One-Men-Show“ schon sehr stressig.

Wir-in-Rheinhessen: Wie ist ihre persönliche Einschätzung zur Entwicklung der Fluglärm-Problematikin Rheinhessen?

Benjamin Zwietasch im Projekt-Studio.

Benjamin Zwietasch im Projekt-Studio.

Benjamin Zwietasch: Meiner Meinung nach sind wir auf einem guten Weg. Durch die Presse und Medien fließen die Informationen mehr denn je und die Menschen werden immer mehr sensibilisiert. Jetzt, wo die neuen Routen spürbar sind, werden auch diejenigen, die sagten „Stört mich doch nicht“ merken, was Fakt ist. Einer alleine wird gegen die momentane Situation nichts ausrichten können, aber in der Masse sollte doch was möglich sein.

Wir-in-Rheinhessen: Steht schon ein neues Filmprojekt an, oder bleibt die Kamera vorerst mal im Schrank?

Benjamin Zwietasch: Nach dem letzten Dreh kribbelte es mir bereits in den Fingern! 🙂 Sicherlich sind weitere Projekte am Start: Musikvideos und Live-Mitschnitte stehen an. Ein größeres Filmprojekt ist derzeit nicht geplant.

Das Gespräch führte Andreas Lerg.

httpv://www.youtube.com/watch?v=aCFR-pk2HXQ&