Gaby Seipel bei der Arbeit an einem Objektbild.

In Oppenheim lebt die in Wiesbaden geborene Künstlerin Gaby Seipel.  Ihre Bilder fallen fast im Wortsinne aus dem Rahmen, denn statt flächiger Malerei erschafft sie Objektbilder. Quasi kleine Plastiken im Rahmen. Wir-in-Rheinhessen sprach mit der Künstlerin über ihre Bilder und deren Entstehung.

Wir-in-Rheinhessen: Auf Ihrer Webseite steht, dass Sie Sprachklischees bildhaft darstellen. Wie ist das gemeint?

Gaby Seipel: Ich versuche Redewendungen und Sprichwörter wörtlich zu nehmen und als dreidimensionales Bild darzustellen. Das kann man sich etwa so vorstellen:
Beim Titel Erbsenzählerin steht beispielsweise eine kleine Figur vor einem Berg Erbsen und zählt diese….. Dadurch wird scheinbar eindeutiges, zweideutig. Die kleinen Geschichten beschäftigen sich mit allen Bereichen des Lebens und regen zum genauen Hinsehen, Nachdenken und Schmunzeln an. Zurzeit arbeite ich zum Beispiel an einer Auftragsarbeit, die einen prominenten Politiker zeigt der sich mit fremden Federn schmückt.

Wir-in-Rheinhessen: Welche Schwierigkeiten gibt es dabei, diese bildhafte Umsetzung von Sprachklischees zu schaffen?

Gaby Seipel: Die Schwierigkeit liegt darin passende Figuren und Gegenstände zu finden, die zur jeweiligen Bildaussage passen. Nach Möglichkeit soll sich die Aussage des Bildes auch ohne lesen des Titels erschließen. Das reizvolle aber auch schwierige ist immer ein relativ kleines Format beizubehalten.

Wir-in-Rheinhessen: Welche Materialien kommen bei den Objektbildern zum Einsatz? Gibt es nur diese Objektbilder oder auch Malerei im herkömmlichen Sinne?

Gaby Seipel Objektbild.

Gaby Seipel Objektbild.

Gaby Seipel: Malerei im herkömmlichen Sinne wird zurzeit nicht angewendet, aber ich bin für alle Techniken aufgeschlossen. Collagen und Installationen mit jedem erdenklichen Material werden angewendet. Das einzige was sich immer wiederholt und dadurch auch den thematisch roten Faden (wieder ein Sprachklischee) bildet, sind die minimalistischen Figuren.

Wir-in-Rheinhessen: Ist die Kunst nur ein Hobby oder steckt auch ein kreativer Beruf dahinter?

Gaby Seipel: Ich betreibe meine Kunst zurzeit beruflich.

Wir-in-Rheinhessen: Als gebürtige Wiesbadenerin ist Oppenheim die Wahlheimat. Warum?

Gaby Seipel: Ich lebe seit cicra 20 Jahren in Rheinhessen, weil mich die Liebe irgendwann hierher geführt hat. Vor etwa einem halben Jahr bin ich nach Oppenheim umgezogen und fühle mich hier angekommen und in die Gemeinschaft integriert. Hier passt einfach alles.

Wir-in-Rheinhessen: Was macht Ihre Bilder zu etwas Besonderen?

Gaby Seipel: Die von mir erstellten Bilder sind in Motiv und Technik außergewöhnlich und kaum mit anderen vergleichbar. Ich denke das ist auch ein Grund, warum ich selbst bei anerkannten Künstlern auf positive
Resonanz und Interesse stoße. Ich habe meinen eigenen Stil gefunden, ohne das Rad dafür neu erfinden zu müssen.

Gaby Seipel Objektbild.

Gaby Seipel Objektbild.

Wir-in-Rheinhessen: Wo kann man die Objekte bewundern?

Gaby Seipel: Zurzeit sind meine Objektbilder im Café Fritsch, Mainzerstr. 38 in Oppenheim zu sehen. Was ich als sehr vorteilhaft empfinde ist, dass der größte Teil der Bilder von außen im Schaufenster zu sehen ist. Das ermöglicht ein nahes Betrachten auch außerhalb der Öffnungszeiten. Die etwas frivoleren Motive sind allerdings nur von innen zu sehen, es lohnt sich also in jedem Fall auch das Einkehren. Ich besuche das Café täglich und bin immer erfreut dort interessante Gespräche über meine Arbeiten zu führen. Und natürlich sind die Bilder auf meiner Webseite www.klischee-kunst.de zu finden.

Das Gespräch führte Andreas Lerg.