Die Amsel ist einer von vielen Vögeln, die man in Oppenheim hören und sehen kann (Foto: stock.xchng)

Samstag früh morgens um sieben. Bei der Polizeistation Oppenheim hat sich ein Grüppchen von Personen eingefunden. Die meisten sind mit einem Fernglas bewaffnet. Auch ich habe mich sehr früh aus dem Bett gequält, um bei dieser kleinen Exkursion dabei zu sein. Denn wir wollen schauen, bei wem es in Oppenheim piept. Der NaBu Oppenheim hat zur vogelkundlichen Wanderung eingeladen. Und gleich zu Beginn hat es schon manigfaltig gepiept. Mit Nikolaus Strupp vom Nabu hatten wir auch einen sehr kompetenten Experten, der uns umfangreich erklärte, welche Piepmätze da so früh morgens drauflos schmettern.

Was hat der Pirol mit Loriot zu tun?

„Jetzt hören wir gerade einen Pirol. Der ist an seinem typischen Ruf „didliho“ zu erkennen, der er immer wieder wiederholt.“ Der Künstler und Komiker Bernhard Victor (Vicco) Christoph Carl von Bülow, verdankt seinen Künstlernamen Loriot überigens auch dem Pirol, denn der Vogel ist das Wappentier der von Bülows und heißt auf Französisch eben Loriot. Der Pirol braucht sehr hohe Bäume, denn er nistet in mindestens 15 Metern Höhe. Deshalb betonte Strupp, dass beim Umbau des Oppenheimer Wäldchens zum ursprünglichen Auenwald einige der hohen Hybridpappeln unbedingt erhalten bleiben müssen.

Ziel unserer Wanderung war vor allem der Übergangsbereich zwischen freier Natur – hier vor allem dem Oppenheimer Wäldchen – und den Gärten der Siedlung. Strupp erklärte, dass es bei den Vögeln Kulturfolger und Kulturflüchter gibt. Kulturfolger haben sich mit dem Menschen arrangiert und leben zum Teil auch in direkt seinen Gärten und seiner Umgebung. Die, die nicht direkt im Garten der Menschen leben, nisten oft in freier Natur, kommen aber zum fressen in die Gärten. Kulturflüchter meiden die Siedlungsgebiete und leben nur in freier Natur und fern der Menschen. Die Nachtigall, die durchaus auch tagsüber singt, ist nur dann ein Kulturfolger, wenn dichtes Gestrüpp in einem Garten oder innerorts als Nistplatz verfügbar ist. Als Bodenbrüter braucht sie einen Nistplatz, der vor Katzen oder Füchsen sicher ist.

Männer streiten natürlich um eine Frau

In der Anna-Seghers-Straße konnten wir zwei Türken-Tauben-Männchen bewundern, die sich balgten und stritten. Worum konnte es dabei anders gehen, als um eine Frau?! Das angebetete Weibchen hockte in der Nähe und schaute dem Treiben zu. Nikolaus Strupp berichtete und, dass er am Oppenheimer Friedhof unlängst erstmals eine Zaunammer gesichtet hat. Das ist eine Vogelart, die hier bisher nicht heimisch war.

Alles in allem hat sich das frühe aufstehen gelohnt, weiss ich doch jetzt beispielsweise auch, dass Grasmücken – ja das sind Vögel – eher „schwätzen“ als singen. Ich habe auch erfahren, dass der Zaunkönig überall nistet, wo er sich verstecken kann. Nikolaus Strupp: „Den können Sie sogar in ihrem Garten in der Gieskanne finden.“