Auf dem ersten Fluglärmkongress in Mainz, initiiert von der Landesregierung Rheinland-Pfalz, wurde viel über Fluglärm gesprochen und diskutiert, aber konkrete Ergebnisse blieben aus, vor allem deshalb, weil nur Vertreter der Landespolitik und Bürgerinitiativen aus Rheinland-Pfalz zusammen diskutiert haben, die Deutsche Flugsicherung (DFS) oder die Fraport aber nicht vertreten waren. Alle Politiker berichteten, wie viel in den letzten Jahren gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens und den Fluglärm im Allgemeinen getan wurde und was erwartet wird: Nachtflugverbot, bessere An- und Abflugverfahren, Gesundheit der Menschen vor wirtschaftlichen Interessen und vor allen Dingen eine FAIRE Verteilung des Lärms. Im letzten Punkt herrschte sehr große Einigkeit unter allen Rednern aus der Politik, ohne, dass auch nur ein Wort darüber gefallen ist, was sich jeder einzelne darunter vorstellt oder vorstellen darf.

Kann man von einer fairen Verteilung des Fluglärms sprechen, wenn als eines der Hauptkriterien der Fluglärm-Index herangezogen wird, der maßgeblich mit der Anzahl der betroffenen Personen rechnet und komplett außen vor läßt, dass ein Individuum Lärm empfindet und nicht eine Gruppe von Menschen?

Hier wird Lärm gezielt klein gerechnet, in dem man ihn dorthin verschiebt, wo weniger Widerstand aus der Bevölkerung zu erwarten ist, nämlich dort, wo weniger Menschen leben. An dieser Stelle sei aber gesagt, dass es im Rhein-Main-Gebiet kein dünn besiedeltes Gebiet gibt und immer viele Menschen betroffen sein werden.

Ist es eine faire Verteilung von Lärm, wenn die Flugrouten so gelegt sind, dass bei einer Kumulierung der An- und Abflugrouten sehr viele Flugrouten in einer kleinen Region vermehrt aufeinander treffen?

Die Verbandsgemeinden Bodenheim, Nierstein-Oppenheim und Nieder-Olm müssen die mit Abstand größte Anzahl von Flugrouten westlich des Flughafens hinnehmen. Nicht dass das ausreicht, das vorgestellte Flugrouten-Gutachten der Landesregierung Rheinland-Pfalz schlägt allen Ernstes vor, die Südumfliegung noch nach Süden zu verschieben, obwohl hier schon eine enorme Bündelung von Flugrouten vorliegt. Es wird als Gewinn für die ganze Region verkauft, da die Flugzeuge mehr Höhe gewinnen könnten und dadurch leiser seien. Jedoch wurden in dem Gutachten die Anflugrouten nicht mit einbezogen, so dass der heute kommunizierte Höhengewinn gar nicht stattfindet. Im Gegenteil, da die startenden Flugzeuge unterhalb des nördlichen Gegenanfluges der Landeroute durchfliegen müssen, werden die startenden Flugzeuge künstlich niedrig gehalten. Dadurch wird die gesamte Region Rheinhessen künstlich verlärmt und unnötig mit Emissionen belastet. Bisherige Forderungen unsererseits, der Initiative gegen Fluglärm in Rheinhessen (http://www.fluglaerm-rheinhessen.de) den Gegenanflug des Landeanflugs deutlich anzuheben, um die ungerechtfertigte Verlärmung von Rheinhessen abzumildern, sind nie in die Diskussion aufgenommen worden.

 

 

Hinzu kommt, dass jede südliche Umfliegung, anstelle des bisherigen Nordabfluges „die ökologische Bilanz durch die deutlich längere Strecke und den dadurch höheren Kerosinverbrauch pro Flug“ verschlechtert, teilte kürzlich die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) mit. Ferner sei wegen darüberliegender Verkehrsströme ein, verglichen mit der heutigen Situation, längerer Verbleib der Maschinen «in lärmkritischen und unwirtschaftlichen tiefen Flughöhen» zu erwarten. Quelle: dapd-hes, http://www.nh24.de

Einen Schritt näher an eine faire Verteilung rund um den Frankfurter Flughafen kämen wir, wenn der bisher durchgeführte Nordabflug auch im Ausbaufall der Nordwestlandebahn weiter zur Anwendung käme. Die technische Machbarkeit der bisherigen Startrouten und eine erhöhte Kollisionsgefahr mit durchstartenden Flugzeugen auf dem Parralelbahnsystem bei der Südumfliegung wurden in den letzten Tagen in der Presse von Fluglotsen und Piloten bestätigt. Daher gibt es keinen Grund den Main-Taunus-Kreis über die Maßen zu entlasten und den Lärm nach Rheinland-Pfalz zu verschieben.

Die Herabsetzung des Flugraums über Rheinland-Pfalz, also eine Luftraumbevorratung seitens des Frankfurter Flughafens, mit der Folge, dass alle Flugzeuge künstlich niedrig fliegen und unnötig mehr Lärm produzieren und die gleichzeitige Verschiebung von Fluglärm von Hessen nach Rheinland-Pfalz nimmt enteigungsähnliche Zustände durch unzumutbaren Lärm an. All das ist nur möglich, weil die die Mitspracherechte der Rheinland-Pfälzischen Politik und Bürgerbeteiligungen bei Festlegung einer Flugroute nicht vorhanden sind. „Es ist einfacher eine Flugroute festzulegen als eine Kreisstraße zu bauen“ so Hering auf dem Kongress.

Hier muss der Staat Instrumentarien und gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen, damit es der Bevölkerung möglich ist Einfluß auf so einschneidende Entscheidungen wie Großprojekte Flughafenausbau und die Festlegung von Flugrouten zu nehmen. Um das zu erreichen sind alle Politiker aufgefordert entsprechende Stellungnahmen gegenüber der Bundesregierung und dem Bundesrat zu formulieren.

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