Montag, Februar 22

Menschen in Rheinhessen: Hannelore Seckel von Nackenheim nach Doha

Die "Exil-Rheinhessin" Hannelore Seckel in Doha, der Hauptstadt von Qatar.

Hannelore Seckel lebt mittlerweile in Doha, der Hauptstadt von Qatar (Katar).  Das ist ein Staat im Nordosten der arabischen Halbinsel am Persischen Golf. Die ovale und recht  schmale Halbinsel grenzt im Süden an das Königreich Saudi-Arabien. Von Süden nach Norden dehnt sich das Land rund 180 km, von Westen nach Osten 80 km aus. Bevor Hannelore Seckel mit ihrem Mann nach Doha zog, lebte sie in Nackenheim. Über die Weihnachtsfeiertage ist sie in ihrer rheinhessischen Heimat. Wir-in-Rheinhessen nutzte die Gelegenheit und sprach mit ihr über das Leben in Doha.

Wir-in-Rheinhessen: Was hat Dich von Nackenheim nach Doha in Qatar verschlagen?

Hannelore Seckel: Zuerst muss ich zugeben, dass ich von diesem Land zwar schon mal gehört, aber sonst keinerlei Informationen hatte. Da wir, also unsere Familie, schon oft im Ausland gelebt haben, sind wir allgemein sehr aufgeschlossen im Ausland zu leben. Uns hat natürlich die Arbeit dort hin verschlagen. Mittlerweile leben wir seit drei Jahren dort und fühlen uns sehr wohl.

Wir-in-Rheinhessen: Was waren Deine ersten Eindrücke, als Du in das Land kamst?

Hannelore Seckel: Als ich das erste Mal hier aus dem Flugzeug stieg, dachte ich zugegeben einfach nur an eine Sauna. Aber alle Shoppingmalls und öffentlichen Einrichtungen sind gut klimatisiert.
Man muss sich das so vorstellen, es ist im Prinzip wie in Dubai, Jahre zuvor stand dort kaum ein Gebäude. Ich war sehr beeindruckt von der Vielfalt der verschiedenen Architekturen.

Wir-in-Rheinhessen: Wenn Du das Leben in Rheinhessen mit dem in Doha vergleichst, wo liegen die krassesten Unterschiede? Was ist dort besser, was schlechter?

Hannelore Seckel: Was ist in Qatar schlechter oder besser? Das kann man so pauschal nicht beantworten. Es ist mir die Sauberkeit aufgefallen, Menschen in gelben Anzügen sind ständig emsig dabei, die Strassen und Plätze vom wenigen Müll zu befreien. Es wird sehr viel in Beregnungsanlagen investiert, damit die Grünanlagen bei der trockenen heißen Luft von bis zu 50° im Sommer auch gut gewässert werden. Natürlich ist das Leben was ich dort führe, nicht ganz so wie in Deutschland. Zuerst muss man sich an das Klima gewöhnen. Es gibt durchschnittlich nur 5 Regentage im Jahr.

Wir-in-Rheinhessen: Hattest Du Schwierigkeiten, dich in Doha einzuleben? An was muss man sich als Deutscher gewöhnen und womit kommt man schnell zurecht?

Hannelore Seckel: Ja, zugegeben am Anfang schon. Dachte so bei mir die ersten Wochen, wie soll ich mich hier jemals heimisch fühlen. In Qatar leben etwa 1,25 Millionen Menschen, die meisten davon in Ad Dawhah/Doha der Hauptstadt dieses nur 11437qkm kleinen Landes. Davon sind aber ungefähr nur 20% Einheimische, also der übrige Teil sind Ausländer. Also haben alle das gleiche Problem. Nach der Arbeit finden sich viele in Sportclubs zusammen, Sport wird in diesem Land sehr groß geschrieben.

Wir-in-Rheinhessen: Hast Du auch mal Heimweh?

Hannelore Seckel: Heimweh? Eigentlich nicht, zugegeben ich vermisse langjährige Freunde, Verwandte. Aber ein bisschen muss man schon selbst tun um sich heimisch zu fühlen. Ich arbeite dort in verschiedenen Gruppen, zum Beispiel den TLG Ladys als Ehrenamtliche Helferin. Sei es zur Hilfe oder Unterstützung der “ Neuankömmlinge“ in Doha oder nur einfach nur das organisieren von Events. Es gibt auch ein gut geführtes Tierheim, das sich über jede Hilfe freut.

Wir-in-Rheinhessen: Wie sind die Menschen in Doha, wie unterscheiden Sie sich von den Menschen in Rheinhessen?

Hannelore Seckel: Eigentlich gibt es keine Unterschiede, die Menschen dort sind ebenso nett und freundlich wie hier auch! Da kommt das schöne Sprichwort zum Tragen, so wie man in den Wald hineinruft…….

Hannelores Bilder entstehen seit sie in Doha lebt in helleren Farben.
Hannelores Bilder entstehen, seit sie in Doha lebt, in helleren Farben.

Wir-in-Rheinhessen: Du bist ja Malerin. Hat das Leben in diesem Land auch Einfluss auf Deine Bilder und Deinen Malstil?

Hannelore Seckel: Begonnen habe ich mit der Malerei in Südafrika mit verschiedenen Künstlern. In Doha habe ich eine professionelle Kunstschule besucht und male jetzt in zwei unterschiedlichen Kunstgruppen. Klar, als Künstler sucht man nach dem eigenen Stil ich versuche es mit Mixen von verschiedenen Materialien. Beeinflusst hat mich das Land in der Wahl der Farben. Sie sind jetzt eher hell. Ich habe vorrangig mit Porträtmalerei angefangen und widme mich jetzt mehr und mehr der abstrakten Malerei im Stile von Kimon Nicolaides.

Wir-in-Rheinhessen: Qatar ist ja ein muslimisches Land, wie macht sich das für dich im Alltag bemerkbar?

Hannelore Seckel: Eher wenig! Wenn sie ein muslimisches Land besuchen, wissen sie eigentlich, dass Minirock und schulterfreie Kleidung eher unangebracht sind. Männer sollten in Moscheen keine kurzen Hosen tragen, ich weiß jetzt nicht wie es bei uns in den Kirchen aussieht. Es ist auch eine Frage des Respekts anderer Kulturen.

Wir-in-Rheinhessen: Was machst Du in Deiner Freizeit dort in Doha?

Hannelore Seckel: Da gibt es viele Möglichkeiten. Es gibt zum einen die Möglichkeit mit Freunden in der Wüste Quad zu fahren, Zum anderen fahre ich oft Jetski im Persischen Golf. Kulturell bietet das Qatar Sinfonie Orchester sehr gute Konzerte an. Es ist vorwiegend mit deutschen Musikern besetzt. Weiterhin gibt es an der Corniche ein Museum of Islamic Art. Ich möchte auch den Souq Waqif im Herzen von Doha erwähnen, wo man in der Brüsseler Kaffeetasse einen guten Kaffee und Kuchen bestellen und vom Shoppen ausruhen kann. Ganz neu hinzugekommen ist auch das Culturale Village. Dort fanden kürzlich die Doha Filmfestspiele mit renommierten Künstlern wie zum Beispiel Robert de Niro statt.

Ein Bild von Hannelore zeigt die Skyline von Doha.
Ein Bild von Hannelore zeigt die Skyline von Doha.

Wir-in-Rheinhessen: Wenn jemand in Qatar Urlaub machen möchte, welche Tipps kannst Du geben?

Hannelore Seckel: Qatar ist ein gastfreundliches Land. Es finden ständig Sportereignisse und andere Events statt. Wenn sie Qatar besuchen möchten, gibt es viele Möglichkeiten und Wege sich vorher zu informieren. Schauen sie auch in vielfältigen Webseiten hinein. In den Hotels gibt es gute Broschüren und Hinweise, welche Ausflüge man unternehmen kann. In fast allen Hotels und den dazugehörenden Restaurants wird Alkohol ausgeschenkt. Hinweise gibt auch unsere deutsche Botschaft. Vor der Einreise sollte der Reisepass noch eine Gültigkeitsdauer von mindestens 6 Monate haben.

Ansonsten sage ich nur MARHABA, was auf Arabisch WILLKOMMEN heißt!

Das Gespräch führte Andreas Lerg.

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