Svens neues Programm ab Oktober.

Svens neues Programm ab Oktober.

Er babbelt Rhoihessisch. Er ist laut. Er ist frech. Er hat einen anständigen Beruf gelernt, macht aber lieber was ihm Spaß macht. Und er ist gut damit!  Sven Hieronymus, Comedian und Musiker aus Rheinhessen. Nach seinem Debüt als Standup-Comedian mit dem Programm „Ich geh nimmer nuff“, begeistert er sein Publikum derzeit mit „Nicht gucken, nur anfassen“. Das nächste Programm ist schon in Arbeit und zwischendurch dreht er für die Allgemeine Zeitung einen Schnellschuss nach dem anderenund bespaßt die Hörer von RPR 1. Er würzt Dinner-Shows in den Kasematten mit eine gehörigen Priese Humor. Er findet zudem noch Zeit mit seiner Band Se Bummtschacks aufzutreten. Und als Fußball-Kolumnist der Allgemeine-Zeitung publiziert er auch Bücher im eigenen Verlag.

Ok, der Mann scheint nicht zu schlafen, also hat er bestimmt auch Zeit, sich von Wir-in-Rheinhessen noch mit ein paar Fragen nerven zu lassen. Er hatte, und dashalb dürfen wir wieder einen sehr interessanten Typen aus Rheinhessen vorstellen.

Wir-in-Rheinhessen: Du bist Musiker und heute vor allem Comedian. Aber deine Eltern haben bestimmt – wie so viele andere auch – gesagt: „Bub, lern was anständiges!“ Hast Du was anständiges gelernt und wie bist Du dann zu deinem Bühnenberuf gekommen?

Sven Hieronymus: Ich hab eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht und dann Sozialpädagogik studiert und 10 Jahre in diesem Beruf gearbeitet, bis ich dann 2005 Comedian wurde. Das alles hat angefangen mit der Kolumne in der AZ und endete im Unterhaus. Seit dem bin ich selbständig und konnte mein Hobby zum Beruf machen. Was will man mehr?

Wir-in-Rheinhessen: Du machst ja weniger politische Themen, sondern nimmst vor allem den Alltag normaler Menschen aufs Korn. Wie entstehen Deine Programme? Steckt da auch viel Selbsterlebtes drin?

Sven Hieronymus: Ja, fast nur. Alles was ich erlebe, erleben ja viele andere Menschen auch. Ich bin ja auch Ehemann, Vater, Freund, 05-Fan etc. Und das Leben ist lustig. Die meisten Menschen erkennen vielleicht den Witz gewisser Situationen nicht, aber das ist halt mein Beruf. Erkennen und umsetzen. Hol die Leute da ab wo sie sind und sie erkennen sich wieder und das ist dann lustig.

Wir-in-Rheinhessen: Wie sieht der Arbeitsalltag eines rheinhessischen Comedians aus Bodenheim aus?

Sven Hieronymus: Schreiben, schreiben, schreiben, spielen, schreiben… Mittlerweile bin ich ja täglich mit dem „Rocker vom Hocker“ in RPR1, habe meine Zeitungskolumne, den Schnellschuss, das „Stadiongebabbel“ und komme im Oktober mit meinem neuen Solo, das da – logischerweise – „Rocker vom Hocker“ heißt. Das unterschätzt man, aber das ist viel Arbeit, macht aber auch einen Haufen Spass.

Wir-in-Rheinhessen: Vor ein paar Jahren hat die Bürgermeisterin in Hahnheim von Dir bei Deinem Auftritt so richtig ihr Fett weg bekommen, weil die Halle und Deine Garderobe eiskalt war. Du nimmst Dir ja ab und an mal Leute in Deinem Publikum zur Brust. Schaust Du Dir die vorher an und überlegst, wer was vertragen und einen Spass mitmachen kann?

Sven Hieronymus: Nein, sowas entsteht spontan und es sind ja meistens die lustigsten Nummern im Programm. Nicht weil sie besser sind, als das „normale“ Programm, aber die Zuschauer merken: „Hey, der ist ja wirklich lustig! DAS kann er sich jetzt nicht ausgedacht haben“. Neulich hat sich zu Beginn der zweiten Hälfte mein Headset verabschiedet durch einen Kabelbruch. Da waren über vierhundert Leute in der Halle und ich habe mir mit meinem Techniker Bernd so schön die Bälle zugeworfen, dass der Saal getobt hat. Das sind schöne Momente. Und wenn du dir einen aus dem Publikum rausziehst, dann musst du immer aufpassen, dass er oder sie auch als Gewinner rausgeht und du jemanden nicht bloßstellst. Das wäre dann nicht mehr lustig. Es muss also immer im Rahmen sein, aber ich denke, das bekomme ich ganz gut hin

Wir-in-Rheinhessen: Viele kennen und lieben ja auch Deinen „Schnellschuss“ zum Thema Mainz 05 bei der Allgemeinen Zeitung. Wie entstehen diese Schnellschüsse? Im wahrsten Sinne des Wortes schnell, also spontan und improvisiert? Oder wird da vorher geplant und überlegt?

Sven Hieronymus: Nein, da lege ich Wert drauf. Das Ding heißt ja nicht umsonst Schnellschuss. Kamera an und raus. Irgendetwas lustiges passiert immer. Irgendjemand sagt immer einen doofen Satz oder so. Ich liebe diese Art der Produktion, da ich eher vom spontanen Humor komme und da voll in meinem Element bin. Und es ist ja nicht umsonst eines der erfolgreichsten Videos der AZ.

Wir-in-Rheinhessen: Bei welchem Deiner Berufskollegen lachst Du als Zuschauer am meisten?

Sven Hieronymus: Oh, bei Vielen. Da kann ich gar keinen rausheben. Aber das sind alles Kollegen, die die meisten Menschen gar nicht kennen. Ich mag die angeboten Comedysendungen im Fernsehen meistens nicht, sondern schaue mir Kollegen im Unterhaus an und da kann ich herzhaft lachen. Und das kann ich auch allen anderen nur empfehlen. Geht in die Kleinkunstläden, schaut Euch die Leute an, auch und gerade die, die ihr nicht kennt, denn das sind meistens die lustigsten….

Wir-in-Rheinhessen: Noch mal zum Thema „Bub, lern was anständiges“. Macht Dir Dein Beruf immer Spaß, oder ist es auch sehr anstrengend? Gibt es manchmal Momente, wo Du Dir denkst: „Ich geh nimmer nuff! (uff die Bühn‘)“?

Sven Hieronymus: Klar. Im Moment geht es mir so. Zum Teil zumindest. Es ist wie oben bereits geschrieben verdammt viel Arbeit zwischen der „normalen“ Arbeit noch ein neues Soloprogramm zu schreiben und vor allen dies dann auswendig zu lernen. Aber trotz dem Druck und dem Stress liebe ich meine Arbeit. Und wenn ich mal kurz vorm Burn-Out stehe und auf nichts mehr Lust habe, frage ich mich, ob ich zurück in meinen Beruf wollte und dann bin ich wieder glücklich und schreibe einfach weiter.. haha.. ich muss dazu sagen, ich war mit Leib und Seele Sozialpädagoge und ich will diese Zeit auch nicht missen, aber das was ich jetzt mache… dafür bin ich auf die Welt gekommen!

Wir-in-Rheinhessen: Dein Markenzeichen sind ja die langen blonden Haare und oft genug singen Deine Fans „Du hast die Haare schön“. Damit bist Du ja auch von weitem gut zu erkennen. Kannst Du abends noch in Ruhe ein Bier trinken oder mit deiner Familie aus gehen, ohne dass Fans dich wegen einem Autogramm ansprechen?

Sven Hieronymus: Schwierig. Das ist wirklich schwierig geworden, bringt aber der Beruf mit sich, also ist es O.K. Bist du erfolgreich kennen dich viele, kennt dich keiner hast du auch keinen Erfolg. So ist es nun mal und damit muss man Leben. Es ist manchmal wirklich anstrengend, aber ich versuche mich soweit wie möglich davon zu lösen und versuche immer Sven zu bleiben. Und laut Aussage meiner Freunde gelingt mir das auch bisher sehr gut. Arroganz ist mir fremd, ich wüsste auch nicht, warum mich Erfolg verändern oder zu einem „besseren Menschen“ machen sollte. Du musst verstehen, dass das Publikum dein Arbeitgeber ist, also behandele die Menschen auch so. Behandele sie so, wie du gerne behandelt werden würdest, wenn du an ihrer Stelle wärst. Vor allem sollte man sich nie wichtiger nehmen als man ist und sich immer klar darüber sein, dass wenn man Morgen die Augen zumacht, diese Welt sich einfach weiter dreht… auch ohne dich…

Wir-in-Rheinhessen: Was halten Deine Kinder vom Beruf ihres Papas?

Sven Hieronymus: Meine Tochter findet es furchtbar, aber mit 15 Jahren ist das wahrscheinlich auch so. Mein Sohn findet es ganz cool und damit hat es sich auch. Wie gesagt, das ist Papas Beruf und fertig.

Wir-in-Rheinhessen: Was machst Du, wenn Du mal ausruhen und entspannen willst? Wo machst Du beispielsweise Urlaub?

Sven Hieronymus: Am Meer. Immer wieder ans Meer. Schnorcheln, abhängen, sonnen, lesen und einfach mal nichts schreiben. DAS ist für mich Erholung. Oder in den Skiurlaub fahren, das mache ich auch gerne. Aber ich ziehe einen Strand allem Anderen vor. Ich liebe das Meer.

Wir-in-Rheinhessen: Wenn Dich ein Tourist fragt, was er in Rheinhessen auf jeden Fall machen und erleben sollte, was würdest Du ihm raten?

Sven Hieronymus: Setzt Dich in eine Kneipe, eine Straußwirtschaft und lerne die Menschen, die hier wohnen, kennen. Wir haben nichts besseres zu bieten als die Menschen die hier leben. Ihre Offenheit, ihr Humor, ihre Art „Von de Lung uff die Zung“, das ist es, warum ich hier auch nie wegziehen werde. Hier bin ich zu Hause, hier fühle ich mich wohl und hier möchte ich auch begraben werden….

Das Gespräch führte Andreas Lerg.