Donnerstag, Juni 4

Ist die Oppenheimer Wäldcheskerb noch zeitgemäß?

(Symbolfoto: stock.xchng)
(Symbolfoto: stock.xchng)

Das Pfingstwochenende ist vorbei und damit auch wieder die Oppenheimer Wäldcheskerb. Das die Allgemeine Zeitung insgesamt sehr wohlwollend berichtet, ist in Ordnung. Und sicher hat die Wäldcheskerb auch absolute Highlights wie das Schifferstechen im Hafen. Aber es muss auch Raum für nachdenkliche und kritische Töne geben. Deshalb will ich hier die meiner Meinung nach nötige Frage stellen, ob die Oppenheimer Wäldcheskerb in ihrer jetzigen Form noch zeitgemäß ist?

Gestern beispielsweise war der „Tag der Vereine und Betriebe“. Doch als wir im Verein – wir hatten die Chorprobe extra früher beendet – auf die Festwiese kamen, da darf zumindest ich für mich sagen, fühlte ich mich absolut zum Narren gehalten. Es gab NICHTS mehr zu Essen, denn ALLE Essensstände, vom Bratwurststand über die Pizzabude bis zum Süßigkeitenstand waren um 21:05 Uhr bereits feste verrammelt. Und auch der Crepesstand war gerade am abbauen. Damit nicht genug. Die Fahrgeschäfte vom Karrousell bis zum Autoscooter waren ebenfalls mit dem Abbau beschäftigt und schon teilweise zerlegt. Die Weinstände waren noch offen, aber wenn der ganze Platz vom Abbaulärm der Fahrgeschäfte dröhnt und die Essensbuden dunkel und geschlossen sind, dann sendet das eine überdeutliche Botschaft: „Liebe Kerbebesucher, haut gefälligst endlich ab!!“ Ja dann darf man sich nicht wundern, dass genau das auch viele nach nur einem Glas Wein taten. Unser gemütlicher Vereinsabend auf der Oppenheimer Wäldcheskerb war nach 15 Minuten beendet. Der „Tag der Vereine und Betriebe“ ist so nur ein Armutszeugnis.

Tagsüber ist die Kerb eine gute Gelegenheit für Familien mit Kindern, mal auf den Rummel zu gehen. Aber Bekannte von mir mit Nachwuchs mussten zwei Euro für die Schiffsschaukel bezahlen und zwar pro Person. Ein Kind von nichtmal drei Jahren muss wie ein Erwachsener den vollen Preis bezahlen. Ok, die Schaustller müssen auch von etwas leben, aber die hohen Preise halten auch viele von der Nutzung der Fahrgschäfte ab.

Doch als Anwohner der Kerb – ich wohne rund 300 Meter weit weg – darf man dann jede Nacht erleben, welches Publikum sich zu später Stunde dort vergnügt. Wenn dann nach Mitternacht – ich sag es jetzt mal so wie es ist – „druckbetankte“ Jugendliche grölend durch die Straßen marodieren und in Vorgärten pinkeln und kotzen, dann darf man sich durchaus fragen, ob das Thema Jugendschutz und das Verbot, Alkohol an Jugendliche zu verkaufen, nicht ernst genommen wird. Denn mein kurzer abendliche Besuch auf der Kerb zeigt, dass dort vorwiegend junges und auch minderjähriges Publikum anzutreffen ist.

Das älteres Publikum fehlt, hat seine Gründe. Die Festwiese ist nicht mehr wirklich ein schöner Platz und strahl wenig Gemütlichkeit aus. Die Weinstände mit den Sitzgelegenheiten sind hinten in die Ecke gedrängt. Auch über die Musik kann man sich streiten. Es ist an der Zeit, dass das Konzept der Wäldcheskerb vollkommen überdacht und umfangreich modernisiert wird. Derzeit wird es nur alle Jahre ein bisschen modifiziert – dieses Jahr gab es „nur“ eine Bühne statt ein Festzelt – doch mit dieser alljährlichen „Kosmetik“ kann man nichts retten, denn die oben beschriebenen Zustände sind wirklich nicht neu.

Es muss dringend überlegt werden, ob und wie man die Wäldcheskerb retten kann. Wie gesagt, Highlights gibt es, aber das Gesamtkonzept stimmt nicht mehr und das nicht erst seit diesem Jahr.  Dies ist meine Meinung. Sie dürfen mit der Kommentarfunktion sehr gerne widersprechen oder zustimmen. Konstruktive Vorschläge sind dabei wollkommen.

4 Comments

  • Ich gehe schon seit Jahren nicht mehr hin. Aus dem Auto-Scooter-Alter bin ich raus und um ein Glas Wein zu trinken, gibt es gemütlicheres Ambiente. Ich erinnere mich aber gerne an die 80er Jahre, als da jeden Abend im Festzelt was los war. Vielleicht ist das Publikum einfach nur „satt“ am Überangebot? Rheinradeln, Mittelalterfest, Roter Hang in Nierstein und die ganzen Weinfeste in der Gegend? Man sollte sich mal auf die Oppenheimer Bürger konzentrieren und versuchen ein Programm zu bieten, was auch die Bewohner der „Schlafstadt“ östlich der B9 anspricht. Sicher nicht so einfach.

  • peter

    Die Kerb hat leider schon seit Jahren ausgedient. Vergleicht man mal andere Feste, zeigt die traditionelle Kerb in Oppenheim weder Charme noch Stil. Der „Festplatz“ erinnert an ein Zwischenlager für die Schausteller. Mehr Lücken als Stände …oder Geschäfte. Der Platz als solches hat weder Flair noch Gemütlichkeit. Daher sollte die Stadt auch mal überdenken, den Rahmen von andere Feste anzupassen. Leider wird auch kaum jemand an Tradition anknüpfen. Andere Orte haben eine Kerbejungend, sowas hatten wir noch nie. Highlights kann ich mich nur als kleiner Bub erinnern. Der Umzug ist naja, auch gerade kein Besuchermagnet. Oppenheim hat so viele schöne Plätze. Aber das ist wie mit den Festpiele, keine Sau geht hin, aber es wird daran festgehalten, weil es ja immer so ein toller Erfolg ist !!!

  • Ich finde es sehr ärgerlich, dass es auf dem Platz so viele Lücken zwischen den Ständen gibt… das mit den Lücken liegt eindeutig daran, dass die Fa. Barth die Platzvergabe „organisiert“ und diesem traditionelle Familienunternehmen ist nicht daran gelegen, dass z.B. andere Anbieter von Leckereien einen Standplatz auf eben diesem Gelände bekommen. Alles soll schön in Familienhand bleiben und auf keinen Fall soll ein Anderer daran verdienen …

  • Man sollte vielleicht einmal über ein ganz neues Konzept sprechen, um die „Festflucht“ zu anderen Events in den Griff zu bekommen. Ein Umdenken wäre, meiner Meinung, der richtige Weg – allerdings würde das viele Details betreffen.

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Prima. es hat geklappt. :-)

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